Krisen, Skandale und Hoffnung zu Weihnachten in Lateinamerika

Zahlreiche Präsidenten wenden sich mit Festtagsbotschaft an Bevölkerung. Eklat um Werbespot von Coca Cola in Mexiko. Kritik an Feierkultur der USA

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Weihnachten 2015 wird in Lateinamerika mit unterschiedlichen Gefühlen gefeiert
Weihnachten 2015 wird in Lateinamerika mit unterschiedlichen Gefühlen gefeiert

San Juan/ Washington/ Caracas. In Lateinamerika ist das Weihnachtsfest dieses Jahr auch von Krisen und politischen Konflikten überschattet, während die Regierungen in einzelnen Ländern zu einem optimistischen Blick in das kommende Jahr aufrufen. Zugleich wurden angesichts der christlichen Feier erneut Differenzen zwischen den Kulturen Lateinamerikas und der USA deutlich. Für Schlagzeilen sorgte vor allem der Getränkekonzern Coca Cola mit einem fragwürdigen Werbespot.

In Puerto Rico, das eine schwere Wirtschafts- und Finanzkrise durchleidet, mussten tausende Angestellte des öffentlichen Dienstes bis zum Mittwoch auf die Auszahlungen der üblichen Weihnachtsboni warten. In letzter Minute gab die Regierung der Antilleninsel umgerechnet knapp 110 Millionen Euro frei, um die Zahlungen zu ermöglichen. In den Genuss der Boni kam, wer mindestens sechs Monate im Staatsdienst stand. Puerto Ricos Haushalt ist zum Jahresende mit Schulden in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar belastet. Der mit den USA assoziierte Staat wird, kommt Washington ihm nicht zur Hilfe, am 1. Januar bankrott sein.

In mehreren Staaten Lateinamerikas und der Karibik ist das Weihnachtsfest indes von der Hoffnung auf wirtschaftliche Verbesserungen verbunden. In Ecuador richteten Präsident Rafael Correa und Vizepräsident Jorge Glas ihre traditionelle Weihnachtsbotschaft an die Bevölkerung. Der Geist des christlichen Festes lebe, "wenn Du das Verlangen des Bedürftigen neben Dir mit Brot und Hoffnung stillst", sagte Correa während eines traditionellen Weihnachtsessens im Stadtteil San Marcos im Zentrum Quitos.

Der parteilose Interimspräsident von Guatemala, Alejandro Maldonado, rief die Bevölkerung zum Vertrauen in "Familie, Freunde und Gott auf". Das mittelamerikanische Land erlebt nach dem Rücktritt von Präsident Otto Pérez Molina inmitten eines Korruptionsskandals eine schwere Krise. Maldonado, der Mitte Januar sein Amt an den künftigen Präsidenten Jimmy Morales abgibt, bat die Bevölkerung "ohne Angst und ohne Hass" in die Zukunft zu schauen.

In Kuba verbindet die katholische Kirche mit dem Prozess der politischen Öffnung des Landes offenbar die Hoffnung auf eine neue Rolle in der Gesellschaft. Der Kardinal von Havanna, Jaime Ortega, wandte sich in einer Botschaft an die Bevölkerung, um sie zu einem Fest der "Freude und Hoffnung" aufzurufen. Die Botschaft des Kirchenoberen wurde im staatlichen Fernsehen des sozialistischen Inselstaates übertragen.  

In Bolivien wandten sich Präsident Evo Morales und Vizepräsident Álvaro García Linera an die Menschen. "Ich möchte zu den Feiern zum Jahresende anstoßen, um ganz Bolivien viel Erfolg bei den Plänen und Träumen von einer besseren sozialen und wirtschaftlichen Situation zu wünschen", sagte Morales. 

Für einen Skandal hatte indes bereits früher im Monat der US-Getränkehersteller Coca Cola gesorgt. Das Unternehmen musste nach heftiger Kritik von Indigenen und Menschenrechtsgruppen einen Werbespot in Mexiko zurückziehen. Das kurze Werbevideo habe "eine Botschaft von Zusammenhalt und Glück zwischen Gemeinschaften" verbreiten sollen, hieß es aus Atlanta, dem Firmensitz. In dem Werbespot war eine Gruppe junger Weißer zu sehen, die eine Kühlbox mit Coca-Cola-Flaschen in das Bergdorf Totontepec im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca fahren, um dort einen roten Weihnachtsbaum mit Lichtern aus Coca-Cola-Flaschen zu erreichten. Die indigenen Einwohner der Mixe-Gruppe stehen andächtig vor dem Baum. Vertreter der Ureinwohner und Menschenrechtsgruppen übten heftige Kritik an dem Spot, den sie als rassistisch und arrogant brandmarkten. Coca Cola löschte das Video daraufhin.

Zunehmend kritisch wird die Konsumkultur auch in den USA selbst gesehen. Die Forschungseinrichtung Zentrum für globale Entwicklung (CGDEV) wies unlängst darauf hin, dass öffentliche und private Weihnachtsbeleuchtungen in den USA nach Angaben der US-Energiebehörde EIA jährlich rund 6,6 Milliarden Kilowattstunden verbrauchen. "Diese Energiemenge entspricht zwar nur 0,2 Prozent des landesweiten Energieverbrauchs, aber sie könnte 14 Millionen Kühlschränke betreiben", schreibt das CGDEV. Es sei auch mehr als der gesamte jährliche Energieverbrauch vieler Entwicklungsstaaten wie El Salvador, Äthiopien, Tansania, Nepal oder Kambodscha.

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