Guatemala / Politik

Guatemala: Kaum Fortschritte bei Umsetzung des Friedensabkommens

800px-zunil_guatemala_panorama.jpg

Blick auf die Stadt Zunil im Süden Guatemalas
Blick auf die Stadt Zunil im Süden Guatemalas

Guatemala-Stadt. Auch 17 Jahre nach Ende des blutigen Bürgerkrieges und der Unterzeichnung eines ambitionierten Friedensabkommen sehen Beobachter nur wenige Fortschritte hinsichtlich sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit. Das Land ist noch weit von der Verwirklichung der damals formulierten Ziele entfernt. Die darin fixierten Reformen von Verfassung, Justiz und politischem System wurden nicht umgesetzt.

Mit der Unterzeichnung der Friedensverträge Guatemalas endete formell 1996 der letzte Bürgerkrieg in Zentralamerika, der etwa 200.000 Tote gefordert hatte. In den 12 Dokumenten geht es um Versöhnung, Entschädigung der Opfer, die Einrichtung einer Wahrheitskommission zur Bestimmung der historischen Wahrheit und zur Aufklärung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Des weiteren wurden in den Verträgen zwischen Regierung und Rebellen Reformen am sozioökonomischen System, in der Landwirtschaft, beim Wahlsystem sowie die Anerkennung der Identität und Rechte der indigenen Völker vereinbart.

Der Leiter des Menschenrechtsbüros der Erzdiozöse Guatemalas (ODHAG), Nery Rodenas sieht nur geringe Fortschritte bei der Umsetzung der Abkommen. Auch heute lebt ein Großteil der guatemaltekischen Bevölkerung weiter in Armut. Immer noch sind die Maya-Sprachen nicht von der Verfassung des Landes anerkannt, obwohl auch dies Teil des Friedensabkommens war. Weder wurde das Wahlsystem reformiert, noch ein gerechteres Steuersystem geschaffen. Vinivio Cerezo, von 1986 bis 1990 Präsident der Republik Guatemala, hält die Notwendigkeit einer Verwirklichung der Ziele des Friedensabkommens weiter für aktuell. Die Ursachen des 36 Jahre währenden Bürgerkriegs bestünden weiter fort, warnte er.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr