Brasília. Kurz vor den Präsidentschaftswahlen fällt die Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten vier Jahre positiv aus. Die ersten zwei Jahre der Regierung Lulas bildeten mit Zuwachsraten von 3,2 bis 3,4 Prozent eine Phase starken Wirtschaftswachstums, sinkender Inflation und rückläufiger Arbeitslosigkeit. Entsprechend positiv entwickelten sich auch der Arbeitsmarkt und die Investitionen. Getragen wurde dies hauptsächlich durch die Agrarexporte sowie Erdöl und Gas, aber auch durch eine positive Entwicklung der brasilianischen Industrie.
Ab 2025 erfolgte jedoch eine Entschleunigung. Die Wachstumsrate ging im Jahr 2025 um 1,1 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent zurück, bedingt hauptsächlich durch steigende Zinsen und den Handelsstreit mit den USA.
Trotzdem konnte das Land weiterhin Investoren aus dem Ausland anziehen. Brasilien war im letzten Jahr der größte Empfänger chinesischer Direktinvestitionen. Die Firma BYD hat in Camaçarí, im Bundesstaat Bahía, eine Produktionsanlage errichtet, die künftig 150.000 Fahrzeuge im Jahr produzieren soll. Zudem investieren chinesische Firmen in Bergbau und Infrastruktur.
Unter anderem ist eine Eisenbahnverbindung zwischen Ilhéus an der Atlantikküste und dem Hafen von Chancay in Peru geplant, für die letztes Jahr ein Abkommen unterzeichnet und eine Investition von 3,5 Milliarden US-Dollar nur für die Planungsphase bereitgestellt wurde. Auch an der Planung für den Untersee-Tunnel zwischen Santos und Guarujá, das erste Bauwerk dieser Art in Südamerika, sind chinesische Firmen und Kapital beteiligt.
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Mit Direktinvestitionen in Höhe von über 77 Milliarden US-Dollar übertrifft Brasilien alle anderen Länder der Region zusammengenommen, mit Ausnahme Mexikos. Während letzteres 43 Milliarden an Investitionen anziehen konnte, kommen im restlichen Südamerika insgesamt 73 Milliarden zusammen.
Besonders auffällig ist der Kontrast zu Argentinien unter Milei, das trotz seiner zwei Investitionsförderungsgesetze und der von der Regierung angekündigten Investitionen letztes Jahr einen negativen Saldo von 1,25 Milliarden aufwies, da mehr Kapital abfloss als ins Land kam. Dies ist besonders bemerkenswert, da sich während der ersten Regierung Lulas die Wirtschaften von Argentinien und Brasilien im Rahmen des Mercosur ergänzten und gegenseitig förderten, was zu einer starken Wachstumsphase in beiden Ländern führte. Derzeit gehen beide Wirtschaften jedoch getrennte Wege, wobei Argentinien deutlich schlechter abschneidet.
Dieses überwiegend positive Panorama wird jedoch kurz vor der Wahl durch die jüngst gestiegene Inflation belastet. Nachdem im August die Werte im Vergleich zum Vorjahr noch relativ gut aussahen, ergab die Messung im September einen Wert von 4,47 Prozent für die letzten zwölf Monate und lag damit über dem gesetzten Ziel von 3,5 Prozent.
Aber auch dieser Wert liegt noch deutlich unter den Inflationswerten der Regierung von Jair Bolsonaro, dem Vater des Widersachers von Lula in dem aktuellen Wahlkampf. 2021 gab es eine Inflationsspitze von 10,06 Prozent und im Jahr darauf noch 5,79 Prozent.

