Mexiko-Stadt. Mehr als 4.000 Indigene haben im mexikanischen Bundesstaat Chiapas gegen den Bau einer Autobahn von San Cristóbal de Las Casas nach Palenque protestiert. Ein Maya-Altar, Weihrauch, religiöse Bilder und in indigenen Sprachen bestickte Decken prägten die Prozession in Bachajón in der Gemeinde Chilón am 9. August, dem Tag der indigenen Völker.
Die Mitglieder von Organisationen wie der Bewegung zur Verteidigung des Lebens und des Territoriums (Modevite) und anderer befreiungstheologisch ausgerichteter Basisorganisationen forderten die Einstellung des Baus der Autobahn mit dem Namen "Route der Maya-Kulturen". Das Projekt komme ausschließlich dem Tourismus zugute, sagten sie. Ihre Ländereien seien "die Grundlage unseres Überlebens", betonten die Einwohner der Tseltal- und Cho'ol-Gemeinden, die von der Autobahn betroffen sind.
Mit dem Bau der 165 Kilometer langen Schnellstraße wurde 2025 begonnen. Die mexikanische Regierung preist die Straße als Tourismusprojekt an, das die Fahrtzeit zwischen den beiden Besucher-Hotspots San Cristóbal de Las Casas und Palenque von aktuell sechs Stunden auf 1,5 Stunden reduzieren soll.
Die Indigenen lehnen den Bau der Autobahn ab, da dieser "eine Reihe negativer Auswirkungen und Risiken" mit sich gebracht habe, darunter ökologische Auswirkungen auf Wälder, Quellen, Grundstücke und als heilig geltende Stätten. Zudem erwähnten sie Bedrohungen durch die Arbeiter der Bauunternehmen und die Kriminalisierung des Protests. "Unsere Rechte werden verletzt, unser Widerstand soll geschwächt werden", erläuterten Vertreter der Organisationen auf einer Pressekonferenz nach der Prozession.
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Zu den Plakaten, die den Marsch begleiteten, gehörte auch das Konterfei von Marcelo Pérez, einem beliebten indigenen Priester und Menschenrechtsaktivisten, der 2024 in San Cristóbal de Las Casas nach einem Gottesdienst auf offener Straße ermordet wurde (amerika21 berichtete).
Anlässlich der Mobilisierung kritisierten die indigenen Organisationen auch den Entwurf eines Gesetzes über die Rechte der indigenen und afro-mexikanischen Völker. Der gut 200-seitige Gesetzesentwurf mit 453 Gesetzesartikeln soll gemäß dem staatlichen indigenen Institut INPI in den nächsten fünf Wochen in 16.728 Dörfern der indigenen Regionen Mexikos diskutiert werden. Nach Ansicht der chiapanekischen Organisationen wird der Konsultationsprozess "überstürzt" vorangetrieben, ohne "ausreichende, klare und kulturell relevante Informationen" über den Inhalt der Initiative.
Die Gemeinden befürchten, mit diesem Gesetz würden staatliche Kontrollmechanismen über die als strategisch eingestuften indigenen Gebiete und deren natürliche Ressourcen beibehalten und die Selbstbestimmung der indigenen Bevölkerung geschwächt. Sie fordern deshalb "einen Konsultationsprozess, der die Zeitpläne, die Organisationsformen und die kollektiven Entscheidungen unserer Gemeinschaften respektiert und im Einklang mit dem Schutz von Mutter Erde steht".

