Venezuela

Festnahmen nach Überfall auf Synagoge in Caracas

Sieben Polizeibeamte und vier Zivilisten festgenommen. Breite Diskussion über Antisemitismus in Venezuela

Caracas. Im Zusammenhang mit dem Überfall auf eine Synagoge in Caracas wurden gestern 11 Personen vorläufig festgenommen. Unter ihnen sind sieben Beamte aus unterschiedlichen Polizeieinheiten. Es handelt sich um einen Mitarbeiter der Sonderheit zur Kriminalitätsbekämpfung CICPC, fünf Beamte der Policía Metrolitana und einen Kommissar der Policía de Caracas. Außerdem seien vier Zivilpersonen festgenommen worden, zu deren Identität aber keine weiteren Angaben gemacht wurden. Den 11 Personen wird vorgeworfen an einem Überfall auf die jüdische Synagoge in Caracas beteiligt gewesen zu sein. Sie wurden noch gestern einem Richter vorgeführt, der die Qualität der Vorwürfe prüfen soll.

In der Nacht vom 30. auf den 31. Januar hatten Unbekannte die Synagoge im Stadtteil Maripérez in Caracas überfallen, zwei Wachmänner überwältigt und im Inneren des Gebäudes verschiedene religiöse Objekte beschädigt, sowie antisemitische Parolen an den Wänden hinterlassen. Der Vorfall führte zu sofortigen Schuldzuweisungen der Opposition und auch aus Teilen der jüdischen Gemeinde an die Adresse der Regierung. Mit ihrer öffentlichen Kritik an der israelischen Regierung im Zusammenhang mit dem Massaker im Gaza-Streifen habe sie zu einer antisemitischen Stimmung beigetragen, so die Ansicht der Opposition. Auch die israelische Regierung meldete sich in diesem Sinne zu Wort.

Die venezolanische Regierung wies diese Vorwürfe zurück. Man habe immer genau zwischen der Verantwortung der israelischen Regierung einerseits und den Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde in Venezuela und weltweit getrennt, betonte Innenminister Jesse Chacón bereits kurz nach der Tat. Er verurteilte den Überfall auf das Schärfste und kündigte an, dass mit ganzer Kraft nach den Tätern gefahndet werde. Vertreter der venezolanischen Regierung hatten sich in der Vergangenheit immer wieder um einen engen Kontakt zur jüdischen Gemeinde bemüht. Unmittelbar nach dem Überfall hatte Hugo Chávez dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde, Elias Farachi, versichert, dass die Regierung der Gewährleistung der Glaubensfreiheit absolute Priorität einräume und die Vertreter der Gemeinde gebeten auf vorschnelle Urteile zu verzichten.

Bereits kurz nach der Tat wurde aus Ermittlungskreisen bekannt, dass mindestens eine Videoaufzeichnung existiert, auf der auch Gesichter der Täter zu erkennen sind, obwohl sie die Aufnahmen mehrerer Überwachungskameras während des Überfalls gelöscht hatten. Außerdem hatte es sehr früh Vorwürfe gegeben, dass oppositionelle Polizeimitarbeiter in die Angelegenheit verwickelt sein könnten. So hatten sich mehrere Polizeibeamte aus dem oppositionell regierten Stadtteil Chacao gemeldet, die berichteten, dass ihre Vorgesetzten sie Ende letzten Jahres in Zivil zur Beobachtung der Synagoge abstellten, obwohl das Gotteshaus in einem anderen Stadtteil liegt. Die venezolanischen Polizeiapparate bestehen zum absolut überwiegenden Teil aus alten Beamten. Unter ihnen ist eine ablehnende Haltung der Regierung gegenüber weit verbreitet.

Unterdessen hat der Überfall innerhalb der venezolanischen Linken zu einer Diskussion über die Grenzen zwischen der legitimen Kritik an der Politik der israelischen Regierung in den besetzten Gebieten und dem Gaza-Streifen und der Verantwortung der jüdischen Gemeinde geführt. Das Internet-Portal apporea sperrte inzwischen Diskussionsbeiträge eines Autoren, der dazu aufgerufen hatte, von der Jüdischen Gemeinde Venezuelas eine kritische Stellungnahme zum Massaker im Gaza-Streifen einzufordern.


Mit Material von apporea, El Universal, abn

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr