Quito. Ein Gericht in Ecuador hat 32 Fischer freigesprochen, deren Boote im September von US-Streitkräften im Pazifik zerstört worden waren. Die Richterin in der Hafenstadt Manta befand am vergangenen Mittwoch, dass den Besatzungen der Schiffe "Conquista II" und "María Candelaria" keine Straftat nachgewiesen werden konnte. Die Staatsanwaltschaft hatte die acht Männer der "Conquista II" und die 24 der "María Candelaria" wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt. Gegen das Urteil kann die Staatsanwaltschaft noch Berufung einlegen.
Nach Angaben des Verteidigers Juan Alvia legte die Anklage keinen Bericht aus den USA vor, der die Fischer mit Ermittlungen zu Drogen- oder Treibstoffhandel in Verbindung bringt. Nach Prüfung der Beweise sei die Richterin überzeugt gewesen, dass weder den Schiffen noch den Besatzungsmitgliedern rechtswidrige Handlungen nachgewiesen werden konnten, so Alvia.
Das Südkommando der US-Streitkräfte hatte behauptet, die Schiffe seien schwimmende Tankstellen für Schnellboote gewesen, die Drogen transportierten. Die ecuadorianische Regierung hatte sich dieser Darstellung angeschlossen.
Den Fischern wurde vorgeworfen, mit der Organisation Los Choneros in Verbindung zu stehen, die Washington als terroristisch einstuft. Die "Conquista II" wurde am 2. September, die "María Candelaria" am 5. September zerstört, nachdem die US-Marine die Besatzungen von Bord geholt hatte.
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Es ist das erste von insgesamt drei Verfahren gegen 88 ecuadorianische Fischer. Insgesamt warten noch 56 weitere Menschen auf eine gerichtliche Entscheidung. Die Verteidigung hofft auf gleichlautende Urteile.
Bereits am 2. Oktober hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) Ecuador und die USA aufgefordert, die Rechtsgrundlage der Einsätze offenzulegen und Misshandlungsvorwürfe zu untersuchen. Demnach zerstörten die USA zwischen dem 28. August und dem 16. September acht ecuadorianische Fischerboote. Mehr als 140 der 160 Besatzungsmitglieder wurden festgenommen. "Das Abfangen von Treibstofftransporten auf See kann ein wichtiger Schritt sein, um kriminelle Gruppen zu stoppen, aber das gibt den Sicherheitskräften nicht das Recht, Menschen ohne Beweise festzunehmen, ihre Boote zu zerstören und Menschenrechtsverletzungen zu begehen", erklärte Juanita Goebertus, Direktorin der Amerika-Abteilung von HRW, in einer Stellungnahme.
Mehrere Fischer berichteten HRW, sie seien geschlagen, mit Haft und Repressalien gegen ihre Familien bedroht und zur Unterschrift unter Dokumente gedrängt worden, die sie nicht verstanden. Die Polizeiberichte nennen keine Drogen, keinen Treibstoff und keine Fracht als Beweise. Laut Verteidigung räumten Polizei und Marine vor Gericht ein, dass die USA keine Beweise geliefert haben. HRW konnte nicht klären, ob die Boote tatsächlich als Tankstellen dienten, und wies darauf hin, dass ihre Zerstörung mögliche Beweise beseitigt haben könnte.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Langem, dass es für die Angriffe der USA auf mutmaßliche Drogenboote keine tragfähige rechtliche Grundlage gebe. Dennoch haben beide Länder ihre Sicherheitszusammenarbeit in jüngster Zeit verstärkt. Zuletzt wurde bekannt, dass die USA Drohnen vom afrikanischen Kontinent nach Kolumbien und Ecuador verlegen.

