Brasilien: Antrittsrede von Präsident Lula da Silva vor dem Parlament

Lesen Sie die vollständige Rede des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva vor dem Nationalkongress am 1. Januar 2023

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Brasiliens Präsident Lula da Silva bei seiner Antrittsrede
Brasiliens Präsident Lula da Silva bei seiner Antrittsrede

Zum dritten Mal trete ich vor diesen Nationalkongress, um dem brasilianischen Volk für das Vertrauen zu danken, das wir erhalten haben. Ich erneuere meinen Treueeid auf die Verfassung der Republik, zusammen mit Vizepräsident Geraldo Alckmin und den Ministerinnen und Ministern, die mit uns für Brasilien arbeiten werden.

Dass wir heute hier sind, verdanken wir dem politischen Bewusstsein der brasilianischen Gesellschaft und der demokratischen Front, die wir während dieses historischen Wahlkampfes gebildet haben.

Die Demokratie war die große Siegerin dieser Wahl, denn sie hat die größte Mobilisierung öffentlicher und privater Ressourcen überwunden, die es je gegeben hat, die gewalttätigsten Drohungen gegen die Freiheit der Wahl, die abscheulichste Lügen- und Hasskampagne, die zur Manipulation und Nötigung der Wählerschaft ausgeheckt wurde.

Noch nie wurden staatliche Ressourcen so sehr zugunsten eines autoritären Machtprojekts missbraucht. Noch nie wurde der Staatsapparat so sehr der republikanischen Kontrolle entzogen. Noch nie wurden die Wählerinnen und Wähler so sehr von wirtschaftlicher Macht und in großem Stil verbreitete Lügen bedrängt.

Trotz allem hat sich die Entscheidung an den Wahlurnen durchgesetzt, dank eines Wahlsystems, das international für seine Effizienz bei der Erfassung und Auszählung der Stimmen anerkannt ist. Die mutige Haltung der Justiz, insbesondere des Obersten Wahlgerichts, hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Wahrheit der Wahlurnen gegenüber der Gewalt ihrer Gegner durchgesetzt hat.

Meine Damen und Herren,

wenn ich in diese Plenarsitzung der Abgeordnetenkammer zurückkehre, in der ich 1988 an der verfassungsgebenden Versammlung teilgenommen habe, erinnere ich mich mit Ergriffenheit an die Auseinandersetzungen, die wir hier auf demokratische Weise geführt haben, um in der Verfassung ein möglichst breites Spektrum an sozialen, individuellen und kollektiven Rechten zum Wohl der Bevölkerung und der nationalen Souveränität festzuschreiben.

Vor 20 Jahren, als ich zum ersten Mal zum Präsidenten gewählt wurde, habe ich zusammen mit dem Vizepräsidenten José Alencar meine Antrittsrede mit dem Wort "Wandel" begonnen. Der von uns beabsichtigte Wandel bestand lediglich darin, die verfassungsrechtlichen Vorgaben in die Praxis umzusetzen. Angefangen beim Recht auf ein Leben in Würde, ohne Hunger, mit Zugang zu Beschäftigung, Gesundheit und Bildung.

Bei dieser Gelegenheit sagte ich, dass meine Lebensaufgabe erfüllt sein würde, wenn jeder brasilianische Mann und jede brasilianische Frau drei Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen kann.

Diese Verpflichtung heute wiederholen zu müssen – angesichts des fortschreitenden Elends und der Rückkehr des Hungers, den wir überwunden hatten – ist das schwerwiegendste Symptom für die Verwüstung, die dem Land in den letzten Jahren aufgebürdet wurde.

Heute ist unsere Botschaft an Brasilien eine Botschaft der Hoffnung und des Wiederaufbaus. Das große Bauwerk der Rechte, der Souveränität und der Entwicklung, das diese Nation seit 1988 aufgebaut hat, ist in den letzten Jahren systematisch zerstört worden. Wir werden alle unsere Anstrengungen darauf richten, dieses Bauwerk der Rechte und nationalen Werte wieder aufzubauen.

Meine Damen und Herren,

im Jahr 2002 sagten wir, dass die Hoffnung die Angst besiegt hat, im Sinn der Überwindung der Ängste angesichts der beispiellosen Wahl eines Vertreters der Arbeiterklasse, um die Geschicke des Landes zu leiten. In acht Jahren Regierungszeit haben wir deutlich gemacht, dass die Befürchtungen unbegründet waren. Sonst wären wir nicht wieder hier.

Es hat sich gezeigt, dass ein Vertreter der Arbeiterklasse sehr wohl in der Lage ist, einen Dialog mit der Gesellschaft zu führen, um das Wirtschaftswachstum auf nachhaltige Weise und zum Nutzen aller, insbesondere der Bedürftigsten, zu fördern. Es hat sich gezeigt, dass es tatsächlich möglich ist, dieses Land mit einer möglichst breiten sozialen Beteiligung zu regieren, indem die Arbeiterschaft und die Ärmsten in die Haushaltsplanungen und die Regierungsentscheidungen einbezogen werden.

Während dieser Wahlkampagne sah ich die Hoffnung in den Augen eines Volkes aufleuchten, das unter der Zerstörung der öffentlichen Politiken zur Förderung von Bürgerrechten, Grundrechten, Gesundheit und Bildung gelitten hat. Ich sah den Traum von einem großzügigen Heimatland, das seinen Söhnen und Töchtern Chancen bietet, wo aktive Solidarität stärker ist als blinder Individualismus.

Die Diagnose, die wir vom Kabinett für den Regierungsübergang erhalten haben, ist erschreckend. Die Ressourcen des Gesundheitssystems sind erschöpft. Sie haben Bildung, Kultur, Wissenschaft und Technologie abgebaut. Sie haben den Schutz der Umwelt zerstört. Sie ließen keine Mittel für Schulspeisung, Impfungen, öffentliche Sicherheit, Waldschutz und Sozialhilfe übrig.

Sie haben die Steuerung der Wirtschaft, die öffentliche Finanzierung, die Unterstützung von Unternehmen, Unternehmern und des Außenhandels durcheinander gebracht. Sie haben die staatlichen Unternehmen und die öffentlichen Banken in den Ruin getrieben, sie haben das gesellschaftliche Erbe verschleudert. Die Ressourcen des Landes wurden entwendet, um die Gier von Rentiers und privaten Aktionären aus öffentlichen Unternehmen zu befriedigen.

Auf diesen schrecklichen Trümmern übernehme ich die Verpflichtung, gemeinsam mit dem brasilianischen Volk das Land wieder aufzubauen und wieder ein Brasilien von allen und für alle zu schaffen.

Meine Damen und Herren,

angesichts der katastrophalen vorgefundenen Haushaltslage habe ich dem Nationalkongress Vorschläge unterbreitet, die es uns ermöglichen werden, dem großen Teil der Bevölkerung zu unterstützen, der den Staat schlichtweg zum Überleben braucht.

Ich danke der Abgeordnetenkammer und dem Senat für ihre Sensibilität gegenüber den dringenden Bedürfnissen des brasilianischen Volkes. Ich nehme die äußerst verantwortungsvolle Haltung des Bundesgerichtshofs und des Bundesrechnungshofs angesichts von Situationen zur Kenntnis, die das Gleichgewicht der Gewalten gestört haben.

Ich habe das getan, weil es weder fair noch korrekt wäre, die Hungernden um Geduld zu bitten.

Keine Nation hat sich erhoben oder wird sich erheben können auf dem Elend ihres Volkes.

Die Rechte und Interessen der Bevölkerung, die Stärkung der Demokratie und die Wiedererlangung der nationalen Souveränität werden die Pfeiler unserer Regierung sein.

Diese Verpflichtung beginnt mit der Gewährleistung eines erneuerten, stärkeren und gerechteren [Sozialhilfeprogramms] Bolsa Família, das denen zugute kommt, die es am meisten brauchen.

Unsere ersten Maßnahmen zielen darauf ab, 33 Millionen Menschen vor dem Hunger zu retten und mehr als 100 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer aus der Armut zu befreien, die die schwerste Last des heute zu Ende gehenden Projekts der nationalen Zerstörung getragen haben.

Meine Damen und Herren,

der Wahlprozess war auch durch den Gegensatz verschiedener Weltanschauungen gekennzeichnet. Unsere, die auf Solidarität und politische und soziale Teilhabe für die demokratische Bestimmung der Geschicke des Landes ausgerichtet ist. Die andere, der Individualismus, die Negation der Politik, die Zerstörung des Staates im Namen angeblicher individueller Freiheiten.

Die Freiheit, die wir immer verteidigt haben, besteht darin, in Würde zu leben, mit vollem Recht auf Meinungsäußerung, Demonstration und Organisation.

Die Freiheit, die sie predigen, besteht darin, die Schwachen zu unterdrücken, Gegner zu massakrieren und das Recht des Stärkeren über die Gesetze der Zivilisation zu stellen. Der Begriff dafür ist Barbarei.

Mir war von Anfang an klar, dass ich für eine breitere Front kandidieren musste als für das politische Lager, in dem ich selbst herangewachsen bin, mit einem festen Bekenntnis zu meiner Herkunft. Diese Front wurde konsolidiert, um die Rückkehr des Autoritarismus im Land zu verhindern.

Ab heute wird das Gesetz über den Zugang zu Informationen wieder eingehalten, das Transparenzportal [der Regierung] wird wieder seine Aufgabe erfüllen, und es werden wieder republikanische Kontrollen zum Schutz des öffentlichen Interesses durchgeführt. Wir haben nicht die Absicht, uns an denen zu rächen, die versucht haben, die Nation ihren persönlichen und ideologischen Vorstellungen zu unterwerfen, aber wir werden die Rechtsstaatlichkeit garantieren. Diejenigen, die Fehler gemacht haben, werden sich dafür verantworten müssen, und sie haben das Recht, sich im Rahmen eines ordentlichen Gerichtsverfahrens zu verteidigen. Das Mandat, das wir angesichts faschistisch gesinnter Gegner erhalten haben, werden wir mit den Befugnissen verteidigen, die die Verfassung der Demokratie zuweist.

Auf Hass werden wir mit Liebe antworten. Auf Lügen mit Wahrheit. Auf Terror und Gewalt werden wir mit dem Gesetz und seinen schärfsten Konsequenzen antworten.

In den Zeiten der Redemokratisierung haben wir gesagt: Nie wieder Diktatur! Heute, nach der schrecklichen Herausforderung, die wir überwunden haben, müssen wir sagen: Demokratie für immer!

Um diese Worte zu untermauern, müssen wir die Demokratie in unserem Land auf soliden Grundlagen wieder aufbauen. Die Demokratie wird vom Volk in dem Maße verteidigt, wie sie allen die in der Verfassung verankerten Rechte garantiert.

Meine Damen und Herren,

noch heute unterzeichne ich Maßnahmen, um die Strukturen der Exekutive so zu ordnen, dass sie wieder rational, republikanisch und demokratisch arbeiten kann. Damit die Funktion der staatlichen Institutionen, der öffentlichen Banken und der staatlichen Unternehmen bei der Entwicklung des Landes gerettet wird. Und um öffentliche und private Investitionen in Richtung eines ökologisch und sozial nachhaltigen Wirtschaftswachstums zu planen und zu lenken.

Im Dialog mit den 27 Gouverneuren werden wir Prioritäten für die Wiederaufnahme der in unverantwortlicher Weise blockierten Baumaßnahmen setzen, von denen es mehr als 14.000 im Land gibt. Wir werden [das Programm für Sozialen Wohnungsbau] Minha Casa, Minha Vida wieder aufnehmen und ein neues Programm für die Beschleunigung des Wachstums entwickeln, um Arbeitsplätze mit der Geschwindigkeit zu schaffen, die Brasilien braucht. Wir werden uns um Finanzierungen und Kooperationen, national und international, für Investitionen bemühen, um den heimischen Konsum zu stimulieren und zu erweitern, Handel, Export, Dienstleistungen, Landwirtschaft und Industrie zu entwickeln.

Öffentliche Banken, insbesondere die BNDES, und wachstums- und innovationsfördernde Unternehmen wie Petrobras, werden in diesem neuen Zyklus eine grundlegende Rolle spielen. Gleichzeitig werden wir kleine und mittlere Unternehmen, die potenziell die größten Beschäftigungs- und Einkommensquellen sind, sowie Unternehmertum, Genossenschaftswesen und die Kreativwirtschaft fördern.

Das Wirtschaftsrad wird sich wieder drehen, und der Konsum der Bevölkerung wird dabei eine zentrale Rolle spielen.

Wir werden die Politik der ständigen Anhebung des Mindestlohns wieder aufnehmen. Und seien Sie sicher, dass wir der schändlichen Warteschlange auf Rentenleistungen im Nationalen Sozialsystem, einer weiteren Ungerechtigkeit, die in diesen Zeiten der Zerstörung wieder eingeführt wurde, ein Ende setzen werden. Wir werden einen Dreiparteiendialog zwischen der Regierung, den Gewerkschaftsdachverbänden und der Wirtschaft über ein neues Arbeitsrecht führen. In diesen Zeiten ist es eine große Herausforderung, neben dem sozialen Schutz auch die unternehmerische Freiheit zu gewährleisten.

Meine Damen und Herren,

Brasilien ist zu groß, um sein produktives Potenzial aufzugeben. Es macht keinen Sinn, Kraftstoffe, Düngemittel, Erdölplattformen, Mikroprozessoren, Flugzeuge und Satelliten zu importieren. Wir verfügen über ausreichende technische Kapazitäten, Kapital und Marktanteile, um die Industrialisierung und die Erbringung von Dienstleistungen auf einem wettbewerbsfähigen Niveau wieder aufzunehmen.

Brasilien kann und soll eine führende Rolle in der Weltwirtschaft spielen.

Es wird Aufgabe des Staates sein, den digitalen Wandel zu gestalten und die brasilianische Industrie ins 21. Jahrhundert zu führen, und zwar mit einer Industriepolitik, die Innovationen unterstützt, die Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor fördert, Wissenschaft und Technologie stärkt und den Zugang zu Finanzmitteln zu angemessenen Kosten gewährleistet.

Die Zukunft wird denen gehören, die in die Wissensindustrie investieren, die Gegenstand einer nationalen Strategie sein wird, die im Dialog mit dem produktiven Sektor, den Forschungszentren und den Universitäten sowie dem Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation, den öffentlichen und staatlichen Banken und den Einrichtungen zur Forschungsförderung geplant wird.

Kein anderes Land hat die Voraussetzungen wie Brasilien, um eine große Umweltmacht zu werden, ausgehend von der Kreativität der Bioökonomie und den Unternehmungen der sozio-biologischen Vielfalt. Wir werden die Energie- und die ökologische Wende hin zu nachhaltiger Landwirtschaft und Bergbau, einer stärkeren Familienlandwirtschaft und einer grüneren Industrie einleiten.

Unser Ziel ist es, die Abholzung im Amazonasgebiet und die Emission von Treibhausgasen in der Elektrizitätserzeugung auf Null zu reduzieren und die Wiederverwendung von degradiertem Weideland zu fördern. Brasilien muss keine Wälder abholzen, um seine strategische Agrarzone zu erhalten und auszuweiten.

Ja, wir werden den Wohlstand auf dem Land fördern. Die Freiheit und die Möglichkeit, zu produzieren, zu pflanzen und zu ernten, wird weiterhin unser Ziel sein. Was wir nicht zulassen können, ist, dass es ein gesetzloses Land ist. Wir werden die Gewalt gegen die kleinen Leute, die Abholzung der Wälder und die Zerstörung der Umwelt, die dem Land schon so viel Schaden zugefügt haben, nicht tolerieren.

Dies ist einer der Gründe, aber nicht der einzige, für die Schaffung des Ministeriums für indigene Völker. Niemand kennt unsere Wälder besser und ist besser in der Lage, sie zu verteidigen als diejenigen, die seit jeher hier leben. Jedes demarkierte indigene Land ist auch ein neues Umweltschutzgebiet. Wir schulden diesen Brasilianerinnen und Brasilianern Respekt und wir haben eine historische Schuld ihnen gegenüber.

Wir werden alle Ungerechtigkeiten gegenüber den indigenen Völkern beseitigen.

Meine Damen und Herren,

eine Nation wird nicht nur an Statistiken gemessen, so beeindruckend sie auch sein mögen. Wie ein menschliches Wesen wird auch eine Nation durch die Seele ihres Volkes zum Ausdruck gebracht. Die Seele Brasiliens liegt in der einzigartigen Vielfalt der Menschen und ihrer kulturellen Ausdrucksformen.

Wir gründen das Kulturministerium neu mit dem Ziel, die Politik der Anreize und des Zugangs zu Kulturgütern, die in den letzten Jahren durch Obskurantismus unterbrochen wurde, intensiver wieder aufzunehmen.

Eine demokratische Kulturpolitik darf sich nicht vor Kritik fürchten oder Günstlinge wählen. Mögen alle Blumen blühen und alle Früchte unserer Kreativität geerntet werden, damit sich alle daran erfreuen können, ohne Zensur oder Diskriminierung.

Es ist nicht hinnehmbar, dass Schwarze und Farbige weiterhin die arme und unterdrückte Mehrheit eines Landes sind, das mit dem Schweiß und dem Blut ihrer afrikanischen Vorfahren aufgebaut wurde. Wir haben das Ministerium für die Förderung der Rassengleichheit geschaffen, um die Quotenpolitik an den Universitäten und im öffentlichen Dienst auszuweiten und die Politik für die Schwarze und Farbige Bevölkerung in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Kultur wieder aufzunehmen.

Es ist nicht hinnehmbar, dass Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer. Dass sie in einer machistischen politischen Welt nicht anerkannt werden. Dass sie auf der Straße und am Arbeitsplatz ungestraft schikaniert werden. Dass sie Opfer von Gewalt innerhalb und außerhalb des Hauses sind. Wir gründen auch das Frauenministerium neu, um diese jahrhundertealte Bastion der Ungleichheit und der Vorurteile zu zerstören.

In einem Land, in dem nur einem einzigen Menschen Unrecht getan wird, gibt es keine wirkliche Gerechtigkeit. Das Ministerium für Menschenrechte hat die Aufgabe, dafür zu sorgen und zu handeln, dass die Rechte aller Bürgerinnen und Bürger respektiert werden, was den Zugang zu öffentlichen und privaten Dienstleistungen, den Schutz vor Vorurteilen und den Schutz vor der Staatsgewalt betrifft. Bürgerschaft ist der andere Name der Demokratie.

Das Ministerium für Justiz und öffentliche Sicherheit wird sich für die Harmonisierung der föderalen Zuständigkeiten und Einrichtungen einsetzen, um den Frieden dort zu fördern, wo er am dringendsten benötigt wird: in armen Gemeinden, in Familien, die besonders gefährdet sind durch organisierte Kriminalität, Milizen und Gewalt, wo auch immer sie ihren Ursprung haben.

Wir heben die kriminellen Dekrete auf, die den Zugang zu Waffen und Munition erweitern und so viel Unsicherheit und Leid über brasilianische Familien gebracht haben. Brasilien will nicht mehr Waffen, sondern Frieden und Sicherheit für sein Volk.

Mit dem Schutz Gottes beginne ich dieses Mandat und bekräftige, dass der Glaube in Brasilien in jedem Haus, in den verschiedenen Tempeln, Kirchen und Religionen präsent sein kann. In diesem Land können alle ihre Religiosität frei ausüben.

Meine Damen und Herren,

der zu Ende gehende Zeitraum war von einer der größten Tragödien der Geschichte geprägt: der Covid-19-Pandemie. In keinem anderen Land war die Zahl der Todesopfer im Verhältnis zur Bevölkerung so hoch wie in Brasilien, einem der Länder, die dank der Kompetenz unseres einheitlichen Gesundheitssystems am besten auf gesundheitliche Notfälle vorbereitet sind.

Dieses Paradoxon kann nur durch die kriminelle Haltung einer verleugnenden, obskurantistischen und lebensfeindlichen Regierung erklärt werden. Die Verantwortlichkeiten für diesen Völkermord müssen ermittelt werden und dürfen nicht ungestraft bleiben.

Was wir jetzt tun müssen, ist, Solidarität mit den Familien, Eltern, Waisen, Brüdern und Schwestern der fast 700.000 Opfer der Pandemie zeigen.

Das [öffentlich finanzierte Gesundheitssystem] SUS ist wahrscheinlich die demokratischste der durch die Verfassung von 1988 geschaffenen Institutionen. Das ist sicher der Grund, warum es seither am meisten angegriffen wurde, und es wurde auch am meisten durch eine Dummheit namens Ausgabenobergrenze geschädigt, die wir abschaffen müssen.

Wir werden die Gesundheitsbudgets sanieren, um die Grundversorgung, die staatliche Apotheke für das Volk, zu gewährleisten und den Zugang zu spezialisierter Medizin zu fördern. Wir werden die Bildungsbudgets sanieren, in mehr Universitäten, in die technische Ausbildung, in die flächendeckende Versorgung mit Internetzugängen, in den Ausbau von Kindertagesstätten und in die öffentlichen Ganztagsschulen investieren. Dies ist die Investition, die wirklich zur Entwicklung des Landes führen wird.

Das von uns vorgeschlagene Modell, das an den Wahlurnen angenommen wurde, erfordert ein Bekenntnis zu Verantwortung, Glaubwürdigkeit und Berechenbarkeit, und das werden wir nicht aufgeben. Wir haben dieses Land mit haushalts-, steuer- und währungspolitischem Realismus, mit dem Streben nach Stabilität, der Kontrolle der Inflation und der Einhaltung von Verträgen regiert.

Wir können nicht anders handeln. Wir müssen es besser machen.

Meine Damen und Herren,

die Augen der Welt waren bei diesen Wahlen auf Brasilien gerichtet. Die Welt erwartet von Brasilien, dass es wieder eine Führungsrolle bei der Bewältigung der Klimakrise übernimmt und ein Beispiel für ein sozial und ökologisch verantwortungsvolles Land wird, das in der Lage ist, im Rahmen des demokratischen Prozesses Wirtschaftswachstum und Einkommensverteilung zu fördern und Hunger und Armut zu bekämpfen.

Unser Protagonismus wird durch die Wiederaufnahme der südamerikanischen Integration, beginnend mit dem Mercosur, der Wiederbelebung der Unasur und anderen Instanzen der souveränen Organisation in der Region verwirklicht werden. Auf dieser Basis werden wir in der Lage sein, einen selbstbewussten und aktiven Dialog mit den USA, der Europäischen Union, mit China, den Ländern des Ostens und anderen globalen Akteuren wieder aufzubauen, die Brics zu stärken, mit den Ländern Afrikas zusammenzuarbeiten und die Isolation zu durchbrechen, in die das Land gebracht wurde.

Brasilien muss Herr seiner selbst, Herr seines Schicksals sein. Es muss wieder ein souveränes Land werden. Wir sind verantwortlich für den größten Teil Amazoniens und für riesige Biome, große Aquifere, Mineralvorkommen, Öl und saubere Energiequellen. Mit Souveränität und Verantwortung werden wir respektiert werden, um diese Größe mit der Menschheit zu teilen – solidarisch, niemals untergeordnet.

Die Bedeutung der Wahlen in Brasilien verweist schließlich auf die Bedrohungen, mit denen das demokratische Modell konfrontiert ist. Überall auf der Welt organisiert sich eine Welle des autoritären Extremismus, der mit technologischen Mitteln, die keiner transparenten Kontrolle unterliegen, Hass und Lügen verbreitet.

Wir verteidigen die vollständige Freiheit der Meinungsäußerung in dem Bewusstsein, dass es dringend notwendig ist, demokratische Instanzen für den Zugang zu zuverlässigen Informationen zu schaffen und Medien, mit denen das Gift des Hasses und der Lügen verbreitet wird, zur Verantwortung zu ziehen. Dies ist eine zivilisatorische Herausforderung, ebenso wie die Überwindung von Kriegen, der Klimakrise, des Hungers und der Ungleichheit auf unserem Planeten.

Ich bekräftige die Überzeugung, dass die Politik in ihrem höchsten Sinne – und trotz all ihrer Grenzen – für Brasilien und für die Welt der beste Weg für den Dialog zwischen unterschiedlichen Interessen und für eine friedliche Konsensbildung ist. Die Politik zu negieren, sie zu entwerten und zu kriminalisieren, ist der Weg der Tyranneien.

Meine wichtigste Aufgabe wird es ab heute sein, dem entgegengebrachten Vertrauen gerecht zu werden und die Hoffnungen eines leidgeprüften Volkes zu erfüllen, das nie den Glauben an die Zukunft oder an seine Fähigkeit, Herausforderungen zu bewältigen, verloren hat. Mit der Kraft des Volkes und dem Segen Gottes werden wir dieses Land wiederaufbauen.

Mit der Kraft des Volkes und dem Segen Gottes werden wir dieses Land wiederaufbauen.

Es lebe die Demokratie!

Es lebe das brasilianische Volk!

Vielen Dank.

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