Brasiliens indigene Völker rufen um Hilfe gegen Covid-19

Die indigenen Gemeinschaften in Brasilien sind durch die Corona-Pandemie mit einer neuen Bedrohung konfrontiert. Spendenaufruf

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Eine indigene Frau aus dem Volk der Yanomami im Dorf Demini im brasilianischen Bundesstaat Roraima bemalt ihr Gesicht
Eine indigene Frau aus dem Volk der Yanomami im Dorf Demini im brasilianischen Bundesstaat Roraima bemalt ihr Gesicht

In Brasilien gibt es heute 305 ethnische Gruppen mit einer Bevölkerung von rund 900.000 Menschen, die 274 verschiedene Sprachen sprechen.

Von der Covid-19-Pandemie sind laut der Nichtregierungsorganisation APIB (Organisation Indigener Völker Brasiliens) bereits 103 indigene Völker betroffen. Mit Stand vom 14. Juni gab es 5.361 Infizierte und 281 Tote.

Das Zentrum der Epidemie befindet sich im Bundesstaat Amazonas, wo 104 eingeborene Mitarbeiter des indigenen Gesundheitswesens im brasilianischen Amazonasgebiet mit Covid-19 kontaminiert waren.

Es starben bereits 50 Kokama-Indigene aus dem Alto Solimoes, und nach dem Tod einer Indigenen aus dem Stamm der Yanomami im Staat Roraima beschloss die Hutukara Association Yanomami, dass sich das Volk in die Wälder zurückziehen solle, um der Ansteckungsgefahr zu entkommen. 76 Gesundheitsmitarbeiter haben sich mit Covid-19 angesteckt und in das Land der Yanomami sind mehr als 20.000 Goldgräber eingedrungen.

In Manaus, der Hauptstadt von Amazonas, herrscht völliges Chaos. Die Spezielle Gesundheitsbehörde für Indigene bestätigte, dass viele Patienten mit anderen Krankheiten im Gesundheitshaus für Indigene, in anderen Krankenhäusern und Gesundheitsposten mit Covid-19 infiziert wurden und dann in ihre Dörfer zurückkehrten.

Die Krankenhäuser in der Stadt Manaus waren bereits voll belegt und jetzt wird die Situation im Hinterland des Amazonas immer schlimmer. Das einzige Krankenhaus mit einer Intensivstation im Hinterland von Amazonas befindet sich in der Stadt Tefé, 522 Kilometer von Manaus entfernt.

Die von Covid-19 am zweitstärksten betroffene Region Brasiliens ist der Nordosten/Minas Gerais/Espirito Santo, wo Indigene in völlig verarmten Gebieten leben – mit bisher 21 Toten.

Wie überall in Brasilien werden die Infektionszahlen unterbewertet. Sonia Guajajara, die Präsidentin der APIB, erklärt : "Die von der indigenen Bewegung ermittelten Zahlen stehen zu denen des Sekretariats für Gesundheit der Indigenen (Sesai) in absurder Diskrepanz. Neben der Fahrlässigkeit des brasilianischen Staates gibt es institutionalisierten Rassismus."

Brasilien hat 34 spezielle indigene Gesundheitsbezirke (DSEI), die für die Betreuung der Dorfbewohner verantwortlich sind, aber 36 Prozent der Indigenen Brasiliens leben in Städten und werden nicht von der DSEI, sondern vom generellen Gesundheitssystems (SUS) versorgt, bei dem Indigene allgemein diskriminiert werden.

Die Nationale Indigenenbehörde (Funai) verrichtet ihre Arbeit nicht so, wie sie es sollte. Ihr Vorstand ist derzeit der frühere Polizeichef Marcelo Xavier, der als Berater der Großgrundbesitzer beim Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Instituts für Landreform (Incra) und Funai 1 tätig war.

Das Fehlen staatlicher Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie der Regierung von Präsident Jair Bolsonaro trifft indigene Völker in allen Regionen Brasiliens besonders hart und verschärft deren bereits dramatische Lage noch weiter.

Im letzten Jahr erlitten 150 Gebiete im Amazonas das Eindringen von Landräubern, Holzfällern und Prospektoren, die dazu von der Regierung angestiftet worden waren. Sie verbrennen den Wald, sie morden Stammeshäuptlinge und zudem unterstützt die Regierung, dass evangelikale Missionare die Indigenen „bekehren“.

Nun wurde dem entsetzten brasilianischen Volk eine Videoaufnahme einer Sitzung des Präsidenten Bolsonaro mit seinen Ministern in Brasilia gezeigt, bei der Bildungsminister Abraham Weintraub sagte, er hasse indigene Völker, und der Umweltminister Ricardo Salles erklärte, man müsse die Covid-19-Situation ausnutzen, um Reformen zur Deregulierung, Veränderung und Vereinfachung der Umweltvorlagen zugunsten der Mächtigen ausnutzen.

Zwischen dem 22. und 28. Mai sollte im Obersten Bundesgerichtshof (STF) das Gesetz PL2633 bewertet werden, das sich mit dem "Marco Temporal" 2 befasst, der die Rechte der Indigenen auf Land einschränkt. Die Stellungnahme 001/2017 der Bundesstaatsanwaltschaft (AGU) ist verfassungswidrig und dient der Legalisierung von Landraub, der Legitimierung von Ausweisungen, dem Vertuschen von Gewaltanwendung gegen indigene Völker, die vor der aktuellen Verfassung von 1988 vorgefallen sind. Wenn gegen die indigenen Völker abgestimmt wird, wird die Umwelt sowohl in Brasilien wie in der ganzen Welt direkt betroffen sein.

Aufgrund des Drucks von Indigenen und Menschenrechtsorganisationen hat Richter Edson Fachin das Urteil aufgeschoben, bis wieder in Anwesenheit der Parteien geurteilt werden kann.

Dennoch waren die brasilianischen Ureinwohner noch nie so gut organisiert. Unlängst hatte die APIB eine große Versammlung des indigenen Widerstands einberufen, um Lösungsvorschläge vorzubringen und die Covid-19-Kontaminierung nach Dörfern und Regionen zu beschreiben.

Indigene Völker sind seit 520 Jahren daran gewöhnt, für ihre Rechte zu kämpfen, und kommen zusammen, um neue Wege für bessere Gesundheitsvorsorge zu finden und ihr Land und ihre Umwelt zu verteidigen.

Rosa Gauditano ist Fotografin, Journalistin und Aktivistin. Sie hat 30 Jahre lang die indigenen Völker der unterschiedlichsten ethnischen Gruppen und Regionen Brasiliens beschrieben

Spendenaufruf für den Kauf von Lebensmitteln und Schutzmaterial gegen Covid-19:

Mulheres Indígenas do Alto Rio Negro, Amazonas

Zagaia Association - www.amazonzagaia.com.br

Bradesco Bank

Filiale:3142

Kontonummer 26585-3

CNPJ: 10.189.868/0001-35

Povo Fulniô de Pernambuco

Chief Itamar de Araújo Severo

Banco Bradesco

Filiale: 6036-4

Kontonummer: 0103358-1

Tiype:00

CPF: 046.219.084-64

FEPOINCE (Federation Indigener Völker des Ceará)

Bank: Caixa Economica Federal

Filiale: 0919- OP003

Kontonummer 5489-6

CNPJ: 34.816.161/0001-70

Guarani Kaiowá, Mato Grosso do Sul

Chief Elizeu Pereira Lopes Guarani Kaiowá

Banco do Brasil

Filiale: 0743-9

Kontonummer 55889-3

CPF: 847.386.501-49 (nötig für Geldtransfer)

Unterstützt die Völker der Xingu

ATIX Mulher

(Die Frauen sind die Hüter der Gesundheit in indigenen Familien)

Spenden Sie : https://isa.to/3ceiiad

Foirn (Rio Negro Indigenous Federation), Alto Amazonas

Banco do Brasil

Filiale: 1136-3

Kontonummer: 17563-3

CNPJ: 05543350/0001-18

Swift Code :BRASBRRJBHE

IBAN: BR7800000000011360000019356C1

Whatsap : +55 97 981044598

  • 1. Im Jahr 2017 zielte die parlamentarische Untersuchung unter dem Vorsitz des Farmers Caucus darauf ab, Anthropologen, Indigene, Funai- und Incra-Beamte und Mitglieder der Exekutive sowie NGOs strafrechtlich zu verfolgen. Die Idee war, Funai zu schließen, Agrarreformen und Veränderungen der Kriterien für die Landabgrenzung für Indigene und ehemalige Sklavengemeinschaften (Quilombola) zu stoppen.
  • 2. Marco Temporal - "Zeitgebundenes Limit". Mit dem Gesetzentwurf soll festgestellt werden, dass indigene Ansprüche auf Land nur dann gesetzlich anerkannt werden, wenn die indigenen Völker 1988, dem Jahr, in dem die derzeitige brasilianische Verfassung verankert wurde, dieses bestimmte Stück Land besitzen
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