Honduras, die Putschisten und der Vatikan

Vatikannahe Nachrichtenagentur bezeichnet Verschleppung als Flucht

In der zweiten Woche nach dem Militärputsch in Honduras demonstrieren wieder Hunderttausende gegen die Machthaber in Tegucigalpa. Die Menschen fordern eine Rückkehr zur Demokratie, nachdem der gewählte Präsident des Landes, Manuel Zelaya, am 28. Juni von einem schwer bewaffneten und maskierten Kommando der Armee aus seinem Bett gezerrt und verschleppt wurde.

Verschleppt? Bei der "Katholischen Nachrichten-Agentur" (KNA) liest sich die Geschichte anders. Die 1952 gegründete vatikannahe Agentur, die maßgeblich vom "Verband der Diözesen Deutschlands" finanziert wird, berichtete am Montag, Zelaya sei "ins Exil geflohen".

Die Redakteure mit den Kürzeln "mit" und "csc" stellen sich damit journalistisch auf die Seite der Putschisten. Das ist nur konsequent. Denn auch der Vorsitzende der Honduranischen Bischofskonferenz, Kardinal Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga, hatte Zelaya vor wenigen Tagen vor einer Rückkehr gewarnt und zugleich unmissverständlich gedroht: Wenn der gewählte Präsident eine Rückreise in sein Land versuche, werde es ein Blutbad geben. Wenig später schossen die Putschistentruppen in die Menge, mindestens zwei Demonstranten starben. Woher hatte der Kardinal mit guten Verbindungen zum Putschregime von Machthaber Roberto Micheletti die Informationen über ein gewaltsames Vorgehen gegen die Massenproteste?

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Der Europapolitiker der Linksfraktion im Bundestag, Kurt Neumann, schrieb die KNA-Redaktion am Montag übrigens an. "Dass Sie den Militärputsch in Honduras unverhohlen Sympathien entgegenbringen, spricht nicht für eine politische Position demokratischer Verfassungstreue", so Neumann: "Dass sie nun aber das gewaltsame Außer-Landes-Schaffen, auch noch als Flucht bezeichnen, nimmt Ihnen jede journalistische Seriosität."

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