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Fluggesellschaft Condor kündigt Blog "latina press"

Auslöser waren Darstellungen von Sextourismus in Kuba. Umstrittener Autor hatte amerika21.de wegen Kritik mit Klage gedroht

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Kampagne von Fremdenverkehrsunternehmen für verantwortungsvollen Tourismus
Kampagne von Fremdenverkehrsunternehmen für verantwortungsvollen Tourismus

Im Juli hatten wir bei amerika21.de Ärger mit dem deutschen Blogger Jörn Ehrenheim, den wir wegen seiner offen Darstellungen von bezahlten Sexualkontakten in Kuba als Sextourist bezeichnet hatten. Nun zieht die Affäre größere Kreise. Mehrere Leserinnen und Leser haben offenbar bei der Fluggesellschaft Condor dagegen protestiert, dass sie bei dem aus Brasilien betriebenen Blog "latina press", auf dem sich die Sextourismus-Berichte finden, Anzeigen schaltet. Condor reagierte umgehend und kündigte dem Blog.

Ehrenheim hatte in seinen Beiträgen ausführlich seine Sex-Abenteuer in Kuba geschildert und entsprechend illustriert. Andere entsprechende Texte erscheinen auf seiner Seite cubasolclub.blog.de. Wegen unseres Beitrags darüber forderte Ehrenheim amerika21.de auf, die Kritik zu entfernen. Andernfalls würde er uns verklagen. Wir entschieden uns dagegen und machten den Fall Anfang Juli öffentlich. Ehrenheim schwieg. So weit, so gut?

Nein, denn die Reaktion von Usern und des Flugunternehmens Condor zeigt, dass wir richtig lagen und dass ein Missstand vorliegt. Der in Brasilien ansässige Betreiber des Blogs "latina press", Dietmar Lang, hat die Sextourismus-Geschichten Ehrenheims gegen alle Kritik öffentlich verteidigt. Auf seinem Blog werde "nicht zensiert und verwässert". Wer die umstrittenen Berichte beanstandete, sei "politisch motiviert", so Lang, "denn wir verfechten die Meinungsfreiheit".

Das sah der Anzeigenkunde Condor nun anders. Der Sachverhalt – also die Sextourismus-Berichte – seien dem Unternehmen nicht bekannt gewesen, man habe daher sofort gehandelt, heißt es in E-Mail-Antworten an empörte Kunden, von denen wir die Nachricht weitergeleitet bekommen haben. Darin heißt es weiter:

"Nach Bekanntwerden des Sachverhalts wurde die Zusammenarbeit mit dem Portal sofort eingestellt. Condor distanziert sich von jeglicher Art der Ausbeutung von Menschen. Als Unternehmen sind wir uns unserer Verantwortung bewusst und engagieren uns mit sozialen Projekten in verschiedenen Destinationen, u.a. auf Kuba. Weiterhin unterstützen wir den "Code of Conduct for the protection of children from sexual exploitation in travel and tourism" im Rahmen des Deutschen Reiseverbands (DRV) aktiv. (...) Ein Aufklärungsfilm, der von der Initiative erstellt wurde, wird in unserem Bordprogramm gezeigt.

Was bleibt als Resümee? Zunächst fühlen wir uns bei amerika21.de in unserer Kritik bestätigt. Und es ist gut, dass das Zusammenspiel von Usern und Anzeigenkunden die Qualitätssicherung in Internet gegen Billigjournalismus stärkt. Bei amerika21.de setzen wir weiterhin auf engagierten Journalismus und gut recherchierte Autorentexte mit Transparenz der Quellen. Zunehmende Kooperationen mit anderen Medien, hoher Zuspruch in sozialen Netzwerken und inzwischen über 50 regelmäßige Fachautorinnen und Fachautoren stehen für diesen erfolgreichen Weg.

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