Mexiko: Autobahn in Chiapas wird mit Drohungen durchgesetzt

Präsidentin leugnet Widerstand gegen den Straßenbau. Dörfer beklagen Folgen der Bauarbeiten

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Der Bau der Autobahn in Chiapas ist umstritten
Der Bau der Autobahn in Chiapas ist umstritten

Tuxtla Gutiérrez. Mehr als 50 indigene Dörfer im südmexikanischen Bundesstaat haben eine Zunahme von Drohungen und Einschüchterungen gegen Gegner:innen des Megaprojektes angezeigt. In einer Erklärung verurteilte die autonome Gemeindeverwaltung von Chilón die Belästigungen, Einschüchterungen, Desinformation und zwanghafte Durchsetzung des Projektes in Gemeinden und Territorien.

Laut der Gemeindeverwaltung drangen am 18. September erneut Ingenieur:innen ohne die Zustimmung der Gemeinden in Grundstücke ein. Zudem berichteten die indigenen Tzeltal-Gemeinden von erneuten Drohnenüberflügen und der ständigen Präsenz von mit dem Projekt verbundenen Personen. Im Kontext der Drohungen und Schikanen gegen Autobahngegner:innen sorgen diese Aktionen für Besorgnis und Angst unter den Familien. Als Antwort auf die Drohungen und um das Eindringen unbekannter Personen in Gemeindeländereien zu unterbinden, haben die betroffenen Dörfer Patrouillen organisiert.

Am 19. September wurden Bewohner:innen in dem Dorf San Martín Crustón von angeblichen Angehörigen der polizeilichen Spezialeinheit FRIP (Fuerza de Reacción Inmediata Pakal) eingeschüchtert. Die Gruppe von Männern hinterließ eine Liste mit den Namen von Gegnern des Megaprojektes und Drohungen gegen sie. Nur wenige Tage zuvor denunzierte die Organisation MODEVITE und andere Gemeinden Bedrohungen und Verleumdungen durch Landkreis- und Regierungsvertreter in Zusammenhang mit Vermessungsarbeiten der Autobahn. Zudem verurteilen die Dörfer die Militarisierung der Gemeinden und die zwanghafte Durchsetzung des Megaprojektes zugunsten von Unternehmens- und Regierungsinteressen.

Die Zunahme der Aggressionen wird auch in Bezug auf den jüngsten Besuch von Präsidentin Claudia Sheinbaum in Chiapas und deren Unterstützung für das Megaprojekt gesehen. Am 11. September erklärte sie in ihrer morgendlichen Pressekonferenz in Tuxtla Gutiérrez, dass es keine soziale Opposition gegen das Megaprojekt gäbe. Sie würdigte die Arbeit des Gouverneurs von Chiapas, Eduardo Ramírez Aguilar, der durch die Einbeziehung indigener Gemeinschaften in den Betrieb und mit direkten Vorteilen für diese den Weg freigemacht und so soziale Konflikte vermieden hätte. Sie bestätigte außerdem eine weitere Investition von acht Milliarden Pesos (395 Millionen Euro) in den Bau des Streckenabschnitts Palenque–Ocosingo, der bis Ende 2027 abgeschlossen sein soll.

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Menschenrechtsorganisationen bedauern die Äußerungen der Präsidentin und sind der Ansicht, diese würden die Stimmen der indigenen Völker ignorieren und zum Schweigen bringen. "Seit mehr als drei Amtszeiten wehren sich verschiedene organisierte Gemeinschaften gegen das Autobahnprojekt San Cristóbal de Las Casas – Palenque, das von der Regierung des Bundesstaates in "Route der Maya-Kulturen" umbenannt wurde. Die jüngsten Äußerungen zeugen von Fehlinformationen, mangelndem Verständnis für die Bedürfnisse der Gemeinschaften, die diese Gebiete bewohnen und verteidigen, und/oder der Weigerung, auf diese einzugehen. Wir halten es für unerlässlich, den Beschwerden und Forderungen der indigenen Völker Gehör zu schenken, denn dies ist der erste Schritt hin zu Frieden und Gerechtigkeit", heißt es in einer Stellungnahme.

Aktuell befindet sich der erste Abschnitt der Autobahn zwischen den Städten Palenque und Ocosingo im Bau. Viele der betroffenen Gemeinden haben das Projekt scharf kritisiert, da es ihre Rechte auf Selbstbestimmung, auf Zugang zu Informationen und auf freie, vorherige, informierte und kulturell angemessene Zustimmung verletzt. Sie prangern außerdem die gravierenden Auswirkungen auf ihre Lebensgrundlagen wie Land, Wasserquellen und spirituelle Orte sowie die sozialökologischen Schäden an. 

Die Gemeinde San Manuel, zehn Kilometer von Palenque entfernt, informierte jüngst über das durch den Bau verursachte ökologische Ungleichgewicht und die daraus entstehenden Schäden. Die Bauarbeiten finden oberhalb des Dorfzentrums und in der Nähe der Wasserquelle statt. Steine, Schlamm und Geröll aus den Bauarbeiten führten zur vollständigen Verstopfung der Wasserversorgung des Dorfes. Aufgrund der Abholzung der Bäume am Berghang, die als natürlicher Schutzwall gegen Starkregen dienten, wurde die Gemeinde am 9. Dezember 2025 und am 23. September 2026 überschwemmt. Vor dem Autobahnbau kam es in der Gemeinde laut Bewohner:innen nie zu Überschwemmungen.