Berliner Protestwache für Kuba endet mit Umzingelung der US-Botschaft

Protestwache war eine Woche Tag und Nacht im Zentrum Berlins. Vielfältige Diskussionsrunden, internationale Aufmerksamkeit, aber wenig Resonanz in deutscher Presse

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An der Umzingelung der US-Botschaft beteiligten sich zahlreiche Organisationen
An der Umzingelung der US-Botschaft beteiligten sich zahlreiche Organisationen

Berlin. Am Samstag haben rund 200 Personen die US-Botschaft in Berlin symbolisch mit einer Menschenkette umzingelt. Die Demonstrierenden wollten damit ein Zeichen gegen die anhaltende Blockade der USA setzen, die Kuba von sämtlichen Energielieferungen abschneidet (amerika21 berichtete). Die Umzingelung war der Höhepunkt und Abschluss einer Aktionswoche, zu der über 50 zivilgesellschaftliche Gruppen und weitere Akteure aufgerufen hatten, um gegen die Blockade zu demonstrieren und über ihre Auswirkungen aufzuklären.

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Die Protestwache war Tag und Nacht besetzt
Die Protestwache war Tag und Nacht besetzt

Dafür hatten die beteiligten Gruppen eine einwöchige Protestwache hinter dem Brandenburger Tor in unmittelbarer Nachbarschaft zur US-Botschaft aufgebaut. Jeden Tag fanden dort zu einem anderen Themenschwerpunkt Info-Veranstaltungen und Diskussionsrunden statt. Am Samstag zogen die Demonstrierenden von dort unter Sprechchören wie "Hopp, hopp, hopp, US-Blockade stopp!" und "¡Cuba sí, bloqueo no!" (Ja zu Kuba, Nein zur Blockade!) zur Botschaft.

"Mich kotzt es maximal an, wie die USA mit Kuba umgehen und alle fertig machen, die da nicht mitmachen. Ich will gegen diese bösartige Politik protestieren", erklärte Uwe, ein Teilnehmer der Menschenkette im Bereich der Ebertstraße, gegenüber amerika21. "Die Blockade tötet und das ist die Politik eines Staates. Für mich ist das Staatsterrorismus", ergänzte Inken, einige Meter weiter.

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Besonders am Wochenende zog die Protestwache viele Besucher:innen an
Besonders am Wochenende zog die Protestwache viele Besucher:innen an

Der Abschlusstag der Aktionswoche stand unter dem Thema der Internationalen Solidarität. Vor der Umzingelung diskutierten Vertreter:innen von Organisationen der Kuba-Solidarität darüber, wie von Deutschland aus geholfen werden kann und welche Probleme dabei bestehen.

Angelika Becker vom Netzwerk Cuba wies darauf hin, dass die deutsche Politik tatenlos bei der humanitären Katastrophe in Kuba zusehe (amerika21 berichtete). "Wenn wir jetzt einen Außenminister haben, der tatsächlich behauptet, das ist eine Misswirtschaft und eine Blockade gibt es überhaupt nicht, dann wissen wir, wo unsere Aufgabe liegt, Einfluss zu nehmen auf politische Entscheidungen", sagte Becker auf der Kundgebung.

Die Verantwortung liege jedoch nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft, ergänzte Marion Leonhart von der FG BRD-Kuba. So habe sich die Reederei Hapag-Lloyd dazu entschieden, dem Druck der USA nachzugeben und keine Schiffe mehr nach Kuba zu senden. Dadurch verschlechtere sich die Versorgungslage auf der Insel zunehmend, auch da bereits bezahlte Waren nicht mehr geliefert würden. Dagegen müsse man "reingrätschen", denn "das kann nicht sein, dass in einem Rechtsstaat sich ein Unternehmen, was auch noch zu 25 Prozent öffentlich-rechtlich ist, sich erdreistet, gegen deutsches Recht, europäisches Recht, internationales Recht zu verstoßen, von dieser Unmenschlichkeit mal ganz abgesehen".

Ein deutliches Problem vieler der Soligruppen in Deutschland sprach Jutta Kausch-Henken, Vorsitzende der Freundschaftsgesellschaft Berlin-Kuba, in einem Redebeitrag an: "Unsere Freundschaftsgesellschaften, alle unsere Gesellschaften, sind zu großen Teilen sehr überaltert". Es gebe aber auch Anlass zur Hoffnung, sagte Kausch-Henken, da es neue Gruppen von jungen Menschen mit eigenen Projekten gebe. Es sei jetzt die Aufgabe der Älteren, die Jungen zu unterstützen.

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Die Delegation der SDAJ in Havanna beim Kongress "100 Fidel - Vermächtnis und Zukunft"
Die Delegation der SDAJ in Havanna beim Kongress "100 Fidel - Vermächtnis und Zukunft"

Am Donnerstag, dem Thementag der Jugend, stellte sich eines dieser Projekte vor. Mascha von der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) erzählte von der Solidaritätsbrigade "Fidel Castro Ruz", die Anfang August für zwei Wochen Kuba besuchte. Die Mitglieder der Brigade brachten knapp eine Tonne Medikamente sowie weitere Hilfsgüter mit, trafen Persönlichkeiten wie Aleida Guevara, Ärztin, Menschenrechtlerin und Tochter von Che Guevara, und tauschten sich mit jungen Kubaner:innen aus.

Mascha berichtete vor allem über die Chancen junger Menschen in Kuba. Durch die Verankerung von Jugendorganisationen in der Verfassung sei die politische Repräsentation junger Menschen garantiert. Auch ermögliche die dortige Kulturförderung es bspw. jungen Musiker:innen, viel einfacher ein Album aufzunehmen als in Deutschland. Kulturelle Angebote wie Konzerte und Tanzveranstaltungen würden dort erfolgreich genutzt, um junge Menschen an politische Bildung und Partizipation heranzuführen.

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Empress Beatriz unterstützte die Protestwache als eine von vielen Musiker:innen
Empress Beatriz unterstützte die Protestwache als eine von vielen Musiker:innen

Auch auf der Protestwache in Berlin waren Kultur und Politik miteinander verbunden. An jedem Tag der Aktionswoche spielten Musiker:innen aus so unterschiedlichen Richtungen wie Reggae, Afrobeats, Chansons und Weltmusik. Als letzte Musikerin trat am Samstag die Palästinenserin Wafaa Saied mit Liedern in arabischer Sprache auf. Ihr Auftritt war ein starkes Zeichen für die Bedeutung der Internationalen Solidarität von Gaza bis Kuba.

Gegenüber amerika21 zeigten sich die Veranstalter:innen zufrieden mit der Protestwache. Zwar sei das Thema in den deutschen Medien kaum präsent gewesen, dafür habe es jedoch internationale Resonanz gegeben. Auch hätten sie mehr Menschen erreicht als erhofft und das Feedback der Passant:innen sei überwiegend positiv gewesen.

Außerdem seien im Rahmen der Aktionswoche wertvolle Erfahrungen gemacht worden, erklärte Dietmar Koschmieder vom Organisationsteam in seiner Rede auf der Abschlusskundgebung. Damit könne in der Zukunft schnell auf weitere Eskalationen gegen Kuba reagiert werden: "Uns bleibt gar nichts anderes übrig. Wir müssen weiterkämpfen!"