Castries/Bridgetown/London. Staats- und Regierungschefs der karibischen Staatengemeinschaft CARICOM haben sich auf Forderungen nach Entschädigungen für die Opfer des transatlantischen Sklavenhandels verständigt. Die Vereinbarungen erfolgten vergangene Woche auf dem 51. regulären Treffen der Staatengemeinschaft in Saint Lucia.
Bereits 2014 hatten die Staats- und Regierungschefs der CARICOM einen Zehn-Punkte-Plan für die Wiedergutmachung dieses Verbrechens gebilligt. Die barbadische Premierministerin Mia Amor Mottley hatte aus diesem Anlass die frühere britische Innenministerin Suella Braverman kritisiert, die gefordert hatte, dass die vormaligen Kolonien des Vereinigten Königreiches ihrem Mutterland die während der Kolonialherrschaft "geleisteten Investitionen" zurückzahlen sollten.
Zwischen den vormaligen europäischen Kolonialmächten und Staaten in Afrika und der Karibik verschärfte sich zuletzt der Ton der bilateralen Beziehungen, nachdem die UN-Vollversammlung im März eine nicht bindende Resolution mit dem Titel "Erklärung über den Handel mit versklavten Afrikanern und die rassifizierte Sklaverei von Afrikanern als Eigentum als schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verabschiedet hatte. Die Vertreter von 123 Staaten stimmten dafür, die EU-Länder enthielten sich und zu den wenigen Gegenstimmen gehörten unter anderem Argentinien und die USA.
Mit der UN-Erklärung als Grundlage trafen sich im Juni dieses Jahres Vertreter von afrikanischen und karibischen Staaten im ghanaischen Accra. Dabei einigten sich auf ein Dokument, das 19 Punkte für einen globalen Rahmen für Wiedergutmachung und Gerechtigkeit darlegte. Unter den Anwesenden befand sich auch die Barbados-Labour-Party-Politikerin Mottley. Bei einer Rede auf der Accra-Konferenz berief sich John Mahama, der Präsident Ghanas, auf den bereits 2014 verabschiedeten Zehn-Punkte-Plan für Wiedergutmachung der CARICOM als einen "wichtigen Startpunkt".
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Anfang Juli erklärte dann Suella Braverman, dass die einst kolonial unterdrückten Länder Großbritannien entschädigen sollten. Braverman hatte 2022 und 2023 für kurze Zeit als britische Innenministerin gedient und 2024 erfolglos für den Vorsitz der Konservativen Partei kandidiert. Die Juristin, die lange Zeit zum rechten Flügel der Konservativen Partei (Tory) gezählt wurde, trat Anfang dieses Jahres der rechten Partei Reform UK des Investmenthändlers Nigel Farage bei.
Mottley wies Bravermans Forderung als "völlig unsinnig" zurück. Auf der Konferenz in Accra hatte Mottley eine Diskussionsgruppe geleitet und wurde in eine Koordinierungsfunktion gewählt. Während der mittlerweile acht Jahre laufenden Amtszeit von Mottley als Premierministerin der Insel der Kleinen Antillen, erst im Februar erhielt die BLP knapp 70 Prozent bei den jüngsten Parlamentswahlen, positionierte sie sich als entschiedene Kämpferin gegen die Auswirkungen der Klimakatastrophe. Außerdem forcierte sie die Abschaffung der Monarchie, indem sie die vormaligen Beziehungen zur britischen Krone, vor Ort repräsentiert durch einen Generalgouverneur, abbrach. Seit fünf Jahren ist Barbados nun eine Republik.
Im Zuge des transatlantischen Sklavenhandels hatten verschiedene europäische Mächte zwischen zwölf und 14 Millionen Menschen aus dem subsaharischen Afrika verschleppt und nach Nord-, Mittel- und Südamerika gebracht, um ihre Arbeitskraft auszubeuten. Circa zwei Millionen Menschen starben allein auf der Überfahrt. Neben Großbritannien spielten auch die Kolonialmächte Portugal, Spanien und Frankreich dabei eine zentrale Rolle.

