Erfolgreiche Proteste in Mexiko gegen Strandprivatisierung durch Luxushotel

Anwohner und Umweltgruppen an der Riviera Nayarit fordern freien Zugang zum Strand Las Cocinas. Zusammenstöße mit Polizei und Festnahmen. Regierung macht erste Zusagen.

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Die vielfältigen Proteste gegen die Privatisierung des Strandes Las Cocinas in Nayarit zeigen Wirkung
Die vielfältigen Proteste gegen die Privatisierung des Strandes Las Cocinas in Nayarit zeigen Wirkung

Bahía de Banderas. Am Strand Las Cocinas in der mexikanischen Gemeinde Bahía de Banderas protestieren Umweltaktivisten seit Wochen gegen ein Immobilienprojekt. Dieses beabsichtigt die Privatisierung des Strandes auf der Halbinsel Punta de Mita. Die Protestierenden fordern das Bauunternehmen auf, den an den Strand angrenzenden 20 Meter breiten Landstreifen zu respektieren. Dieser gilt in Mexiko als unveräußerbar und öffentlich zugänglich.

In den letzten Apriltagen kam es um das Bauprojekt zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten des Bundesstaates Nayarit und Anwohnern. Zwei Aktivisten wurden vorübergehend festgenommen. Eduardo Huerta, ein Sprecher des Kollektivs "La Batalla por la Playa" (Die Schlacht für den Strand), wurde im Handgemenge leicht verletzt.

Während die Aktivisten die als illegal bezeichneten Bauarbeiten filmten, tauchten Dutzende Polizeibeamte am Strand von Las Cocinas auf. Die Polizei warf den Demonstranten vor, sie hätten das vom Unternehmen abgegrenzte Gebiet betreten. Anwohner von Punta de Mita und Emiliano Zapata blockierten mehrmals den Verkehr einer wichtigen Zufahrtsstraße und forderten die Marine auf, den Strand zu schützen. Obwohl das Umweltministerium einräumte, dass für das Projekt keine formelle Umweltverträglichkeitsprüfung vorläge, wurden die Bauarbeiten am letzten für die Bevölkerung von Punta de Mita frei zugänglichen Küstenabschnitt unter Polizeischutz fortgesetzt.

Die Baumaschinen verschieben Felsen und Sand auf dem Bundesgebiet unmittelbar am Meer. Der Bau des Luxushotels der US-amerikanischen Firma Montage International beeinträchtige damit auch das Nistgebiet für Schildkröten, beklagten die Umweltaktivisten. "Was das Unternehmen in Punta de Mita macht, ist ein Ökozid", warnte Huerta in einem Interview mit dem Lokalradio La Coyotera.

Nachdem mexikanische Medien über den Konflikt breit informiert hatten, versprachen die Behörden schließlich, einen freien Zugang zum Strand zu garantieren. Die Investoren gaben ihrerseits bekannt, sie würden ihre Mauer nun fünf Meter vom Strand entfernt bauen. Bei einer Bürgerversammlung am vergangenen Samstag lehnten die Anwohner diesen Kompromiss ab und forderten die Einhaltung eines Mindestabstands von 20 Metern, um das Bundesgebiet und das Nistgebiet der Riesenschildkröte zu schützen. Diese Art benötigt zum Nisten große Sandflächen, erklärten sie.

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Das US-Unternehmen Montage International ist gemäß eigenen Angaben im Bereich "Ultra-Luxus-Hotellerie" tätig. Finanziert wird das Projekt mit 140 Zimmern und 60 Luxusresidenzen von LCA Capital, einem Unternehmen, das Kapital aus der privatisierten Altersvorsorge der mexikanischen Lohnarbeiter verwaltet.

Die Fischer von Punta de Mita wurden schon im Jahre 1994 aus ihren einfachen Hütten in Strandnähe "mit Gewehrkolben vertrieben" und zwangsumgesiedelt, wie sie gegenüber der Tageszeitung La Jornada berichteten. Die Halbinsel südlich des bekannten Touristenorts Puerto Vallarta wird seither für Luxushotels und Golfplätze genutzt, ohne dass die Versprechungen über gut bezahlte Arbeitsplätze für die Lokalbevölkerung erfüllt wurden. Einer der größten Konflikte mit der Tourismusindustrie ist deren hoher Wasserverbrauch in einer Gegend, die unter zunehmendem Wassermangel leidet.

Im Zuge der aktuellen Protestwelle ist es auch zu Drohungen gegen Umweltschützer gekommen. Der Aktivist Efraín López veröffentlichte ein Video, in dem er seine Sorge um seine Sicherheit zum Ausdruck brachte. In seiner Botschaft warf er der Regierung von Nayarit vor, Vergeltungsmaßnahmen gegen diejenigen zu ergreifen, die diesen Ort schützen wollen.

Ebenfalls in der Gemeinde Bahía de Banderas wurde am 11. März der Umweltaktivist Erik Saracho Aguilar angeschossen, nachdem er die von ihm als illegal bezeichnete Durchführung von touristischen Großprojekten kritisierte (amerika21 berichtete). Das Attentat geschah kurz nach einem öffentlichen Treffen zwischen kritischen Bürgern und dem Bürgermeister, dem Morena-Politiker Héctor Santana, sowie Vertretern von Ysuri, einem Boutique-Hotelprojekt im "Hippie-Chic"-Stil, das Teil des Luxus-Tourismuskorridors der Riviera von Nayarit ist. Die Täter, die aus kurzer Distanz auf Saracho geschossen hatten, wurden bisher nicht verhaftet.