Chilpancingo/Mexiko-Stadt. Beamte der mexikanischen Bundespolizei haben am 18. März den 73-jährigen sozialen Aktivisten Ubaldo Segura Pantoja in seinem Heimatort Tlapa festgenommen. Der Vorsitzende der linken Organisation "Populäre Front von Montaña" (FPM), die in der Region La Montaña im Bundesstaat Guerrero aktiv ist, wurde zuerst nach Puebla und anschließend in ein Hochsicherheitsgefängnis in Veracruz verlegt.
Die Generalstaatsanwaltschaft wirft Segura Straftaten wie Entführung, Körperverletzung, Diebstahl und Drohungen im Zusammenhang mit einer Protestaktion vor knapp zwölf Jahren vor. Am 13. Dezember 2014 protestierten Mitglieder der FPM gegen das gewaltsame Verschwindenlassen der 43 Studenten aus Ayotzinapa. Der Anlass des Protestes war ein Festmahl der Regierung von Guerrero für eine Gruppe von regierungsnahen Journalisten. 13 Mitglieder des "Journalistenclubs" zeigten die Aktivisten an, weil sie während vier Stunden ihrer Freiheit beraubt worden seien. Unter den Angezeigten sind auch Antonio Vivar Díaz, der am 7. Juni 2015 von der Bundespolizei erschossen wurde, sowie Arnulfo Cerón Soriano, der im Oktober 2019 verschwand und ermordet wurde.
Auf einer Pressekonferenz prangerte Abel Barrera Hernández, Direktor des Menschenrechtszentrums "Tlachinollan" an, dass während der Festnahme des Aktivisten seine Menschenrechte verletzt worden seien. Segura sei fast 48 Stunden lang ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten worden und habe in dieser Zeitspanne als "Verschwundener" gegolten, sagte Barrera.
Das einzige Vergehen der Demonstranten habe darin bestanden, für die Aufklärung des Schicksals der 43 Studenten aus Ayotzinapa zu demonstrieren, die am 26. und 27. September 2014 in Iguala verschwunden waren, erklärte der Rechtsbeistand des Aktivisten vom Menschenrechtszentrum "Tlachinollan".
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Segura Pantoja moderierte 25 Jahre lang die Radiosendung "Resonancias" beim Lokalradio "La Voz de la Montaña" in Tlapa. "Ubaldo ist ein geborener Menschenrechtsaktivist", betonte das Tlachinollan in einer Kolumne über das Leben und Wirken des Verhafteten. "Er hat teuer dafür bezahlt, dass er seinen politischen Überzeugungen treu geblieben ist und sich niemals zum Handlanger der Machthaber gemacht hat."
Das Menschenrechtszentrum warnte, es sei "sehr bedenklich", dass die Regierung der gemäßigt linken Morena-Partei einen Menschenrechtsverteidiger verfolge und inhaftiere. Die Bundesstaatsanwaltschaft und das Innenministerium setzen damit "die verhängnisvollen Praktiken der PRI und der PRD" fort, indem sie soziale Aktivisten in Hochsicherheitsgefängnisse sperren und sie wie gefährliche Kriminelle behandeln.
Verschiedene soziale Organisationen fordern die Freilassung des Aktivisten. In einem offenen Brief der politischen Gefangenen Kenia Hernández, eine indigene Amuzga aus Guerrero, die wegen Protesten auf Bundesstraßen seit über fünf Jahren in Haft sitzt, hieß es "Wenn es jemanden in diesem Kampf gibt, dessen Besonnenheit, Reife und Treue zu den Grundsätzen der Gerechtigkeit ich bewundere, dann sind Sie das, Genosse Ubaldo. Seit ich Sie kennengelernt habe, sind Sie für mich ein Mentor in der Führung der sozialen Bewegung", schrieb Kenia Hernández. Sie hofft auf die Freilassung von Segura ebenso wie auf ihre eigene "ich vertraue darauf, dass Sie noch vor mir bei Ihrer nächsten Anhörung freigesprochen werden, bei der man Ihnen keine Anklage erheben darf, denn Sie haben niemanden entführt". An diesem Mittwoch findet die nächste Anhörung im Fall von Segura statt.
Aktualisierung: Der Haftrichter entschied, dass keine Anhaltspunkte für eine Strafverfolgung gegen Ubaldo Segura Pantoja vorlagen. Acht Tage nach seiner willkürlichen Festnahme wurde der Aktivist aus dem Hochsicherheitsgefängnis entlassen.

