Ecuador / Wirtschaft

Ecuador: Weitere Kürzungen wegen Krediten des IWF?

Im März steht die fünfte Prüfung durch den IWF an. Bei Erfolg fließen 400 Millionen Dollar. Regierung sieht darin ein Signal an Finanzmärkte

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Zwei Frauen blicken beim Maisschälen auf die Hauptstadt Quito
Zwei Frauen blicken beim Maisschälen auf die Hauptstadt Quito

Quito. In Ecuador gibt es erneut Kontroversen über mögliche Kürzungen im Zusammenhang mit neuen Krediten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Im März steht für das Andenland die fünfte Überprüfung der Vereinbarung mit dem IWF an. Bei einer positiven Bewertung würden weitere 400 Millionen US-Dollar ausgezahlt. Neben der unmittelbaren Zahlung wird die IWF-Überprüfung seitens der Regierung auch als wichtiges Signal an die internationalen Finanzmärkte gewertet.

Der IWF berücksichtigt bei seiner Bewertung eine Reihe von Faktoren. Insbesondere werden das Verhältnis der Staatseinnahmen und -ausgaben sowie die vorhandenen Auslandsschulden berücksichtigt. Für das Jahr 2025 hat das ecuadorianische Wirtschaftsministerium ein Defizit von über 4,5 Milliarden US-Dollar gemeldet. Die Gesellschaft für Entwicklungsforschung (Cordes) hält diese Zahl jedoch für "irreführend". Nach ihrer Analyse seien die Zahlen geschönt und das tatsächliche Defizit höher. Grund dafür sei ein Schuldenerlass der staatlichen Ölgesellschaft Petroecuador von rund 853 Millionen US-Dollar.

Für das Jahr 2026 wird ein Defizit von rund 5,4 Milliarden US-Dollar erwartet, das sind über 1,2 Milliarden US-Dollar mehr als noch im Jahr 2024. Die Regierung von Präsident Daniel Noboa will daher weitere Einsparungen vornehmen. Zuletzt wurde das Gesetz über die dezentralen Regierungen (GAD) verabschiedet. Dieses schreibt den Provinzen und Gemeinden vor, zukünftig einen größeren Teil ihres Budgets in Infrastruktur zu investieren. Damit geht die Reduzierung sozialer Programme für Gesundheit oder Bildung einher. Kritik kommt von den Bürgermeistern, den Oppositionsparteien Bürgerrevolution und Pachakutik sowie von Gewerkschaften. Sie kündigten an, Verfassungsbeschwerde einzulegen.

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Die Debatte um das GAD-Gesetz steht insbesondere vor dem Hintergrund von Berichten, denen zufolge die Regierung bis zu 40.000 Staatsbedienstete entlassen könnte. Anders als in der Vergangenheit sollen diese Kündigungen nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch in den Provinzen und Kommunen durchgeführt werden. Laut einer Analyse der Beobachtungsstelle zur Dollarisierung hat sich die Regierung gegenüber dem IWF auf eine Anpassung der staatlichen Löhne bis 2028 verpflichtet. Laut der Analyse soll diese Anpassung bei 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, was rund 417 Millionen US-Dollar entspricht.

In den vergangenen Jahren kam es in Ecuador immer wieder zu Protesten gegen Kürzungsmaßnahmen der Regierung und des IWF. Im Oktober 2025 kam es zuletzt zu einem Generalstreik, der durch die Abschaffung von Dieselsubventionen ausgelöst wurde. Die Regierung ging damals gewaltsam gegen die Protestierenden vor, dabei starben drei Menschen. Für den 13. März rufen mehrere Gewerkschaften erneut zu Demonstrationen in Quito auf. Ecuador hatte im Jahr 2024 die fünftmeisten Schulden aller Länder weltweit beim IWF.