Bogota. Die kolumbianische Generalstaatsanwaltschaft hat am Donnerstag General Juan Miguel Huertas, Chef des Personalstabs der Armee, und Wilmar Mejía, Mitglied des Nachrichtendienstes DNI, vorläufig suspendiert. Grund dafür sind Verdachtsfälle, wonach beide Informationen und logistische Unterstützung an Mitglieder einer Splittergruppe der ehemaligen Farc-Guerilla weitergegeben haben sollen.
Den Ermittlungen zufolge tauchen die Namen der Beschuldigten in E-Mails und Chatnachrichten auf, die bei der Gruppe um Alexander Díaz Mendoza alias Calarcá Córdoba sichergestellt wurden. Mit der Unterstützung soll die Gruppe eine Scheinsicherheitsfirma gegründet haben, um damit legal Waffen tragen zu können. Weiterhin soll Huertas Schutz für Kontrollen an militärischen Checkpoints angeboten haben, die es der Gruppe ermöglicht hätten, diese gefahrlos zu passieren.
Die Suspendierung leitet eine disziplinarische und strafrechtliche Untersuchung ein, um zu klären, ob tatsächlich eine Infiltration der Gruppe in militärische oder nachrichtendienstliche Institutionen stattgefunden hat.
Innenminister Armando Benedetti kommentierte, dass die Regierung von der Maßnahme der Staatsanwaltschaft "überrascht" worden sei. Eine vorherige Absprache habe nicht stattgefunden. Er kündigte jedoch an, dass die Regierung die Entscheidung respektieren werde.
Kolumbiens Präsident Gustavo Petro hält die Anschuldigungen gegen Huertas und Mejía für fingiert. "Es sollen Personen beseitigt werden, die mir dabei geholfen haben, korrupte Armeeoffiziere zu identifizieren", erklärte er auf X. Petro zufolge waren kriminelle Geschäfte zwischen Armee und organisiertem Verbrechen unter seinem Amtsvorgänger Iván Duque (2018–2022) üblich, seine Regierung habe damit jedoch aufgeräumt.
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Die Vorwürfe gegen Huertas hält Petro auch deshalb für falsch, da dieser erst im August 2025 wieder in den Armeedienst eintrat, nachdem er 2020 von Duque aus der Armee entfernt wurde. Diese Zeitspanne sei zu kurz, um entsprechende Kontakte knüpfen zu können, so Petro.
Der Fall ereignet sich in einem komplexen Kontext des kolumbianischen Konflikts. Nach der Unterzeichnung des endgültigen Friedensabkommens im Jahr 2016 demobilisierte sich die Farc und gründete eine legale politische Partei. Mehrere Kommandanten und Kämpfer:innen lehnten das Abkommen jedoch ab, kehrten in den Untergrund zurück und bildeten unterschiedliche Splittergruppen. Diese operieren heute ohne einheitliche Struktur und vereinen Elemente eines fortbestehenden Aufstands mit kriminellen Aktivitäten wie Drogenhandel, Erpressung und territorialer Kontrolle.
Die Regierung von Petro versucht, diese Gruppen durch ihre Politik des "totalen Friedens" einzudämmen. Sie kombiniert Gespräche mit zu Verhandlungen bereiten Gruppen mit militärischen Operationen. Die von Calarcá geführte Gruppe gehört zu denen, mit denen die Regierung Kontakt hält, während gegen andere Strukturen - etwa jene unter dem Kommando von Iván Mordisco - Offensiven laufen (amerika21 berichtete).
Sollten sich die Anschuldigungen gegen Huerats und Mejía bewahrheiten, könnte dies Petros Politik in Frage stellen und seine Position schwächen. Da er sich öffentlich hinter Huertas gestellt hat, hängt auch für ihn viel vom Ausgang des Verfahrens ab.


