Belém. Der Gipfel der Völker, der vom 12. bis 16. November in Belém stattgefunden hat, hat sein Programm am vergangenen Sonntag mit einem politischen Meilenstein beendet. Offiziell wurde ein Schreiben, die Abschlusserklärung, während einer öffentlichen Anhörung an der Bundesuniversität Universidad Federal de Pará (UFPA) an den Präsidenten der COP30, André Corrêa do Lago, übergeben. Die Zeremonie symbolisierte die Anerkennung der Stärke der organisierten Zivilgesellschaft und festigte eine Brücke des Dialogs zwischen der Bevölkerung und dem formellen Prozess der Klimakonferenz.
Das Treffen, das soziale Bewegungen, traditionelle Völker, städtische Kollektive und internationale Organisationen mobilisierte, verzeichnete sehr hohe Teilnahmezahlen für eine Parallelveranstaltung zur COP. So waren mehr als 23.000 Teilnehmende akkreditiert, davon 20.000 Menschen, die täglich auf dem Campus der UFPA unterwegs waren. Aus 65 Ländern nahmen führende Persönlichkeiten teil. Über 1.100 Organisationen unterzeichneten die politische Charta und mehr als 300 Medien berichteten über die Aktivitäten.
Neben seiner politischen Dimension hinterließ die Veranstaltung ein bedeutendes materielles Vermächtnis. Die von der Landlosenbewegung MST, der kleinbäuerlichen Bewegung MPA und weiteren zivilgesellschaftlichen Institutionen organisierte Solidaritätsküche servierte täglich zwischen 9.000 und 12.000 Mahlzeiten. Dies war die größten Solidaritätsküche, die jemals in Brasilien eingerichtet wurde, und der größte öffentliche Einkauf zur Lebensmittelbeschaffung bei der bäuerlichen Landwirtschaft seit über zwei Jahrzehnten. Die Messe der Völker stellte auch Erfahrungen aus den Bereichen Solidarwirtschaft, Agrarökologie, Handwerk, traditionelle Spiritualität und gemeinschaftliche Lebensweisen in den Vordergrund.
Der Abschluss war geprägt von der führenden Rolle der indigenen Anführer:innen und der Bekräftigung der Abstammung als politischer Schwerpunkt des sozialökologischen Kampfes. In Anlehnung an die Weisheit von Führern wie Häuptling Raoni erinnerten die Mittler:innen daran, dass "Glaube und Freude gegen Tod und Traurigkeit kämpfen" und bekräftigten, dass Widerstand aus der Feier des Lebens und der Erinnerung entsteht.
Vertreter:innen der Landarbeiter:innengewerkschaft CONTAG, amazonischen Organisationen und internationalen Netzwerken betonten, dass die Mobilisierung der Bevölkerung "die Geschichte der COP30 geprägt" habe und einen globalen Block für Klimagerechtigkeit konsolidiert habe.
An der Abschlussrunde der öffentlichen Anhörung nahmen wichtige Vertreter:innen der brasilianischen Regierung teil, was die Legitimität der Agenda der Bevölkerung unterstrich:
- Sônia Guajajara, Ministerin für indigene Völker
- Marina Silva, Ministerin für Umwelt und Klimawandel
- Guilherme Boulos, Minister im Generalsekretariat der Präsidentschaft
- Leutália, Vertreterin des Ministeriums für Frauen
- Historische Vertreter:innen internationaler und amazonischer Organisationen.
Die gemeinsame Anwesenheit dieser Behördenvertreter und der Organisatoren des Gipfels brachte das Engagement zum Ausdruck, die in den Territorien formulierten Forderungen in den Mittelpunkt der Verhandlungen der COP30 zu stellen.
Die Abschlusserklärung des Gipfels der Völker fasst zwei Jahre Debatten, Schulungen, Studien und internationale Koordinierungsbemühungen zusammen. Der Text politischer und struktureller Natur enthält eine tiefgreifende Kritik am globalen Wirtschaftsmodell und definiert eine Agenda für die Bevölkerung zur Bewältigung der Klimakrise.
Als zentrale Punkte formulierte das Papier:
1. Diagnose: Der Kapitalismus als Ursache der Klimakrise
Das Dokument stellt fest, dass die kapitalistische Produktionsweise die Ursache der aktuellen Klimakrise ist, und prangert das Handeln transnationaler Konzerne an, insbesondere von Bergbau-, Öl-, Agrar-, Rüstungs- und Big-Tech-Unternehmen.
Dem Text zufolge zwingen diese Sektoren ein Modell der Ausbeutung der Natur und der Völker auf, wodurch Ungleichheiten verstärkt und sozialökologische Risiken verschärft werden.
2. Umweltrassismus und die Vulnerabilität der Peripherie
Die Erklärung stellt fest, dass Randgemeinden und historisch benachteiligte Bevölkerungsgruppen den schwerwiegendsten Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt sind, während sie gleichzeitig bei Prävention und der Politik der Wiedergutmachung entstandender Schäden vernachlässigt werden.
3. Ablehnung falscher Marktlösungen
Das Dokument kritisiert Mechanismen der Kompensation, Finanzialisierung oder Kommerzialisierung natürlicher Güter und stellt fest, dass solche Strategien von echten Lösungen ablenken, die auf Klimagerechtigkeit und Beteiligung der Bevölkerung basieren.
Der Text erwähnt, dass Programme wie die Tropical Forestry Forever Facility (TFFF) keine angemessenen Lösungen darstellen, wenn sie nicht transparent sind und keinen direkten Nutzen für die Gebiete gewährleisten.
4. Zentrale Forderungen an die COP30
Zu den wichtigsten politischen Forderungen gehören:
- Abgrenzung und Schutz indigener Gebiete und traditioneller Territorien
- Null Abholzung, ökologische Wiederherstellung und Bekämpfung krimineller Brandstiftung
- Agrarreform und Stärkung der Agrarökologie als echte Klimaschutzlösung
- Gerechte Städte und öffentliche Politik in den Bereichen Abwasserentsorgung, Wohnen, Mobilität und Baumbepflanzung
- Beteiligung der Bevölkerung an allen Phasen der Klimapolitik
- Entmilitarisierung und Beendigung von Kriegen, mit Umleitung der Militärausgaben für den sozialen und ökologischen Wiederaufbau
- Beendigung der Ausbeutung fossiler Brennstoffe und gerechter und souveräner Energiewandel
- Besteuerung von Unternehmen, die von Umweltzerstörung und Ungleichheiten profitieren
- Schutz von Umweltaktivist:innen und Rechenschaftspflicht von Unternehmen und Regierungen für soziale und ökologische Verbrechen
- Verbindliche internationale Instrumente, die Menschenrechte garantieren und transnationale Unternehmen zur Verantwortung für Schäden verpflichten.
5. Ein globaler Aufruf zu Organisation und Internationalismus der Völker
Die Erklärung ruft die Völker dazu auf, Netzwerke des Kampfes, der Solidarität und des Aufbaus von Gemeinschaften zu stärken, und vertritt die Auffassung, dass Lösungen für die Klimakrise aus den Territorien kommen und eine internationale Einheit gegen einen "Feind" erfordern: die Logik der Ausbeutung, die Leben, Völker und Natur opfert.
Die Erklärung endet mit dem Aufruf: "Völker der Welt, vereinigt euch!"
Der Gipfel der Völker beschloss seine Teilnahme an der COP30 mit neuer politischer Kraft und hat eine Agenda formuliert, die bekräftigt, dass es keine Klimagerechtigkeit ohne soziale Gerechtigkeit gibt und dass die Zukunft des Planeten von der Wertschätzung der Territorien, des überlieferten Wissens und der Rolle der Protagonist:innen der Bevölkerungen abhängt, die das Leben schützen.
Die Übergabe der Abschlusserklärung besiegelte ein Kapitel der COP, die zum ersten Mal im Amazonasgebiet stattfand, ein Treffen, das für Tausende von Teilnehmenden bereits seine Spuren in der Gegenwart und in den kommenden Kämpfen der Menschheit hinterlassen hat.
Die Vollständige Abschlusserklärung ist hier auf Deutsch verfügbar.



