Augusta. Weniger als eine Woche nach einem tödlichen Schusswaffeneinsatz von US-Einwanderungsbeamten in Texas hat ein ICE-Beamter im nördlich gelegenen Bundesstaat Maine einen Autofahrer erschossen. Der Vorfall ereignete sich am Montagmorgen in dem Küstenort Biddeford, der in den vergangenen Jahren zu einem Anziehungspunkt für Einwanderer aus Lateinamerika geworden ist. Bei dem Opfer handelt es sich um den 26-jährigen Kolumbianer Joan Sebastian Guerrero. Er arbeitete als Lieferfahrer und lebte mit seiner Ehefrau sowie seiner dreijährigen Tochter in Biddeford.
Nach Darstellung von ICE hatten Beamte die letzte bekannte Adresse einer Person mit Abschiebungsanordnung überwacht. Als ein Fahrzeug morgens den Ort verließ, versuchten sie, es anzuhalten. Laut ICE versuchte der Fahrer zu fliehen. Aus "Sorge um die öffentliche Sicherheit" habe ein Beamter seine Dienstwaffe abgefeuert. Belegen kann "Trumps Privatmiliz", wie sie von Kritiker:innen genannt wird, die Darstellung nicht, weil angeblich keiner der Beteiligten eine Bodycam trug. Eine Augenzeugin berichtete dagegen, das Fahrzeug sei bei einer Verfolgungsjagd von ICE gerammt und dann umstellt worden, bevor Beamte auf den Fahrer schossen. Ob es Videos davon gibt, war bisher nicht zu ermitteln.
Die kolumbianische Botschaft in Washington erklärte, sie unterstütze die Familie des umgebrachten Guerrero. Zugleich habe sie beim US-Heimatschutzministerium Informationen über die Umstände des tödlichen Vorfalls angefordert.
Die Maine Immigrants' Rights Coalition (MIRC) und Presente! Maine erklärten in einer Stellungnahme, Guerrero habe eine Arbeitsgenehmigung und eine Sozialversicherungsnummer besessen. Man sei über seinen Tod "zutiefst erschüttert und empört".
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Noch am selben Tag protestierten Hunderte Menschen in Biddeford gegen den Einsatz. Sie skandierten "Get ICE out" ("ICE raus"). Sie warfen der republikanischen Senatorin Susan Collins vor, die Einwanderungsbehörde durch ihre Unterstützung der Politik des Heimatschutzministeriums mitzuverantworten. Dutzende von aufgebrachten Menschen versuchten dabei, in das örtliche Büro der rechten Senatorin einzudringen.
Bereits in der vergangenen Woche hatte ein ICE-Beamter in Houston den 52-jährigen mexikanischen Bauarbeiter Lorenzo Salgado Araujo erschossen, der seit mehr als 30 Jahren in den USA lebte. Auch er war nicht das eigentliche Ziel des Einsatzes. Und auch in diesem Fall sollen die Beamten keine Bodycams getragen haben.
Mit den staatlichen Morden in Maine und in Texas in der Woche davor stieg die Zahl der Menschen, die seit Trumps Amtsantritt im Januar 2025 bei Einsätzen der Einwanderungsbehörden erschossen wurden, auf mindestens elf. Die Fälle fallen in eine Phase verschärfter rassistischer Massenabschiebungen, die das Trump-Regime seit Beginn der zweiten Amtszeit vorantreibt. Die Morde an den US-Bürgern Renee Goode und Alex Pretti im Januar im Bundesstaat Minnesota, begangen von Beamten von ICE und der Grenzschutzbehörde, hatten im Januar Massenproteste ausgelöst.

