Mexiko-Stadt. Am Samstag ist es vor dem Nationalpalast in Mexiko zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstrierenden gekommen. Hintergrund war ein Protestmarsch, zu dem die informelle Bewegung Generación Z in über 50 Städten des Landes aufgerufen hatte.
"Wir marschieren für Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit, Bildung, Gesundheit, würdige Arbeit und für eine Zukunft, die man uns wegnehmen wollte", verkündete die Bewegung bei X.
Die Regierung von Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum sieht jedoch einen Zusammenhang zu rechten Netzwerken und Akteuren aus dem Ausland.
In Mexiko-Stadt nahmen laut Informationen der Behörden 17.000 Personen an der Demonstration teil. Dem Ministerium für öffentliche Sicherheit zufolge beteiligten sich zahlreiche soziale Organisationen, darunter die oppositionellen Bürgernetzwerke, die Rosa Welle und die Pluralistische Bewegung der Händler:innen der öffentlichen Märkte von Mexiko-Stadt.
Viele der Demonstrierenden zeigten die Piratenflagge aus dem Manga One Piece, das Symbol der Gen Z Proteste, das bereits auf Demonstrationen in zahlreichen Ländern zum Einsatz gekommen ist.
"Ich bin müde und traurig über die aktuelle Situation im Land", wurde Rodrigo Santana, Teilnehmer der Demonstration in der New York Times zitiert. "Das Ziel dieses Marsches ist es, die Präsidentin abzusetzen. Und zu zeigen, dass wir wütend sind, dass das Volk nicht hinter ihr steht."
Ein anderes präsentes Symbol waren die Sonnenhüte von Movimiento Sombrero. Diese Bewegung wurde von Carlos Manzo ins Leben gerufen, einem kürzlich ermordeten Bürgermeister aus dem Bundesstaat Michoacan. Manzo hatte Sheinbaums Sicherheitspolitik kritisiert, ein härteres Vorgehen gegen die organisierte Kriminalität gefordert und angekündigt, Polizist:innen zu belohnen, die Auftragskiller der Kartelle töten.
Auf einem Transparent am Monument der Unabhängigkeit wurde Manzo mit Nayib Bukele verglichen, dem Präsidenten von El Salvador, bekannt für seinen harten Kurs gegen die Kriminalität und seine enge Zusammenarbeit mit US-Präsident Donald Trump. Im Hochsicherheitsgefängnis Cecot in El Salvador soll es zu massenhaften Folterungen an Inhaftierten gekommen sein (amerika21 berichtete).
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Die Demonstrierenden in Mexiko-Stadt zogen vom Monument der Unabhängigkeit zum zentralen Zócalo Platz. Dort, vor dem Nationalpalast, kam es zu Ausschreitungen. Einige Demonstrierende rissen metallene Zäune nieder, Steine und Feuerwerkskörper flogen, die Polizei setzte Tränengas ein. Insgesamt sollen über 120 Menschen verletzt worden sein. Die Sicherheitskräfte nahmen mindestens 20 Personen fest.
Sheinbaum verurteilte die Gewalt: "Wenn man nicht einverstanden ist, muss man friedlich demonstrieren, man darf niemals Gewalt anwenden, um etwas zu verändern, sondern immer friedliche Mittel einsetzen." Die Präsidentin versicherte jedoch, dass ihre Regierung das Recht auf freie Meinungsäußerung schützen werde.
Bereits vor den Ereignissen am Samstag hatte die Präsidentin die Legitimität der Proteste jedoch bezweifelt. Auf einer Pressekonferenz hatte sie erklärt, dass es sich um eine aus dem Ausland gerichtete Strategie handele, die mit rechten Netzwerken in Verbindung stehe.
Sheinbaum sagte, dass junge Menschen in Mexiko teils berechtigte Forderungen stellten, betonte aber ebenso, dass herausgefunden werden müsse, wer hinter der Mobilisierung stecke. Laut Regierungsberichten wurden für die Kampagne im Oktober und November umgerechnet über 4,2 Millionen Euro ausgegeben, was gegen eine spontane Bewegung spreche.
Miguel Ángel Elorza Vázquez, Koordinator der Organisation Infodema, die zu Fake News und Desinformationskampagnen arbeitet, legte einen Bericht vor, dem zufolge die Gelder für die Kampagne von Social Media Konten aus den USA, Spanien und Bolivien organisiert wurden. Das Atlas Network, ein neoliberaler Thinktank, soll mit der Mobilisierung in Verbindung stehen, genauso wie konservative nationale Akteure wie Expräsident Vicente Fox und verschiedene Unternehmer:innen.
Fox und andere Beschuldigte wiesen die Vorwürfe zurück. Eine unabhängige Überprüfung der Darstellung der Regierung steht indes noch aus.
Offenbar sollen die Proteste fortgesetzt werden. In einem am Sonntag auf dem X-Account von Generación Z México verbreiteten Aufruf heißt es, der Marsch werde am 20. November "wiederholt". "Mexiko ergibt sich nicht. Mexikaner beim Kriegsschrei. Gen Z ergibt sich nicht", heißt es dort.

