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Bandenkrieg auf Haiti hinterlässt Flüchtlinge und Tote

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In der Hauptstadt Haitis fordern Angehörige Gerechtigkeit für die getöteten Zivilisten
In der Hauptstadt Haitis fordern Angehörige Gerechtigkeit für die getöteten Zivilisten

Port-au-Prince. Ein seit mehr als einer Woche laufender Bandenkrieg in einigen Stadtteilen der Hauptstadt Haitis, Port-au-Prince, hinterlässt bisher mindestens 20 getötete Zivilisten. Die gewalttätige Auseinandersetzung ereignet sich zwischen den Gruppierungen 400 Mawozo und Chen Mechan.

Organisationen und Bürger der betroffenen Stadtteile berichten von Morden, Brandlegung an Häusern, Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen sowie zahlreichen Flüchtenden.

Die Hälfte der Geflüchteten bewege sich hauptsächlich in Richtung anliegender Nachbarschaften zu Familienmitgliedern oder Freunden. Die andere Hälfte ziehe in von Behörden oder multilateralen Organisationen vorbereitete Lager oder in informelle Siedlungen. Außerdem seien mehrere Familien in ihren Häusern eingeschlossen.

Zum Schutz der Zivilisten verteilte die Stadt etwa 50 bewaffnete Polizisten in den Gegenden, die weitere Schießereien jedoch nicht aufhalten konnten. Sie hätten jedoch nach Polizeiangaben am vergangenen Dienstag, "drei Mitglieder von 400 Mawozo eliminiert".

Laut dem lokalen Zivilschutz könnte durch die bewaffneten Auseinandersetzungen der Zugang von Port-au-Prince zu den Hauptverkehrstraßen des Landes blockiert werden. Dadurch wäre die Hauptstadt vom Rest des Landes isoliert.

Der Bandenkrieg ist eine weitere Stufe in einer zunehmend außer Kontrolle geratenen Gewaltspirale seit der Ermordung des Präsidenten Jovenel Moïse im Sommer letzten Jahres. Bereits im Herbst 2021 blockierte die radikale Gruppierung G9 die Treibstoffversorgung der Hauptstadt für eine Woche (amerika21 berichtete). Ebenfalls im Herbst erlangte 400 Mawozo zudem internationale Aufmerksamkeit durch die Entführung einer 17-köpfigen Gruppe US-amerikanischer Missionare sowie der Entführung von französischen Staatsbürgern im April.

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