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Peru und Bolivien nehmen diplomatische Beziehungen mit Westsahara wieder auf

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Die Regierung von Pedro Castillo in Peru hat die Beziehungen zur Demokratischen Arabischen Republik Sahara wieder aufgenommen
Die Regierung von Pedro Castillo in Peru hat die Beziehungen zur Demokratischen Arabischen Republik Sahara wieder aufgenommen

Lima. Sowohl Bolivien als auch Peru haben ihre diplomatischen Beziehungen mit der Demokratischen Arabischen Republik Sahara wieder aufgenommen. Dies gaben das bolivianische, das peruanische und das saharauische Außenministerium bekannt.

Damit solidarisieren sich die neuen Linksregierung mit einer Befreiungsbewegung in Afrika und setzt auch ein Zeichen gegen die US-Politik im Maghreb.

Nach dem Ende des Faschismus in Spanien im Jahr 1975 entließ die Regierung in Madrid – unter anderem auf Drängen der Vereinten Nationen – die vormalige spanische Kolonie Spanisch-Sahara (Sahara Español) in die Unabhängigkeit. Saharauische Politiker riefen daraufhin die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) aus. Das benachbarte Königreich Marokko besetzte jedoch große Teile des Gebiets – zunächst gemeinsam mit Mauretanien – und annektierte die Territorien als neue Südprovinzen.

Eine militärische Konfrontation zwischen der marokkanischen Armee und der Befreiungsfront Polisario zog sich bis Ende der 1980er Jahre und endete in einem Patt. Den Waffenstillstand zwischen beiden Seiten beobachten seit 1991 unter anderem Truppen aus Argentinien, Ecuador, El Salvador, Honduras, Mexiko und der Dominikanischen Republik unter dem UN-Mandat Minurso (Mission der Vereinten Nationen für das Referendum in Westsahara).

Marokko kontrolliert seit 30 Jahren große Teile der Küste und die Polisario lediglich einige Gebiete im Hinterland. Die DARS-Regierung zog 1991 aus Tindouf in Algerien nach Tifariti und 2008 nach Bir Lehlou um – letztere beiden Städte liegen in den von Marokko befreiten saharauischen Gebieten.

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Die marokkanische Regierung bemüht sich seit einigen Jahren darum, dass die völkerrechtswidrige Annektion der Westsahara international anerkannt wird. Als erste Regierung überhaupt tat dies die US-Regierung unter Donald Trump im Januar dieses Jahres.

Zum ersten Mal hatte Bolivien 1982 unter dem linken Präsidenten Hernán Siles Zuazo die Unabhängigkeit der Westsahara anerkannt. Im Falle Peru wurden die Beziehungen im Jahr 1984 während der zweiten Amtszeit des liberalen Präsidenten Fernando Belaúnde Terry etabliert. Die peruanischen Beziehungen zur DARS hielten jedoch nicht lange: Präsident Alberto Fujimori, der sich 1992 durch einen Selbst-Coup diktatorische Vollmachten gesichert hatte, ließ während seiner Amtszeit die Beziehungen zur Westsahara im Jahr 1996 wieder einfrieren. Im Falle Boliviens erfolgte die Beendigung der diplomatischen Beziehungen zur DARS im Januar vergangenen Jahres unter der Putschregierung von Jeanine Áñez.

Auf dem afrikanischen Kontinent unterhält die Demokratische Arabische Republik Sahara die meisten diplomatischen Beziehungen zu Staaten in Lateinamerika. Die DARS pflegt offizielle Beziehungen und unterhält unter anderem Botschaften in Mexiko, Kuba und Venezuela. Die derzeit schon bestehende inoffizielle Mission in der peruanischen Hauptstadt Lima wird wahrscheinlich demnächst zu einer Botschaft aufgewertet.

Unterstützung für die marokkanische Position in der Westsahara wiederum signalisierten in der Vergangenheit die Regierungen Haitis, Guatemalas, Kolumbiens, Paraguays und Surinams. Haiti eröffnete im vergangenen Dezember sogar ein Konsulat in den von Marokko annektierten saharauischen Gebieten.

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