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Studie hinterfragt Nutzen von Palmölplantagen für Kleinbäuer:innen in Mexiko

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Eine neue Studie analysiert die Situation der Palmölproduktion in Mexiko
Eine neue Studie analysiert die Situation der Palmölproduktion in Mexiko

Mexiko-Stadt/Berlin. Eine aktuelle Studie über den Palmölsektor in Mexiko analysiert kritisch, ob Ölpalmen auch dann eine nachhaltige Einkommensquelle für Kleinbäuer:innen sein werden, wenn die staatliche Förderung dieses Sektors entfällt. Die Studie wurde gemeinsam von Ceccam (Centro de Estudios para el Cambio en el Campo Mexicano) der Universität Greifswald und México via Berlín e.V. erarbeitet.

In der vorliegenden Studie wurden 62.057 Hektar Ölpalmenplantagen kartiert. Das sind 57 Prozent der offiziell registrierten angebauten Fläche. Staatliche und private Akteure des mexikanischen Palmöl-Sektors vertreten die Ansicht, dass dieser sich zu einem zentralen wirtschaftlichen Bereich im Land entwickeln kann. Während die Anbaufläche nur knapp 102.000 Hektar umfasst (Stand 2019), werden mehrere Millionen Hektar als geeignet für zukünftige Pflanzungen betrachtet. Die Studie bestätigte, dass Ölpalmenplantagen bevorzugt auf ebenen Flächen mit weniger als einem Prozent Neigung und über 1.800 mm Niederschlägen pro Jahr etabliert werden, woraus sich eine Konkurrenz um die Ressourcen Wasser und Land ergibt.

Aufgrund internationaler Erfahrungswerte lasse die angestrebte Ausweitung der Anbaufläche auf Millionen von Hektar lokale Konflikte befürchten. Die Autor:innen der Studie stellten zudem fest, dass sich 40 Prozent (23.358 Hektar) der kartierten Fläche auf Territorien mit Gemeinschaftseigentum befinden, unter anderem in 15 indigenen Gemeinden von Chol- und Tzeltal-Ethnien in Chiapas und Nahuatl in Veracruz. Ferner verläuft die Streckenführung des umstrittenen Zugprojekts "Tren Maya" in den Bundesstaaten Campeche, Chiapas und Tabasco durch einige der wichtigsten Ölpalmenanbaugebiete des Landes. Eine gute Verkehrsanbindung der Plantagen könnte die Ausbreitung solcher Plantagen weiter begünstigen.

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Obwohl die Ölpalme nicht zu den Nutzpflanzen des mexikanischen Bundesprogramms für eine nachhaltige ländliche Entwicklung (Sembrando Vida) zählt, zeigt die Studie auf, dass viele Gebiete mit Ölpalmplantagen sich mit den Gebieten decken bzw. überschneiden, in denen es zur Anwendung kommt. Zum Teil wurde berichtet, dass einige Gemeinden bewaldete Flächen abgeholzt haben, um anschließend eine Teilnahme an Aufforstungsprogrammen im Rahmen von Sembrando Vida zu beantragen.

Für 5.400 Hektar konnte die Studie durch Auswertung von Satellitenbildern aus den Jahren 2014 bis 2019 konkret nachweisen, dass Wald zugunsten von Ölpalmen abgeholzt wurde. Ferner wurden 4.022 Hektar Plantagen in zwei Naturschutzgebieten von Chiapas entdeckt.

Die Autor:innen hinterfragten auch das Argument, der Ölpalmenanbau würde eine stabile Einkommensquelle für Kleinbäuer:innen darstellen. Perspektivisch bleibe abzuwarten, wie lange sich die derzeitige Preisstabilität und Wirtschaftlichkeit halten kann, da diese eng mit der staatlichen Förderung dieses Sektors zusammen hängt. Unter Berücksichtigung der Standortbedingungen in Campeche, Chiapas, Tabasco und Veracruz wurden in der Studie für diese vier Bundesstaaten andere landwirtschaftliche Kulturen identifiziert, die Kleinbäuer:innen ein noch besseres Einkommen als Ölpalmen und ebenfalls Preisstabilität bieten könnten.

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