Mexiko / Menschenrechte

Mexiko: Militärs wegen Massaker von Tlatlaya erneut in Untersuchungshaft

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Mexikanische Soldaten sollen für das Massaker von Tlatlaya verantwortlich sein, bei dem 22 Zivilisten umgebracht wurden
Mexikanische Soldaten sollen für das Massaker von Tlatlaya verantwortlich sein, bei dem 22 Zivilisten umgebracht wurden

Mexiko-Stadt. Die mexikanischen Behörden haben sieben Soldaten festgenommen, die für das Massaker von Tlatlaya im Bundesstaat Estado de México schon einmal in Haft waren. Die Menschenrechtsorganisation Centro Prodh begrüßte die Verhaftung der mutmaßlichen Täter und betonte, dass dieser Schritt der Ausdauer der Angehörigen der Opfer und den Überlebenden zu verdanken sei. Die Haftbefehle wurden im Oktober 2019 von einem Gericht erwirkt, nachdem die Opfer gegen den Entscheid der Behörden, die Soldaten freizulassen, erfolgreich geklagt hatten.

Erst rund 18 Monate später wurden die Haftbefehle gegen die Militärs nun ausgeführt. Centro Prodh betont, dass jetzt "explizit" festgestellt werden müsse, wie viele Opfer der Militäreinsatz in Tlatlaya hinterlassen habe. Auch die Befehlskette sollte Teil der Untersuchungen werden.

Am 30. Juni 2014 wurde in Tlatlaya bei einer Konfrontation zwischen mutmaßlichen Angehörigen einer Mafiagruppierung und Militärs 22 Zivilpersonen getötet, ein Soldat wurde verletzt. Ein Bericht der Nationalen Menschenrechtskommission CNDH ergab, dass mindestens 15 der 22 Getöteten von den Militärs hingerichtet wurden. Zudem erinnerte das Centro Prodh daran, dass nach eigenen Recherchen die Hinrichtungen befohlen wurden: Die Soldaten, die in Tlatlaya intervenierten, hätten den Befehl erhalten, "in Stunden der Dunkelheit umzulegen", ohne dass diese Befehlskette bisher gründlich untersucht worden sei.

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Das Massaker von Tlatlaya ist eines der zahlreichen Staatsverbrechen der jüngeren Vergangenheit, darunter Folter und außergerichtliche Hinrichtungen, die in Mexiko weiterhin auf Aufarbeitung warten. Inzwischen mehren sich Hinweise auf neue Hinrichtungen auch während der Regierung von Andrés Manuel López Obrador. Dieser hatte versprochen, dass die Streitkräfte keine Menschenrechtsverletzungen mehr begehen würden, ihnen jedoch gleichzeitig immer weiterreichende Machtbefugnisse gibt.

Seit November 2019 und bis zum 10. März war beispielsweise das 21. motorisierten Kavallerieregiment mit Sitz in Nuevo Laredo, Tamaulipas, "für mindestens zwölf außergerichtliche Hinrichtungen gegen unbewaffnete Zivilisten verantwortlich", prangert Raymundo Ramos, Präsident des Menschenrechtskomitees von Nuevo Laredo (CDHNL) an. López Obrador ordnete mehrmals Untersuchungen dieser Ereignisse an, die jedoch bisher weder untersucht oder bestraft wurden.

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