Kuba / Soziales

Südafrikanische Corona-Variante in Kuba aufgetaucht

Kuba meldet erstmals vierstelliges Niveau bei den Neuinfektionen. Südafrikanische Variante festgestellt. Erste Impfstoffe kurz vor der Marktreife

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Die Corona-Lage in Kuba verschärfte sich zuletzt wieder. Jetzt gibt es neue Maßnahmen und Einschränkungen
Die Corona-Lage in Kuba verschärfte sich zuletzt wieder. Jetzt gibt es neue Maßnahmen und Einschränkungen

Havanna. Angesichts weiter steigender Fallzahlen und des Auftretens der Mutation aus Südafrika hat das sozialistische Kuba neue Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ergriffen. Wie die Gesundheitsbehörden bekanntgegeben haben, werden aufgrund der "nationalen, regionalen und internationalen epidemiologischen Situation" ab dem 6. Februar die Flugverbindungen weiter reduziert und die Quarantäneprotokolle für ankommende Besucher verschärft (amerika21 berichtete). Mit 1.012 Neuinfektionen erreichten die Corona-Zahlen der Insel am Samstag zum ersten Mal ein vierstelliges Niveau. Ende Januar wurde bei ankommenden Reisenden erstmals die südafrikanische Variante des Virus festgestellt.

Seit der weitgehenden Lockerung für den Tourismus Ende Dezember stiegen die Corona-Zahlen auf Kuba wieder exponentiell. Trotz des Mitte Januar verhängten "weichen" Lockdowns in vielen Provinzen konnte der Trend bisher noch nicht gebremst werden. In der Mehrzahl der Regionen sind mittlerweile Schulen, Restaurants und öffentliche Einrichtungen wieder geschlossen. Gottesdienste und Feste jeder Art sind untersagt, der Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum verboten. In Havanna und anderen Provinzen mit vergleichbarer Inzidenz gilt ab Freitag 21 Uhr eine nächtliche Ausgangssperre. Anders als im April vergangenen Jahres wird die wirtschaftliche Aktivität des Landes jedoch weitgehend aufrechterhalten. Boulevards und Geschäfte sind weiterhin stark frequentiert und der ÖPNV wird bis 21 Uhr beibehalten, um Berufspendlern das Fortkommen zu ermöglichen.

Am 22. Januar wurde in Kuba erstmals die deutlich infektiösere südafrikanische Mutante des Virus bei Stichproben von ankommenden Passagieren nachgewiesen. Wie weit sich die Variante bereits auf Kuba verbreitet hat ist noch nicht bekannt, soll jedoch durch gezielte Stichproben systematisch untersucht werden. Bereits seit dem 10. Januar müssen ankommende Besucher einen negativen PCR-Test mitbringen. Jetzt hat die Regierung die Reißleine gezogen und versucht, die internationalen Besucherströme auf ein Minimum zu beschränken, wobei der klassische Sonne-und-Strand Tourismus davon möglichst wenig betroffen werden soll.

Der Bus- und Zugverkehr zwischen den Regionen ist weitgehend eingestellt. Das stärkste Infektionsgeschehen herrscht derzeit in der Hauptstadt Havanna, gefolgt von Santiago de Cuba und Guantánamo. Die 15-Tage-Inzidenz stieg von zehn Fällen pro 100.000 Einwohner zum Jahreswechsel auf mittlerweile 82 an. Mit 0,87 Prozent liegt die Sterblichkeitsrate auf Kuba weiterhin deutlich unter dem regionalen und internationalen Durchschnitt. Seit Beginn der Pandemie sind auf der Insel 214 Personen an den Folgen des Virus gestorben, 68 von ihnen in diesem Jahr.

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Hoffnung macht indes die Erprobung der vier kubanischen Impfstoffkandidaten. Als erstes und bisher einziges Land in Lateinamerika ist es Kuba gelungen, eigene Vakzine gegen das Coronavirus zu entwickeln. Der aussichtsreichste Kandidat, "Soberana 02", wird derzeit im Rahmen eines Abkommens mit dem Pasteur-Institut im Iran und Kuba getestet. Er wurde vom Finlay-Institut für Impfstoffentwicklung in Havanna entwickelt. An der laufenden Phase-III-Studie sollen mehr als 150.000 Personen teilnehmen. Das vom Zentrum für Genetik und Biotechnologie (CIGB) entwickelte Vakzin "Abdala" startete jüngst in die zweite der drei Studienphasen. "Soberana 01" und der ebenfalls vom CIGB stammende "Mambisa" Impfstoff werden weiter erprobt. Alle vier Vakzine zählen zu den sogenannten proteinbasierten Impfstoffen

Laut Berichten der Parteizeitung Granma verläuft auch die Anwendung des in Kuba entwickelten monoklonalen Antikörpers "Itolizumab" zur Behandlung von Corona-Pantienten vielversprechend. Mit dem entzündungshemmenden Mittel, das inzwischen auch in Brasilien und den USA erprobt wird, soll die Häufigkeit von schweren Krankheitsverläufen reduziert werden. Darüber hinaus wird ankommenden Besuchern angeboten, präventiv den nasal verabreichten Immunmodulator "Nasalferon" zu applizieren, der Ergebnis der seit vielen Jahrzehnten betriebenen Interferon-Entwicklung auf Kuba ist. Zuletzt hatte das Land Ende Januar die klinischen Behandlungsrichtlinien für Corona-Patienten auf den neuesten Stand der Forschung gebracht.

Kuba plant, seine Bevölkerung in diesem Jahr vollständig zu immunisieren. Wenn die Studien weiterhin gut vorankämen, könne die Impfkampagne bereits im April beginnen, erklärte der Leiter des staatlichen Pharmakonzerns BioCubaFarma. Mit der Produktion von 100 Millionen Dosen "Sobarana 02" soll darüber hinaus bis zum Ende des Jahres auch genügend Kapazität für den Export in andere Entwicklungs- und Schwellenländer verfügbar sein. Bisher meldeten Venezuela, Indien, Iran und Vietnam Interesse am Erwerb des Impfstoffs an.

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