Brasilien: Fußball-Ultras und Parlamentarier gegen Präsident Bolsonaro

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Protest antifaschistischer Fußball-Fans gegen Jair Bolsonaro am 31. Mai in São Paulo.
Protest antifaschistischer Fußball-Fans gegen Jair Bolsonaro am 31. Mai in São Paulo.

Brasília/São Paulo. Im Zuge der innenpolitischen Krise in Brasilien haben sich nun sowohl Politiker als auch Fußballfans unterschiedlicher Lager gegen den rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro verbündet. Am vergangenen Wochenende demonstrierten Ultras verschiedener Fußballvereine gegen den Staatschef, auch im Kongress regt sich Widerstand.

Namhafte Politiker linker bis konservativer Parteien haben ihre Unterstützung für ein "breites demokratisches Bündnis" erklärt. Angesichts der zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen der Regierung Bolsonaro und dem Parlament sowie der Justiz sei eine Zusammenarbeit über ideologische Grenzen hinweg nötig, um eine Diktatur zu verhindern. Damit reagieren sie auf den zunehmend autoritären Stil Bolsonaros, sich über Justizentscheidungen hinwegzusetzen und die demokratischen Institutionen zu missachten. Sie kritisieren, dass er Proteste unterstützt, die eine Schließung des Parlaments verlangen und einen Militärputsch fordern.

Der konservative Präsident des Abgeordnetenhauses, Rodrigo Maia von der Demokratischen Partei (Democratas, DEM), sympathisiert Medienberichten zufolge mit der Idee eines parteiübergreifenden Bündnisses, obwohl er bisher die direkte Auseinandersetzung mit Bolsonaro vermieden hat. Maia muss in den kommenden Monaten über die Zulassung von 35 Anträgen zur Amtsenthebung Bolsonaros entscheiden.

Die kommunistische Abgeordnete Perpétua Almeida verteidigte die Idee, mit den Parteien des Mitte-Rechts-Spektrums zu kooperieren. "Nur wenn wir uns zusammentun, können wir den Faschismus bekämpfen. Wir müssen auch mit jenen reden, die anders denken als wir", so Almeida. Auch der Liberale Marcelo Ramos hält das Bündnis für dringend nötig, um dem politischen Block Centrão, der mit Bolsonaro kooperiert und seine Amtsenthebung ablehnt, ein Angebot zu machen. "Der Kongress muss sich von jedem Flirt mit dem Autoritarismus distanzieren. Das Centrão darf nicht mithelfen, die Befugnisse des Kongresses oder des Obersten Gerichtshofes zu beschneiden", so Ramos. Der frühere Parteichef der Arbeiterpartei, José Dirceu, geht davon aus, dass die Unterstützung des Centrão für den rechten Staatschef bröckeln wird. Dies sei der Fall, wenn dessen Umfragewerte sinken, so Dirceu gegenüber der Berliner Solidaritätsgruppe Lula Livre.

Währenddessen demonstrierten am Sonntag landesweit Fußball-Fans gegen die Regierung Bolsonaro und riefen zur Verteidigung der Demokratie auf. Die Fangruppen der größten Fußballvereine des Landes, Corinthians aus São Paulo und Flamengo aus Rio de Janeiro, hatten zu den Protesten aufgerufen, denen sich weitere Fangruppen anschlossen. Anhänger rivalisierender Clubs demonstrierten lautstark und zusammen gegen Bolsonaro. Tausende gingen auf die Straße und warfen dem Präsidenten "faschistische Politik" und die Nähe zu den paramilitärischen Milizen von Rio de Janeiro vor. In São Paulo kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anhängern Bolsonaros. Dabei setzte die Polizei massiv Tränengas und Gummigeschosse gegen die Regierungsgegner ein.

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