Kolumbien / Soziales

Kolumbien verhängt Ausgangssperre im Kampf gegen Coronavirus

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Quarantäne angeordnet: Kolumbiens Präsident Duque bei seiner Ansprache am Freitag (Screenshot)
Quarantäne angeordnet: Kolumbiens Präsident Duque bei seiner Ansprache am Freitag (Screenshot)

Bogotá. Nach Peru und Argentinien hat nun auch Kolumbien ab dem heutigen Dienstagabend eine landesweite Quarantäne angeordnet. Diese gilt vorerst bis zum 13. April, verkündete Präsident Iván Duque am Freitag in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung. Damit reagierte die Regierung auf die steigende Anzahl der Coronavirus-Infektionen. Das Gesundheitsministerium bestätigte am Freitag 13 neue Fälle, neun davon in der Hauptstadt Bogotá. Die Zahl der Infizierten steigt damit nach offiziellen Angaben auf 231.

Am Wochenende starben die ersten beiden Menschen an der Viruserkrankung Covid-19. Die Ankündigung der Ausgangssperre erfolgte nur wenige Minuten, nachdem das Gesundheitsministerium die neuen Infektionsfälle bestätigt hatte.

Die Regierung Duque hatte bereits am Dienstag den Ausnahmezustand ausgerufen und verordnete die Schließung aller Land-, Fluss- und Seegrenzen. Ab Montag wurden zudem "alle internationalen Passagierflüge für einen Zeitraum von 30 Tagen auf den Flughäfen des Landes verboten".

Während der landesweiten Ausgangssperre ist die Bevölkerung angehalten, die Wohnungen nur noch für dringende Einkäufe und Arztbesuche zu verlassen. Laut Duque soll die Quarantäne die Bürger schützen und gleichzeitig "die Versorgung mit Lebensmitteln, den Zugang zu Medikamenten und grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen sowie die für das Funktionieren der Gesellschaft unverzichtbaren Leistungen" garantiert werden. Ausgenommen von der Ausgangssperre seien medizinisches Personal, Sicherheitskräfte und Angestellte von Apotheken und Supermärkten.

Eine mehrwöchige Quarantäne ist für weite Teile der kolumbianischen Gesellschaft indes nicht selbstverständlich möglich. Unklar ist, wie mehr als die Hälfe der Bevölkerung, die im informellen Sektor tätig und auf tägliche Einnahmen im Straßenverkauf angewiesen ist, die Ausgangssperre ohne finanzielle Rücklagen überstehen wird. Viele der Betroffenen leben bereits in prekären Arbeits- und Wohnsituationen und haben keinen gesicherten Zugang zu Kranken- oder Arbeitlosenversicherungen.

Auch Tausende wohnungslose Menschen, darunter viele Geflüchtete aus Venezuela, sind der weiteren Verbreitung des Coronavirus schutzlos ausgesetzt.

In Gefängnissen protestierten die Insassen aus Angst vor einem Ausbruch des Virus gegen die katastrophalen hygienischen Bedingungen. Die Aufstände forderten mindestens 23 Tote (amerika21 berichtete).

Zuvor waren die staatlichen Maßnahmen im Kampf gegen Corona als wirkungslos kritisiert worden. Die Regierung verhängte zunächst nur eine Ausgangssperre für Personen über 70 Jahren bis Ende Mai. Daraufhin protestierten Menschen mit dem sogenannten Cacerolazo (Topfschlagen aus Protest) von ihren Fenstern aus gegen die ohnehin unbeliebte Regierungspartei.

Mit der neuen landesweiten Regelung erhofft sich die Regierung Duque nun einen Erfolg im Kampf gegen das Virus und einen Anstieg der Zustimmungsrate bei aktuellen Umfragen.

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