Venezuela / Wirtschaft

Trotz Sanktionen: Joint Ventures in Venezuela nehmen Erdölproduktion wieder auf

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Petromonagas, das Joint Venture mit der russischen Rosneft, und Petrocedeño nehmen den Betrieb wieder auf
Petromonagas, das Joint Venture mit der russischen Rosneft, und Petrocedeño nehmen den Betrieb wieder auf

Caracas. Venezuela wird die Erdölproduktion im Orinoko-Ölgürtel in zwei Joint Ventures fortsetzen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Demnach werden Petrocedeño, das von der staatlichen venezolanischen Erdölgesellschaft PdVSA gemeinsam mit Total (Frankreich) und Equinor (Norwegen) betrieben wird, und Petromonagas, ein Joint Venture mit der russischen Rosneft, im Mai bzw. Juli die Arbeit wieder aufnehmen.

Beide Unternehmen hatten schwere Aufbereitungsanlagen für Rohöl im Einsatz. Deren Arbeit wurde im vergangenen Jahr eingestellt, da sich die Vorräte wegen der im Januar 2019 verhängten US-Sanktionen angehäuft hatten. Zu der Zeit lieferte Venezuela 500.000 Barrel pro Tag (bpd) an US-Raffinerien.

Die Anlagen werden in Mischanlagen umgebaut, um das von den asiatischen Märkten bevorzugte Merey 16 zu produzieren, eine Mischung aus extraschwerem Rohöl mit Verdünnungsmitteln.

Die Ankündigungen erfolgten nach einer neuen Welle von Sanktionen und Drohungen des US-Finanzministeriums gegen die Ölindustrie Venezuelas. Nach Finanzsanktionen gegen PdVSA im August 2017 und einem Erdölembargo im Januar 2019 verhängte Washington im August 2019 ein generelles Verbot aller Geschäfte mit venezolanischen Staatsunternehmen.

Die Präsidialverordnung vom August autorisierte auch Sekundärsanktionen gegen dritte Akteure, die geschäftlich mit Caracas zu tun haben. Nach mehrfachen Drohungen sanktionierte die US-Regierung Rosneft wegen ihrer Käufe von venezolanischem Rohöl. Da die Strafmaßnahmen Käufer vertrieben hatten, kaufte Rosneft Berichten zufolge bis zu 60 Prozent der Produktion des Landes auf und leitete sie an andere Bestimmungsorte weiter.

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Das gemeinsam mit Chevron betriebene Petropiar-Projekt, das im vergangenen Jahr in eine Mischanlage umgewandelt worden war, arbeitet seit Januar wieder als Aufbereitungsanlage. Chevron wurde vom US-Finanzministerium immer wieder von den Sanktionen befreit, um den Betrieb in Venezuela fortzusetzen.

Neben den Auswirkungen der US-Sanktionen leidet Venezuelas Erdölindustrie auch unter Korruption, mangelnder Wartung, Abwanderung von Fachkräften und fehlenden Investitionen. Die Produktion ist von durchschnittlich 1,911 Millionen bpd und 1,354 Millionen bpd in den Jahren 2017 und 2018 auf 793.000 im Jahr 2019 zurückgegangen.

Präsident Nicolás Maduro hat kürzlich eine ihm direkt unterstellte Kommission zur Umstrukturierung der Ölindustrie eingesetzt. Diese hat den Rücktritt aller Vizepräsidenten des Unternehmens gefordert. Der Leiter der Schmierstoffabteilung des Unternehmens, Oscar Aponte, wurde Meldungen zufolge am vergangenen Mittwoch wegen mutmaßlicher Korruption verhaftet. In einer Erklärung wirft die Präsidialkommission Aponte vor, in Schmuggel und Bestechungsgelder für überteuerte Verträge verwickelt zu ein.

Am Freitag wurde Oswaldo Vargas, Präsident der Tochtergesellschaft PDV Marina, festgenommen, Die Reederei ist für den See- und Flusstransport von Erdöl zuständig. Außerdem wurde die Besatzung des Tankers Negra Hipólita wegen mutmaßlichen Treibstoffschmuggels in Untersuchungshaft genommen.

Am 2. März waren auch zwei Angestellte der Versorgungs- und Handelsabteilung von PDVSA verhaftet worden. Aryenis Torrealba und Alfredo Chirinos werden des "Vaterlandsverrats" und der Weitergabe vertraulicher Informationen an die US-Regierung beschuldigt.

Der Fall hat Empörung bei Verwandten und bei Basisbewegungen ausgelöst, die erklären, dass die beiden wegen ihrer Bemühungen um die Beseitigung der Korruption in der Erdölindustrie ins Visier genommen wurden. Eine politische Kampagne fordert ihre sofortige Freilassung

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