Mexiko: Indigenes Forum setzt auf Information und Selbstorganisation

Vernetzungstreffen in Chiapas. Gemeinden sind mit zunehmenden Eingriffen in ihren Territorien konfrontiert. Austausch über Widerstandsformen

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Plakat zum Forum in Chiapas
Plakat zum Forum in Chiapas

San Cristóbal de las Casas. Im zapatistischen Caracol Jacinto Canek im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas hat ein zweitägiges "Forum zur Verteidigung des Territoriums und der Mutter Erde" (Foro en Defensa del Territorio y la Madre Tierra) stattgefunden. Vertreter aus mehr als 30 Gemeinden aus 24 Bundesstaaten sowie weitere nationale und internationale Interessierte folgten der Einladung des Nationalen Indigenen Kongress (CNI), des Indigenen Regierungsrates (CIG) und der Zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN), um sich über Ausbeutungs- und Widerstandsformen im von ihnen sogenannten kapitalistischen Krieg auszutauschen. Das autonome Verwaltungszentrum Jacinto Canek befindet sich auf dem Gelände der Universidad de la Tierra (Cideci) in San Cristóbal de las Casas und ist eines von sieben neuen Verwaltungszentren, durch dessen Benennung die EZLN im August dieses Jahrs ihren Einflussbereich ausgeweitet hat.

In der Ankündigung zum Forum wurde das Ziel des Treffens klar formuliert: Es ging um die Analyse der Auswirkungen von groß angelegten Projekten in den Bereichen Bergbau, Ölförderung, von Bau von Staudämmen, Autobahnen sowie umTourismus-Großprojekte auf ihren Gebieten. Ein aktuelles Beispiel ist der geplante "Tren Maya". Das größte Infrastrukturprojekt des seit gut einem Jahr regierenden Präsidenten Andrés Manuel López Obrador (Amlo) soll die Eisenbahnstrecke entlang historischer Stätten und aktueller Ortschaften der Maya erneuern. Es wird von indigenen Gruppierungen, die direkt oder indirekt von dem Ausbau betroffen wären, kritisiert, da ihre improvisierte Konsultation die von Mexiko ratifizierte ILO-Konvention 169 über indigene Rechte verletzt.

Der erste Tag des Forums stand ganz im Zeichen der Erfahrungsberichte von Vertretern aus ganz Mexiko, die über ihre Herausforderungen mit kapitalistischen Großprojekten, die in den letzten Jahrzehnten ihre Lebensweisen bedroht haben, berichteten.

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Ein Fallbeispiel der Wasserverschwendung aus Mexiko-Stadt zeigte einmal mehr, dass die Probleme nicht mehr nur ausschließlich die Bevölkerung in ländlichen Regionen des Landes betreffen. Im wohlhabenden Stadtteil Coyoacán der Hauptstadt gehen durch ein Rohrleck in einer Straße jede Sekunde 60 Liter Wasser verloren. Hochgerechnet würde die Wassermenge, die dort täglich verloren geht, reichen, um 15.000 Menschen einen Tag mit Wasser zu versorgen. In der urbanen Region herrscht seit Jahren Wasserknappheit. Zudem wies eine Initiative nach, dass das austretende Wasser Trinkwasserqualität hat. Die Betreiberfirma "Quiero Casa" reagierte gleichgültig auf entsprechende Hinweise der lokalen Bevölkerung.

Die vielen Beiträge der Betroffenen wurden in unterschiedlichen Sprachen übermittelt. Was alle gemeinsam hatten, war das gemeinschaftliche Gefühl einer "würdigen Wut". Die Beiträge betonten die Wichtigkeit des Sich-Informierens und -Organisierens. Mehrere Teilnehmer gaben an, von Dorf zu Dorf zu gehen, um die Anwohner zu informieren, alternative Informationskampagnen zu organisieren, um klar zu machen, dass sie die jeweiligen Megaprojekte in ihrer Region stoppen wollen. Für viele gelten die zapatistischen Gemeinden in Chiapas als Vorbild. Sie haben sich zum Ende der 1990er die Forderung des Revolutionshelden Emiliano Zapata nach Land und Freiheit zu eigen gemacht. Seitdem weiten sie ihre autonomen Regierungsbezirke immer weiter aus, gründen Kooperativen, um ihre eigenen Produkte herzustellen und diese national und international zu vertreiben.

Zum Abschluss des Forums kamen die Teilnehmenden überein, ein selbsterhaltendes Parallelsystem zum herrschenden kapitalistischen System auszubauen und ihre Gebiete somit zu verteidigen. Der Kapitalismus verbirgt sich aus ihrer Sicht hinter vielen transnationalen und nationalen Firmen, der Regierung auf allen staatlichen Ebenen und den Gruppen des organisierten Verbrechens. Zudem sei er Verursacher des Klimawandels und basiere auf der Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Dem wollten sich alle durch das Forum in Chiapas entgegenstellen.

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