Chile / Wirtschaft / Soziales

Arbeitsmarktreform in Chile provoziert Streiks

Dachverbände und Kupferminenarbeiter rufen zu landesweitem Streik auf. Kampf um das Recht auf Branchentarifverträge

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Eine der Forderungen der Kupferminenarbeiter besteht in der Renationalisierung der Kupferminen
Eine der Forderungen der Kupferminenarbeiter besteht in der Renationalisierung der Kupferminen

Santiago. Im Vorfeld einer geplanten Arbeitsmarktreform in Chile hat der Dachverband der chilenischen Gewerkschaften (CUT) für den 4. September einen landesweiten Streik anberaumt, um Druck auf die Regierung auszuüben. Neben Angestellten des öffentlichen Sektors haben sich inzwischen auch die Kupferminenarbeiter dem Streikaufruf angeschlossen. Eine ihrer Branchengewerkschaften,  die Föderation der Kupferarbeiter (CTC), appelliert an alle Beschäftigten, an diesem Tag die Arbeit niederzulegen.

Ziel des Streiks ist es nach Angaben der Dachverbandes CUT, auf die Regierung Druck auszuüben, damit die Interessen der Beschäftigten bei der für Oktober geplanten Reform ausreichend berücksichtigt werden. Die chilenischen Gewerkschaften fordern seit langem ein Recht auf kollektive Verhandlungen bei Tarifverträgen. Bisher können nur einzelne Belegschaften ihre Rechte auf innerhalb einzelner Betriebe durchsetzen. Insgesamt wollen die chilenischen Gewerkschaften ihre Rechte stärken und auch das Streikrecht konsequent durchsetzen. Zudem beinhalten die Forderungen des Dachverbandes die Lohngleichheit für Männer und Frauen sowie einen stärkeren Schutz von Leih- und Zeitarbeitern.

Die Entscheidung der CTC, sich dem Streikaufruf der CUT anzuschließen, ist vor allem bemerkenswert, weil sich der Verband, als eine der wichtigsten Organisationen der Kupferarbeiter, erst vor wenigen Jahren vom Dachverband getrennt hatte. Manuel Ahumada, der Vorsitzende der CTC, kritisierte anlässlich des aktuellen Streikaufrufs den aggressiven Diskurs der Unternehmer und wies darauf hin, dass die Reform nur dann strukturelle Veränderungen herbeiführen könne, wenn sie die Belange der Arbeiterinnen und Arbeiter berücksichtige.

"Momentan müssen wir mitansehen, wie die Arbeitsmarktreform auf Basis von Unternehmerinteressen diskutiert wird. Ohne die Miteinbeziehung der Arbeiter verfehlt die Reform ihr Ziel, strukturelle Veränderungen herbeizuführen", so Ahumada.

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Zudem unterstrich der Gewerkschaftler die Bedeutung des Streikrechts und der gewerkschaftlichen Rechte angesichts des niedrigen Organisierungsgrads der chilenischen Arbeiterinnen und Arbeiter. Aufgrund der unzureichenden Arbeiterrechte seien landesweit nur 13 Prozent der Beschäftigten in Gewerkschaften organisiert.

Überdies verlangt die CTC, dass die Kupferminen wieder vollständig verstaatlicht werden. Die Gewinne sollten für eine bessere öffentliche Versorgung im Bildungs-, Gesundheits- und Rentensystem zur Verfügung stehen. Mit dieser Forderung hatten die chilenischen Gewerkschaften in den vergangenen Jahren die landesweiten Bildungsproteste in dem südamerikanischen Land unterstützt.

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