Sinaloa. Das umstrittene Megaprojekt im nördlichen mexikanischen Bundesstaat Sinaloa steht seit dem erneuten Baubeginn 2025 in der Kritik. Indigene Yoreme-Gemeinden, die insbesondere vom Fischfang in den biodiversen Feuchtgebieten der Pazifikküste leben, befürchten die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen. Neben fehlenden Umweltverträglichkeitsprüfungen, unzureichender Konsultation der Anwohner:innen und UN-Berichten über drohende Menschenrechtsverletzungen wird insbesondere ein Unfall bei der hochriskanten Produktion des Kunstdünger-Grundstoffs befürchtet. Die gesamte Bucht wäre betroffen, das Ökosystem würde kollabieren (amerika21 berichtete).
Die Bewegung "¡Aquí no!" ("Hier nicht!") weist seit Monaten auf die entscheidende Rolle deutschen Kapitals bei der Umsetzung des Vorhabens hin. Neben dem hauptverantwortlichen, schweizerisch-deutschen Konzern Proman-AG führte gerade die Finanzierung durch die KfW-Entwicklungsbank zu Protest auch in Deutschland. Am 1. Juli 2026 informierten Delegierte der Organisationen Conexiones Climáticas aus Mexiko, dem Center for International Environmental Law CIEL (USA/ Schweiz) sowie urgewald und Fridays for Future aus Deutschland in einer gemeinsamen Konferenz über die Zerstörung vor Ort und die Beteiligung der deutschen Unternehmen.
Bisher meist unerwähnt bleibt auch die mögliche Mitwirkung von ThyssenKrupp. Der Konzern hatte schon 2023 angekündigt, "neben der UHDE-Lizenz für Ammoniaktechnologie und den firmeneigenen Anlagen auch Ingenieur- und Beschaffungsdienstleistungen" für die Anlage in Topolobampo bereitzustellen. Bereits am 13. Juni 2026 wurde auf dem Potsdamer Platz demonstriert und eine solidarische Brücke zu den anhaltenden Blockaden im betroffenen Territorium geschlagen: Nach einer aktiven Verhinderung des Transports der großen Maschinen besteht seit drei Monaten eine ständige Blockade des GPO-Werks (Gas y Petroquímica de Occidente) durch die indigenen Landrechtsverteidiger:innen.
Ohne Moos nix los
Ihnen gefällt die Berichterstattung von amerika21? Damit wir weitermachen können, brauchen wir Ihre Unterstützung.
Im August 2026 kündigte ihre Bewegung nun eine Fortsetzung der Blockaden an: "Die Haltung der Gemeinden ist unverändert und richtet sich gegen das Projekt von Proman-GPO", erklärte "¡Aquí no!" in einem Communiqué. Die Entscheidung fiel trotz laufender Gespräche mit der Regierung, deren Fortsetzung durch die Gemeinden ebenfalls beschlossen wurde. Gleichzeitig kritisierten sie einen andauernden Zustand bloßer Absichtserklärungen und vor allem unzureichenden Informationszugang. Erst, wenn alle Fakten über Risiken und Planung des Projekts vorliegen würden, sei es möglich, dass "Fachberater:innen, Wissenschaftler:innen und die akademische Welt diese bewerten und feststellen können, ob es sich um Realität oder Fiktion handelt".
Vor drei Tagen erklärten Yoreme ihre Ablehnung der Ammoniakfabrik auch durch ein "historisches Misstrauen gegen die Regierung" – im Juni 1769, genau 257 Jahre vor dem Protest am GPO-Werk und auf dem Potsdamer Platz, hatten sich sechs Mayo-Yoreme-Dörfer gegen den Landraub und die Ausbeutung durch die Kolonialherren erhoben. Heute heißt es von den Sitzblockaden in Topolobampo aus: "Yoreme-Aufstand 1769-2026: Derselbe Kampf, dasselbe Land, dieselbe Würde".

