Venezuela / Europa

Hugo Chávez bilanziert Europa-Rundreise

Am Sonntag kehrte der venezolanische Präsident von einer Rundreise durch mehrere europäische Länder zurück. Die Bilanz fiel überwiegend positiv aus

Caracas. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hatte während seiner einwöchigen Rundreise Russland, Weißrussland, Portugal und Spanien besucht. Während des Besuchs in Russland stand die Rüstungskooperation zwischen beiden Staaten im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Auf einer Pressekonferenz in Moskau erklärte Hugo Chávez, dass dieses Thema von den Medien "überdimensioniert" werde. Neben der technisch-militärischen Zusammenarbeit ständen viele andere Themen auf der Agenda. Vor allem wurden in Moskau neue Verträge über Kooperationen im Energiebereich vereinbart und über russische Investitionen zur Industrieentwicklung verhandelt. Dabei geht es vor allem um die Bereiche Bergbau, Eisenbahnbau und Infrastrukturentwicklung sowie der Entwicklung einer Landwirtschaftsindustrie in Venezuela. Weitere Punkte waren Vorgespräche für die Gründung einer russisch-venezolanischen Entwicklungsbank und ein Austausch im Bereich militärischer Ausbildung. Beide Länder werden eine gemeinsame Kommission gründen, die die geplanten Vertragswerke zeitnah umsetzen soll.

Die russische Nachrichtenagentur RiaNovosti sah die eigentliche Bedeutung des Treffens in der neuen Dimension der Energiekooperation. Die russischen Unternehmen seien im Begriff, die transnationalen US-Ölriesen in Venezuela zu ersetzen. Am 22. Juli unterzeichneten die drei größten russischen Öl- und Gaskonzerne - Lukoil, TNK-BP und Gazprom - mit dem venezolanischen Staatsunternehmen PDVSA ein Abkommen zur Ölsuche im Orinoco-Becken.

In Weißrussland bilanzierten beide Regierungen den bisherigen Verlauf der Energiekooperation, die im Jahr 2006 vereinbart worden war. Von einem gemeinsamen Unternehmen werden bisher täglich 30.000 Barrel Erdöl gefördert. Außerdem informierte Hugo Chávez sich in Weißrussland über Wohnungsbauprojekte und vereinbarte eine Ausbildung von venezolanischen Soldaten bei der Luftverteidigung der weißrussischen Armee.

Auf der nächsten Station der Reise unterzeichneten die Regierungen von Portugal und Venezuela mehrere Verträge über eine Zusammenarbeit auf den Gebieten der wissenschaftlichen Forschung, der Kooperation im Bereich der Kommunikationstechnologie und für die Entwicklung des Gesundheitswesens.

Beim Treffen mit Spaniens Regierungschef José Luís Rodríguez Zapatero wurde ebenfalls eine weitreichende Kooperation im Energiebereich vereinbart. Venezuela wird Spanien mit Erdöl zum Festpreis von 100 USD pro Barrel beliefern und beide Länder werden einen gemeinsamen Entwicklungsfonds gründen. Kern der Kooperation sind außerdem ein Technologietransfer vom staatlichen spanischen Energieunternehmen Repsol sowie weitere spanische Invstitionenen in Venezuela.

Während seines Aufenthaltes in Spanien fand vor allem das Treffen des venezolanischen Präsidenten mit König Juan Carlos ein großes Medienecho. Zwischen dem spanischen König und Hugo Chávez hatte es auf dem Iberoamerika-Gipfel in Chile ein heftiges Wortgefecht gegeben. Beide Seiten betonten, dass dieser Konflikt der Vergangenheit angehöre.

Ein kontroverses Thema auf dem Treffen mit dem spanischen Präsidenten war die Umsetzung der Richtlinien für die Abschiebung von MigrantInnen durch die EU. Hugo Chávez forderte ein Arbeitstreffen für den Schutz der Menschenrechte zwischen dem südamerikanischen Staatenbündnis Unasur und der EU.

Der venezolanische Präsident selber schätzte die Entwicklung der internationalen Beziehungen als positiv ein. "Die Rundreise war sehr erfolgreich in Hinsicht auf das Interesse Venezuelas, eine plurizentrische und pluripolare Weltordnung zu schaffen." erklärte er nach seiner Rückkehr. Venezuela bemüht sich seit einigen Jahren verschiedene regionale Bündnisse zu unterstützen, um einer unipolaren, durch die USA dominierten Weltordnung vorzubeugen. Unter anderem hatte Hugo Chávez auf seiner Rundreise die Schaffung eines südatlantischen Bündnisses vorgeschlagen, dem neben den südamerikanischen Staaten auch Portugal und Spanien angehören sollten. Dieses Bündnis solle jedoch keine militärische sondern eine soziale und wirtschaftliche Integration befördern.


Quellen: ABN, Telesur, Ria Nowosti

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