Lateinamerika verabschiedet Facundo Cabral

Trauerfeier in Buenos Aires. Staatsanwaltschaft in Guatemala hält Hintergründe des Verbrechen für gelöst

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Ankündigung des letzten Konzertes in Quetzaltenango
Ankündigung des letzten Konzertes in Quetzaltenango

Buenos Aires. Am gestrigen Mittwoch verabschiedete sich Argentinien von Facundo Cabral. Der Liedermacher war am Samstag auf dem Weg zum 

Flughafen von Guatemala-Stadt bei einem Hinterhalt erschossen worden. Seine Witwe nahm den Leichnam am Mittwoch um 8:30 (Ortszeit) in Buenos Aires in Empfang, begleitet vom argentinischen Außenminister und mehreren Botschaftern mittelamerikanischer Länder. Die Familie überführte den Sarg zunächst in das Ataneo-Theater, wo sich tausende Argentinier in einer Zeremonie von Facundo Cabral verabschiedeten. Die Staatsanwaltschaft in Guatemala erklärte am heutigen Nachmittag in einer Pressekonferenz, nach der Verhaftung mehrerer Verdächtiger seien die Hintergründe des Überfalls wahrscheinlich aufgeklärt.

Aus ganz Lateinamerika trafen Beileidsbekundungen ein, Künstler, Politiker und Prominente gedachten des Liedermachers. Der Sänger Rubén Blades widmete dem Ermordeten ein mehrstündiges Konzert in der spanischen Hauptstadt Madrid. Der ständige Rat der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hielt eine Schweigeminute zu Ehren Cabrals ab, der im Jahr 1996 zu einem ihrer Friedensbotschafter ernannt worden war. Nicolás Bautista "Gabino", Kommandant der kolumbianischen Guerilla-Organisation ELN, veröffentlichte auf der Homepage der Organisation ein Gedicht und erklärte: "Facundo wird weiter singen, aus Liebe zum Frieden, aus Liebe zum Kampf."

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Unterdessen verhaftete die guatemaltekische Polizei heute drei Personen, die sie beschuldigt, als Auftragsmörder am Überfall auf den Autokonvoi am Samstag beteiligt gewesen zu sein. Auf einem durch die Behörden veröffentlichten Überwachungsvideo aus dem Hotel sind zwei der Verdächtigen zu sehen, die Cabral und den Unternehmer Henry Fariñas vor ihrer Abreise observieren. Kurz nach der Inhaftierung dieser beiden Guatemalteken wurde eine weitere Person ebenfalls unter dem Vorwurf festgenommen, sich an dem Feuerüberfall beteiligt zu haben.

Lateinamerikanische Medien spekulieren derweil über die Hintergründe des Mordes. Die Überlegungen konzentrieren sich dabei mehrheitlich auf den Nicaraguaner Fariñas, der die Attacke schwer verletzt überlebte. Angeblich habe der Konzertveranstalter auch eine Kette von Nachtclubs betrieben und sei in Drogengeschäfte verwickelt gewesen. Nach einem Bericht der Tageszeitung La Pensa liege der Staatsanwaltschaft die Aussage vor, dass ein betrogener Geschäftspartner den Mord in Auftrag gegeben hat. Laut dieser Zeugenaussage wurde Facundo Cabral zufällig Opfer des Überfalls, da Fariñas ihn spontan eingeladen habe, gemeinsam zum Flughafen zu fahren.

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