Kolumbien / Venezuela / Kultur

Kolumbien und Venezuela richten gemeinsames Filmfestival aus

Venezolanische Produktion "El chico que miente" im Zentrum der Filmschau

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Plakat des Films "El chico que miente"
Plakat des Films "El chico que miente"

Vom 12. bis 16. Mai 2013 findet das zweite binationale Filmfestival von Kolumbien und Venezuela statt. Veranstaltungsorte sind auf kolumbianischer Seite die Grenzstadt Cúcuta und auf venezolanischer Seite San Cristóbal in dem Andenstaat Táchira. Zwölf Filme stehen auf dem Programm, sechs aus Kolumbien und sechs aus Venezuela. Außerdem werden ergänzende Arbeits- und Gesprächskreise angeboten

Aus Venezuela nehmen teil: "Der Junge, der lügt" von Marité Ugás, "Das Lärmen des Papageis" von John Petrizzelli, "Der blaue Apfel" von Olegario Barrera, "Das Raunen der Steine" von Alejandro Bellame, "Unterbrechung der Stille" der Brüder Andrés und Luis Rodríguez sowie "Hände hoch!" von Alejandro García Wiedemann.

Aus Kolumbien sind dabei: "Erschütterung" von Hendrix Jhonny, "Der Strand D.C." von Juan Andrés Arango, "Sofía und der Eigensinnige" von Andrés Burgos, "Treidelei" von William Vega, "Das verborgene Gesicht" von Andi Baiz und "Das Kartell der Kröten" von Carlos Moreno.

Besondere Erwähnung verdient der venezolanische Film "Der Junge, der lügt" ("El chico que miente") aus dem Jahr 2011, weil er mittlerweile zu einem modernen Filmklassiker geworden ist. Außerdem hat er seinen Siegeszug durch Lateinamerika und Europa angetreten. Am 11. Februar 2011 nahm der Film am 61. Internationalen Filmfestival in Berlin teil. "Es ist für uns etwas Besonderes, bei der Berlinale dabei zu sein", meinte die Regisseurin Marité Ugás in einem Interview.

Ihr Film wurde in Lateinamerika und Europa mehrfach prämiert. Auf dem Festival des Neuen Lateinamerikanischen Films 2011 in Havanna, Kuba, erhielt er den ersten Preis in der Kategorie Fiktion. Im selben Jahr wurde er auch auf dem Filmfestival Ícaro in Guatemala preisgekrönt. Es sei "ein Film, der alle formalen Elemente so verbindet, dass ein Werk von großer cineastischer Wirkung entsteht", begründete die Jury ihre Entscheidung. Im Oktober 2011 tourte "Der Junge, der lügt" durch die Kinos etlicher brasilianischer Städte, wo er interessiert aufgenommen wurde.

Für das Jahr 2012 folgten Einladungen nach Europa. Im November 2012 wurde "El chico que miente" auf dem spanischen Filmfestival Madridimagen und dem Filmfestival des Lateinamerikanischen Films in Flandern (Belgien) gezeigt. Hier gewann er gleichfalls den ersten Preis in der Kategorie Fiktion. Im November 2012 nahm die Filmabteilung der Katholischen Universität in der peruanischen Hauptstadt Lima den Film in ihr Programm auf. Die Regisseurin Marité Ugás ist in Lima gebürtig. Sie studierte Kommunikationswissenschaft an der Universität ihrer Heimatstadt, später in Kuba. 1991 gründete sie in Caracas ihre eigene Produktionsfirma "Sudaca Filme".

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"Der Junge, der lügt" erzählt die Geschichte eines 13-jährigen Jungen aus dem venezolanischen Küstenstaat Vargas, dessen Mutter bei der Unwetterkatastrophe 1999 starb. Er ist jedoch überzeugt, dass sie noch lebt. Deshalb macht er sich auf die Suche nach ihr und wandert die karibische Küste entlang. Um zu überleben, erzählt er unterwegs erfundene Geschichten über seine Mutter und die Überschwemmung von Vargas. Der Junge wird von dem Venezolaner Iker Fernández dargestellt, einem überzeugenden Naturtalent.

Dies ist Venezuelas erster Film, der sich mit den tragischen Ereignissen während und nach der Unwetter von Vargas befasst. Marité Ugás sagte in einem Interview: "Unser Film ist eine Art von Road Movie, der bei dem Unglück von 1999 seinen Ausgang nimmt. Der Junge gibt die Hoffnung nie auf, seine verlorene Mutter wieder zu finden. Dies ist ein Symbol für das politische Leben in der Bolivarischen Republik Venezuela. In jenen Tagen fand auch das Referendum von Hugo Chávez statt und die Bolivarische Revolution begann. Sie ist von Rückschlägen bedroht, aber die Suche nach einem besseren Leben hört nie auf."

Das erste Referendum fand am 25. April 1999 statt. Die Bevölkerung wurde gefragt, ob eine verfassunggebende Versammlung einzuberufen sei. Von den Befragten stimmten 92,4 Prozent zu. Am 15. Dezember 1999 wurde die venezolanische Bevölkerung in einem zweiten Referendum gefragt, ob sie mit der neuen Verfassung einverstanden sei. Diesmal stimmten 71,8 Prozent zu.

Am selben Tag, dem 15. Dezember 1999, zerstörten nach heftigen Regenfällen Erdrutsche die Küste von Vargas, zerstörten Tausende von Häusern und führten zu einem Zusammenbruch der Infrastruktur. Der Ort Los Corrales wurde unter einer drei Meter hohen Schlammschicht begraben. Viele Häuser wurden in das Meer geschwemmt, wobei die Orte Cerro Grande und Carmen de Uría völlig verschwanden. Etwa 30.000 Menschen verloren bei der Katastrophe ihr Leben. Über 100.000 Personen konnten evakuiert werden.

Nach der Tragödie rief Präsident Hugo Chávez die Bevölkerung Venezuelas auf, ihre Häuser für die Obdachlosen zu öffnen und "eine Familie zu adoptieren". Bis 2006 waren die Schäden behoben und die Infrastruktur wieder hergestellt. Doch ist die Katastrophe in Vargas unvergessen, weil sehr viele Menschen ihre Verwandten und Freunde verloren, so wie "Der Junge, der lügt". 

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