pressetexte.com zu Chávez: "Paradebeispiel an Propaganda"

Unsinn und Tatsachen über die Verleihung eines Kommunikationspreises an Venezuelas Präsidenten

Die österreichische Internetseite "pressetext.com" berichtete am Donnerstag der Autor Markus Steiner über die Verleihung eines Kommunikationspreises in Argentinien an den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Wir dokumentieren dazu eine Stellungnahme von Dr. Dario Azzellini von der Universität Linz.


Mit Erstaunen musste ich den Beitrag "Empörung: Chávez mit  Journalistenpreis geehrt" zur Kenntnis nehmen. Herr Steiner ist entweder ein Lügner oder völlig unqualifiziert als Journalist. Beides sollte ausreichen, um ihn nicht schreiben zu lassen. Die Vielzahl von Falschbehauptungen in dem Text ist kaum zu übertreffen. Ich will daher nur auf die gröbsten Schnitzer eingehen: 

"So wurde etwa im August 2009 bekannt, dass die linksgerichtete Regierung unter Präsident Chávez mit konsequenter Härte versucht, regierungskritische Medienstimmen mundtot zu machen: Innerhalb weniger Wochen wurden insgesamt 32 Radiostationen und zwei TV-Anstalten die Sendelizenzen entzogen."

Der Sachverhalt stellt sich völlig anders dar.

Alle existierenden Radio- und TV-Stationen (über 600) wurden aufgefordert ihren legalen Status zu aktualisieren. Die genannten 34 Sender hatten die Steuern nicht bezahlt oder einen abgelaufenen juristischen Status. Zur Aktualisierung wurden alle aufgefordert und bekamen sogar noch sechs Monate Verlängerung. Danach wurde die Lizenz entzogen bzw. nicht verlängert. Hunderte anderer Sender, auch zum Großteil kommerziell/oppositionell, schafften es ihren juristischen Status auf dem neusten Stand zu halten und senden weiter. Besteht Pressefreiheit darin Steuern hinterziehen zu dürfen oder keine verantwortliche juristische Person nennen zu können?

Weiter behauptet Steiner:

"Mit dem Nachrichten-TV-Sender Globovision wurde schließlich ein Monat später auch dem letzten regulär empfangbaren größeren Sender in Venezuela, der noch eine verstärkt regierungskritische Haltung einnahm, der Stecker gezogen."

Jetzt halluziniert Herr Steiner aber völlig. Globovisión sendet weiterhin täglich in Venezuela und ist niemals "abgeschaltet" worden. Auch ist es nicht der "letzte regulär empfangbare Sender in Venezuela, der noch eine verstärkt regierungskritische Haltung einnahm. Es ist aber ein Sender der aktiv den Putsch gegen das gewählte Staatsoberhaupt Chávez 2002 mitorganisierte. In wie vielen anderen Ländern der Welt wäre ein Sender, der einen Putsch gegen die Regierung organisiert noch auf Sendung?

Und wenn schon von unabhängiger Medienberichterstattung gesprochen wird, dann hätte erwähnt werden sollen, dass die von Steiner zitierte spanische Tagszeitung im Besitz der Partido Popular ist, als einer rechts-konservativen Partei, welche vor wenigen Jahren noch an der Regierung war.

Eine solche Berichterstattung ist mehr als erbärmlich. Ich danke ihnen  lediglich das Paradebeispiel an Propaganda und schlechtem Journalismus das sie mir gegeben haben und das ich sofort als Beispiel für meine Studierenden in meinen Unterricht fest eingebaut habe.

Hochachtungsvoll,

Dario Azzellini

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