Der illegale Bergbau zerstört in Peru riesige Flächen Regenwald und breitet sich zunehmend weiter aus. Offizielle Zahlen verdeutlichen seine Bedeutung: Nach Angaben von CooperAcción stieg die Zahl der Anzeigen von rund 800 im Jahr 2020 auf über 2.500 im Jahr 2024.
Neben der fortschreitenden Abholzung stellt insbesondere das bei der Goldgewinnung eingesetzte Quecksilber eine erhebliche Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Das giftige Schwermetall löst Gold aus Sedimenten, gelangt dabei in Flüsse und Böden, reichert sich in Fischen an und erreicht so auch Menschen weit entfernt von den Abbaustellen.
Besonders gefährdet sind indigene Gemeinschaften, deren Lebensgrundlagen unmittelbar von Flüssen und Wäldern abhängen. Im Departamento Madre de Dios ist der illegale Bergbau nach Recherchen von OjoPúblico derweil bereits in das Tambopata-Nationalreservat und in den Nationalpark Bahuaja Sonene vorgedrungen. Neue Infrastrukturprojekte könnten diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen. So können etwa über die neue Straße zwischen Bellavista und El Estrecho im peruanischen Amazonasgebiet bislang schwer zugängliche oder geschützte Waldgebiete erschlossen werden und damit auch das Vordringen von Goldschürfern begünstigen.
Für die betroffenen indigenen Gemeinschaften geht es dabei um weit mehr als Umweltschäden. "Unser Territorium ist Teil unserer Identität. Hier befinden sich unsere Flüsse, unsere Wälder und das Wissen, das wir von unseren Großeltern erhalten haben", sagt Cleyton Valentin Chumpate von der indigenen Organisation der Asháninka und Nomatsigenga von Pangoa (Omanp) gegenüber amerika21. "Wenn ein Territorium zerstört und verschmutzt wird, betrifft das auch unsere Ernährung, unsere Kultur und unsere Zukunft."
Der Druck auf indigene Territorien wächst dabei nicht nur durch den Bergbau. "Der illegale Bergbau kommt nicht allein", führt Chumpate weiter aus. In vielen indigenen Territorien seien zugleich Drogenhandel, illegaler Holzeinschlag, Landraub und weitere illegale Aktivitäten zu beobachten, die ineinandergreifen und "Konflikte, Bedrohungen und Gewalt in die Zone bringen". Nach einem aktuellen Bericht von Amazon Watch sind kriminelle Netzwerke bereits in 67 Prozent der Amazonas-Distrikte in Peru aktiv. 32 Prozent der indigenen Territorien der Amazonas-Region seien von entsprechenden Konflikten betroffen beziehungsweise umkämpft und Teile des Amazonasgebiets würden sich zunehmend zu Schauplätzen organisierter Kriminalität verwandeln.
Die kriminellen Netzwerke agieren dabei längst über Landesgrenzen hinweg und verknüpfen unterschiedliche illegale Wirtschaftszweige miteinander. Gleichzeitig haben sich mit den Amtsantritten von Keiko Fujimori in Peru und Abelardo de la Espriella in Kolumbien die politischen Kräfteverhältnisse in der Grenzregion verändert. Gemeinsam mit Ecuadors Präsident Daniel Noboa stehen nun in allen drei Ländern autoritäre rechte Regierungen an der Spitze. Die Entwicklungen im Amazonasgebiet erhalten damit zunehmend auch eine geopolitische Dimension.
Vor diesem Hintergrund haben auch die USA ihr sicherheitspolitisches Engagement in der Region verstärkt. Mit der im März 2026 vorgestellten Initiative "Shield of the Americas" setzt Washington auf eine engere militärische und geheimdienstliche Zusammenarbeit im Kampf gegen transnationale kriminelle Organisationen. Wie weit dieser zunehmend militärisch geprägte Ansatz reichen kann, zeigten die Angriffe auf vermeintliche Drogenschiffe im Karibischen Meer und im östlichen Pazifik, bei denen bislang mindestens 221 Menschen starben (amerika21 berichtete).
Amazon Watch warnt vor diesem Hintergrund davor, dass ein stärker militärisch geprägter Kampf im Amazonasgebiet gegen organisierte Kriminalität die strukturellen Ursachen der illegalen Wirtschaft nicht beseitigt und zusätzliche Risiken für indigene Gemeinschaften mit sich bringen könnte.
Gleichzeitig verändert der Goldboom die wirtschaftlichen Strukturen der dort ansässigen Gemeinden. Die Studie Oro Sombra (Schatten-Gold) von der Organisation Derecho, Ambiente y Recursos Naturales (DAR) legt nahe, dass die Goldökonomie zunehmend traditionelle Erwerbsformen wie Fischfang und Landwirtschaft verdrängt und Abhängigkeiten von einer informellen und teilweise kriminellen Wirtschaft rund um den Goldabbau schafft.
Gerade in abgelegenen Gemeinden verstärkt die schwache staatliche Präsenz das Problem. Nach Angaben von DAR liegt die Schulabbrecherquote in betroffenen Gebieten bei bis zu 70 Prozent in der Grundschule und 80 Prozent in der weiterführenden Schule, wobei Mädchen und junge Frauen besonders betroffen sind.
Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung der peruanischen Staatsanwaltschaft legt zudem dar, dass insbesondere junge Frauen und Mädchen, Migrantinnen und Angehörige indigener Gemeinschaften von Menschenhandel in den Minengebieten betroffen sind. Rund um die illegalen Minen werden wirtschaftliche Not und fehlende alternative Arbeitsmöglichkeiten ausgenutzt, um Frauen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse oder sexuelle Ausbeutung zu drängen.
Da Gold dabei unmittelbar als Zahlungsmittel zirkuliert, entsteht eine informelle Ökonomie. Für betroffene Frauen entsteht dadurch ein zusätzliches Problem. Obwohl sie Opfer von Ausbeutung sind, werden sie durch die Bezahlung mit illegal gewonnenem Gold zugleich in dessen wirtschaftliche Verwertungskette hineingezogen.
Eine überregionale Recherche von OjoPúblico und Partnermedien zeigt, wie illegal gewonnenes Gold mithilfe von Papieren handwerklicher Goldsucher, von Kooperativen oder von Scheinkonzessionen in reguläre Lieferketten eingeschleust wird. Auf dem Papier erhält das Gold damit eine Herkunft, die seine tatsächliche Gewinnung verschleiern kann. Dies schürt Kritik an den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen in Peru. Iris Olivera Gómez von DAR verweist unter anderem auf die wiederholten Verlängerungen des peruanischen Registers zur Formalisierung des Bergbaus, Reinfo. Nach ihrer Einschätzung schwächen solche Regelungen die Möglichkeiten zur Kontrolle und Sanktionierung.
In anderen Fällen wird das illegal gewonnene Gold über die Landesgrenzen etwa nach Bolivien geschmuggelt und dort formalisiert. Das Ausmaß der fehlenden Rückverfolgbarkeit ist beträchtlich. OjoPúblico errechnete für Peru, Ecuador, Kolumbien und Bolivien zwischen 2014 und 2023 mindestens 3.080 Tonnen exportiertes Gold unbekannter Herkunft. 92 Prozent davon entfielen demnach mit rund 2.849 Tonnen auf Peru.
Ein wesentlicher Motor der Expansion illegaler Goldminen bleibt die hohe Rentabilität. Steigende Goldpreise machen selbst abgelegene Abbaustellen wirtschaftlich attraktiv. Nach Angaben des peruanischen Militärs können größere Motoren, mit denen Sedimente verarbeitet werden, täglich etwa 30 bis 50 Gramm Gold fördern, was derzeit einem Wert von mehreren Tausend US-Dollar entspricht.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Goldes ist inzwischen enorm. Peru exportierte 2025 nach Angaben von CooperAcción Gold im Wert von rund elf Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich verweist die Organisation auf Schätzungen von etwa sechs Milliarden US-Dollar für illegale Aktivitäten wie den Drogenhandel. Der illegale Goldabbau hat sich damit zu einem wichtigen wirtschaftlichen Motor organisierter Kriminalität entwickelt.
Die Abgeschiedenheit des Regenwaldes erleichtert dieses Vorgehen. Die Behörden räumen indes ein, dass Kontrollen und Razzien das Problem nicht lösen können. "Jeden Tag dringen sie immer weiter vor, und wir kommen nur sehr langsam voran", gibt etwa Ronald Flores Yáñez, stellvertretender Staatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft von Peru, gegenüber der Associated Press zu. Die bisherige Strategie müsse deshalb erweitert werden.
Ein Ansatz müsse darin bestehen, die Finanzstrukturen hinter dem illegalen Goldabbau zu untersuchen. Beispielsweise müsste ermittelt werden, woher das Kapital für Maschinen und Treibstoff komme, wer das geförderte Gold kaufe und über welche Wege die Gewinne zurück zu den Betreibern der Goldminen gelangen.
Indes fordern indigene Organisationen und Umweltschützer, das Problem nicht allein als Sicherheitsfrage zu behandeln. Kürzlich blockierten Indigene und flussnahe Gemeinden an den Nebenflüssen Chambira und Pintuyacu den Nanay und forderten die Ausrufung eines Notstands im Nanay-Gebiet, der Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit, soziale Versorgung, Sicherheit und Umweltschutz miteinander verbinden soll. Indigene Gemeinden entwickeln zudem Strategien zur Umweltüberwachung, organisieren sich in lokalen Komitees und zeigen Verschmutzung und illegale Aktivitäten an. Zugleich führen Anzeigen und öffentliches Engagement immer wieder zu Drohungen und Verfolgung.
Wie angespannt die Situation ist, zeigt ein aktueller Fall aus der Amazonasregion Ucayali. Ende August sorgte die Nachricht vom angeblichen Mord an dem Ashéninka-Anführer Américo Pascual Tumisha aus der indigenen Gemeinde Onconashari für Aufsehen. Von der indigenen Organisation Orau wurde am Tag danach klargestellt, dass Pascual am Leben ist. Die Falschmeldung über seinen Tod sei durch einen Anruf bei seinem Sohn ausgelöst worden. Die Bedrohungslage dahinter sei jedoch real, warnt Orau. Pascual hatte zuvor das Eindringen Außenstehender in das Gebiet seiner Gemeinde angeprangert und sich an der Überwachung des Territoriums beteiligt.
Nach Angaben der Organisation haben sich die Drohungen gegen indigene Gemeinden im Grenzgebiet zu Brasilien innerhalb weniger Wochen verschärft. Orau verweist unter anderem auf bewaffnete Männer und eine gezielte Einschüchterung der Bevölkerung.
Solange die wirtschaftlichen Netzwerke bestehen und mit illegal gefördertem Gold hohe Gewinne erzielt werden können, dürfte auch der Druck auf das peruanische Amazonasgebiet weiter zunehmen.


