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Chile setzt im Fall des inhaftierten Beraters von Milei Kommission ein

Cerimedo soll ultrarechte Kandidaten in verschiedenen Ländern unterstützt haben. Möglicherweise auch Negativkampagne gegen traditionelle Recht in Chile

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In der zweiten Abstimmung wurde in Chile die Untersuchungskommission im Fall Cerimedo im Parlament beschlossen
In der zweiten Abstimmung wurde in Chile die Untersuchungskommission im Fall Cerimedo im Parlament beschlossen

Santiago de Chile et al. Der in Bolivien wegen des Vorwurfs eines versuchten Auftragsfemizids an seiner Ex-Partnerin Nadia Beller festgenommene rechte Kampagnenmanager Fernando Cerimedo (amerika21 berichtete) gerät wegen seiner politischen Aktivitäten in Südamerika unter Druck. Er soll Wahlen mithilfe von Botfarmen, Trollnetzwerken und Desinformation zugunsten ultrarechter Kandidaten beeinflusst haben. In Chile brachten oppositionelle Abgeordnete deshalb eine parlamentarische Untersuchungskommission auf den Weg.

Ein erster Antrag scheiterte am Dienstag wegen zweier fehlender Stimmen durch Abwesenheiten. Der rechte Regierungsblock stimmte geschlossen dagegen. Bei einer zweiten Abstimmung am Mittwoch wurde die Kommission mit 69 zu 43 Stimmen bei zwei Enthaltungen schließlich beschlossen. Sie hat 60 Tage Zeit, unter anderem den Einsatz von Bots, Falschinformationen und algorithmischer Manipulation auf digitalen Plattformen zu untersuchen.

José Montalva, Parlamentsabgeordneter und Initiator des Antrags zur Einsetzung der Kommissiom, kritisierte die zunächst geschlossene Ablehnung durch die Rechte. Mitinitiator Jaime Araya fragte: "Wen decken sie? Wovor haben sie Angst? Was soll die Öffentlichkeit über Cerimedos Verbindungen zu den Vertretern unseres Landes nicht erfahren?"

Präsident José Antonio Kast räumte zwar am Montag ein, Cerimedo zu kennen, bestritt jedoch eine Zusammenarbeit: "In keiner meiner Kampagnen habe ich mit diesem Herrn zusammengearbeitet." Zweifel daran nähren Berichte des ultrarechten Mediennetzwerks La Derecha Diario, dessen Mitbegründer und Miteigentümer Cerimedo ist. Das Portal berichtete seit dem Wahlkampf 2025 intensiv zugunsten Kasts. Agustín Romo, damals Leiter der digitalen Kommunikation des argentinischen Präsidenten Javier Mileis, erklärte bereits 2023, Cerimedo arbeite für Milei, habe aber auch für die Kampagnen von Jair Bolsonaro in Brasilien und Kast gearbeitet.

Nach Angaben des sozialistischen Abgeordneten Juan Santana aus Chile arbeiten zudem drei Berater aus Cerimedos Umfeld heute für Kasts Regierung. Sie waren demnach an der "Rechazo"-Kampagne gegen den progressiven Verfassungsentwurf beteiligt. Cerimedo hatte 2023 selbst erklärt, deren Erfolg mithilfe von Trollen und künstlich erzeugten Accounts maßgeblich beeinflusst zu haben.

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Auch die frühere Präsidentschaftskandidatin der traditionellen Rechten, Evelyn Matthei, war während des Wahlkampfs Ziel einer Negativkampagne, die ihr unter anderem Alzheimer und psychische Probleme unterstellte. Deren Ursprung vermutet sie im Kast-Lager. Seine Zurückweisung der Verantwortung kommentierte sie: "Ich habe ihm damals nichts geglaubt und glaube ihm weiterhin nichts."

Beller erklärte zudem, Cerimedo habe sich seiner entscheidenden Mitarbeit an Kasts erfolgreicher Präsidentschaftskampagne gerühmt. Nach dessen Wahlsieg habe er "wie bei einem Triumph" gefeiert und angekündigt, zur Amtseinführung zu reisen.

Der Fall zieht inzwischen weitere Kreise. Auch Boliviens Präsident Rodrigo Paz steht im Verdacht, Cerimedos Dienste im Wahlkampf genutzt zu haben. Seine Familie soll zudem mit Cerimedo in illegale Treibstoffgeschäfte in dem von Benzinknappheit betroffenen Land verwickelt sein.

Milei verteidigt seinen früheren Berater öffentlich, erklärt jedoch seit 2023, nicht mehr mit ihm zusammenzuarbeiten. Aus Kolumbien und Honduras gibt es ebenfalls Vorwürfe der Wahlbeeinflussung. Perus Präsidentin Keiko Fujimori wies jede Zusammenarbeit zurück. Cerimedo hielt sich während des Wahlkampfs jedoch nachweislich auffällig häufig in Peru auf; Aussagen Bellers legen zudem Verbindungen zu Fujimoris Kampagne nahe.