Rom. US-Außenminister Marco Rubio, ein Latino und Katholik, trifft sich heute in Rom mit dem Oberhaupt der Katholik:innen, dem US-Amerikaner Papst Leo XIV. Offenbar sollen die Wogen zwischen dem Weißen Haus und dem Vatikan geglättet werden. Viele Lateinamerikaner:innen, die große Mehrzahl davon ebenfalls katholisch, blicken deshalb gespannt auf das Treffen.
Die Spannungen zwischen Washington und dem Vatikan haben sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Donald Trump griff Papst Leo XIV. wiederholt wegen dessen Kritik am Iran-Krieg und an der US-Migrationspolitik an.
Im Interview mit dem konservativen Moderator Hugh Hewitt erklärte er, der Pontifex gefährde "viele Katholiken und viele Menschen", weil er es angeblich für akzeptabel halte, "wenn der Iran eine Atomwaffe besitzt". Zudem bezeichnete Trump den Papst als "schwach". Für Empörung hatte vor wenigen Wochen ein von Trump verbreitetes KI-Bild gesorgt, das ihn in einer Christus-ähnlichen Erlöser-Darstellung zeigte.
Unterschwellig hat der Vatikan in den USA jedoch seinerseits wohl bewusste Signale gesendet. Am 2. Mai 2026 ernannte Papst Leo XIV. den aus El Salvador stammenden Geistlichen Evelio Menjívar-Ayala zum neuen Bischof der Diözese Wheeling-Charleston im US-Bundesstaat West Virginia.
Am selben Tag teilte der Heilige Stuhl die Berufung des kolumbianischen Priesters Juan Gómez zum Bischof von Laredo an der texanischen Grenze sowie die Ernennung zweier neuer Weihbischöfe für die Erzdiözese Washington mit. Bei letzteren handelt es sich um Gary Studniewski, ehemaliger Militärangehöriger und derzeitiger Pfarrer, und Robert Boxie III, jüngster amtierender afroamerikanischer Bischof des Landes.
Während Washington migrationspolitisch auf Abschreckung, Repression und Maßnahmen der Behörde ICE setzt, stärkt der Vatikan durch die Ernennungen die Minderheiten in den USA. Besonders mit Menjívar-Ayala stellt er eine Biografie ins Zentrum, die für Flucht, Schutzsuche und soziale Integration steht. Denn Menjívar-Ayala, heute 55 Jahre alt, kam 1990 selbst ohne Papiere nach einer Flucht vor dem Bürgerkrieg in El Salvador in die USA. Jahrzehnte später wird er nun in einem der weißesten und politisch konservativsten Bundesstaaten der USA Bischof.
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West Virginia ist seit dem Jahr 2000 fest in konservativer Hand, wobei die Republikaner bei jeder Wahl ihren Vorsprung weiter ausbauen konnten. Donald Trump erhielt dort vor eineinhalb Jahren 70 Prozent der Stimmen.
Menjívar-Ayala gehört zu jenen kirchlichen Stimmen, die diese Politik offen kritisieren. In einer Kolumne im Catholic Standard sprach er von einer "Schock- und Einschüchterungs"-Strategie staatlicher Maßnahmen, die über bloße Rechtsdurchsetzung hinausgehe und grundlegende Menschenrechte verletze. Seine Kritik speist sich dabei aus eigener Erfahrung. "That could have been me" (Das hätte ich sein können) sagte er mit Blick auf die Razzien gegen Migrant:innen.
Dass Menjívar-Ayala in West Virginia tätig wurde, ist auch deshalb bemerkenswert, weil Lateinamerikaner:innen dort nur eine kleine Minderheit darstellen. Die katholische Kirche entsendet damit einen Vertreter der migrantischen Peripherie in ein soziales Umfeld, das von ökonomischem Niedergang geprägt ist. In seiner ersten Ansprache betonte der neue Bischof: "I want to listen to the poor". Er wolle den Armen zuhören, den Ausgegrenzten, Lohnarbeiter:innen und Arbeitslosen.
Diese Schwerpunktsetzung knüpft an eine lange Tradition der Befreiungstheologie an, wie sie etwa Óscar Romero verkörperte. Auch Menjívar-Ayala ruft dazu auf, in den Migrant:innen "das Antlitz Christi" zu erkennen, eine Formulierung, die religiös und politisch zugleich ist und sich gegen eine Politik richtet, die Menschen entlang von Papieren und Herkunft sortiert.
Die Ernennung ist damit mehr als eine innerkirchliche Personalentscheidung. Sie wird als Einspruch gegen eine Ordnung verstanden, in der Migration als Sicherheitsproblem verhandelt wird. Vielleicht lassen sich daraus auch Brüche im hegemonialen Diskurs erkennen und die Möglichkeit, dass sich selbst in ultrakonservativen Räumen andere Perspektiven Gehör verschaffen. Menjívar-Ayala selbst formuliert es vorsichtiger. Er spricht von Zuhören, von einem "offenen Herzen".
Die katholische Präsenz in West Virginia ist stark auf den industriell geprägten Nordwesten orientiert und deutlich schwächer in den ländlichen Bergbaugebieten. Die Diözese Wheeling-Charleston des neuen Bischofs spielt in einzelnen Regionen eine wichtige soziale und institutionelle Rolle, gerade was Bildung, Sozialpolitik und Gemeindearbeit angeht.

