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Witwe von ermordetem Präsidenten Haitis nennt wirtschaftliche Gründe als Mordmotiv

FBI räumt in der Beweisaufnahme Ermittlungsfehler ein. Frühere Politiker in Haiti geraten ins Visier

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Präsident Moïse 2017 bei seiner Vereidigung als Präsident von Haiti
Präsident Moïse 2017 bei seiner Vereidigung als Präsident von Haiti

Miami/Port-au-Prince. Seit zwei Wochen laufen in den USA die Gerichtsverhandlungen gegen vier Männer, die beschuldigt werden, hinter der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse im Juli 2021 zu stecken. Den vier Angeklagten Arcángel Pretel Ortiz, Antonio Intriago, Walter Veintemilla und James Solages wird vorgeworfen, in South Florida die Entführung oder Ermordung des Präsidenten geplant und finanziert zu haben (amerika21 berichtete). Zur Durchführung der Tat sollen sie eine Gruppe ehemaliger kolumbianischer Soldaten angeheuert haben. Vor einem Bundesgericht in Miami plädieren alle Angeklagten auf nicht schuldig. Im Falle einer Verurteilung droht ihnen lebenslange Haft. 

Den Auftakt der Beweisaufnahme dominierte Martine Moïse, die Witwe des ermordeten Präsidenten. In ihrer Zeugenaussage bekräftigte sie die These, dass wirtschaftliche Interessen hinter dem Attentat auf ihren Ehemann steckten. Ihr zufolge traf die Entscheidung des Präsidenten, sämtliche irregulären öffentlichen Verträge zu beenden, auf erheblichen Widerstand. Bei diesen Verträgen habe es sich um Gelder in Millionenhöhe gehandelt. Mit ihrem expliziten Verweis auf die Verstrickung von Ex-Präsident Michel Martelly und dem ehemaligen Premierminister Ariel Henry, der nach dem Mord bis Anfang 2024 an der Macht war, zeigte Martine Moïse die Spannungen innerhalb der höchsten Riegen des haitianischen Staates auf. Die Witwe ist bis heute aufgrund von erlittenen Schusswunden im rechten Arm gelähmt.

In der zweiten Verhandlungswoche räumte der für den Fall zuständige FBI-Beamte Martin Suárez ein, dass der Tatort weder nach Fingerabdrücken noch nach DNA-Spuren untersucht worden war. Auch wurden die Blutproben und die über 40 am Tatort sichergestellten Beweismittel nicht zur forensischen Analyse eingereicht. Laut Suárez wurden den anwesenden FBI-Beamten die Beweismittel von der haitianischen Polizei abgenommen und seitdem verwahrt. Auch die Leiche des ermordeten Präsidenten verschwand für einige Tage, bevor sie zur Autopsie vorgelegt wurde. Suárez bestätigte in seiner Anhörung, dass weder er noch seine Kollegen die Leiche untersucht hätten.

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Die Angeklagten Pretel Ortiz und Intriago waren Führungskräfte der in Florida ansässigen Sicherheitsfirma Counter Terrorist Unit (CTU), Solages wiederum vertrat die CTU in Haiti und Veintemilla leitete das Finanzunternehmen Worldwide Capital Lending Group. Dem aktuellen Ermittlungsstand zufolge trafen sich die Verschwörer im April 2021 in South Florida und vereinbarten, dass der als Nachfolger von Moïse ausersehene Arzt und Priester Christian Sanon der Firma CTU nach einer Machtübernahme lukrative Verträge für Infrastruktur und Sicherheit erteilen solle. Die Gerichtsverhandlung von Christian Sanon wird aufgrund gesundheitlicher Beschwerden des Angeklagten zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.

Die zentrale Verteidigungsstrategie der Angeklagten ist die Behauptung, in ihrem Komplott von der US-Regierung unterstützt worden zu sein und somit keine Verantwortung für ihre Taten zu tragen. Neben den erwähnten Mängeln im Vorgehen des FBI gibt es auch Hinweise auf ein Treffen von einigen der Angeklagten mit einem FBI-Agenten im April 2021. Auch konnten einem Tatverdächtigen Telefonate mit US-Politikern nachgewiesen werden, die sich für eine Absetzung von Präsident Moïse einsetzten.

Da die Gerichtsverhandlungen in Haiti aufgrund der tiefgreifenden politischen und sozialen Krise, die das Land seit dem Tod Moïses erschüttert, weitestgehend zum Erliegen gekommen sind, bleibt das Verfahren in Florida das wichtigste Mittel zur Aufklärung des Mordfalls. Die Prozessdauer ist bis mindestens Mitte Mai angesetzt.