Caracas/Washington. Erträge aus dem Verkauf von venezolanischem Erdöl sollen laut US-Energieminister Chris Wright künftig direkt über die Konten des US-Finanzministeriums fließen. Bisher wurde das Geld auf Konten in Katar deponiert, die von der US-Regierung kontrolliert wurden, um es von dort nach Venezuela zu überweisen.
In einem Interview mit NBC News erklärte Wright, dass die Erlöse aus Verkäufen venezolanischen Erdöls nun direkt in die USA fließen werden. "Jetzt haben wir ein Konto beim US-Finanzministerium. Das Geld wird nicht mehr nach Katar fließen", erklärte Wright.
Er betonte zudem, dass die Einnahmen aus venezolanischen Ölverkäufen mittlerweile eine Milliarde US-Dollar überstiegen hätten. Für die kommenden Monate gebe es zudem Vereinbarungen über Rohölverkäufe im Wert von fünf Milliarden US-Dollar. Gegenüber NBC erklärte er, dass das Öl bislang an Raffinerien in den USA und Europa geliefert worden sei. Zugleich stellte er in Aussicht, dass es während Trumps Amtszeit wahrscheinlich zu Wahlen und einem Machtwechsel in Venezuela kommen könnte.
Telesur berichtete über den Abschluss von Lieferverträgen zwischen dem venezolanischen staatlichen Erdölkonzern PDVSA und US-Unternehmen. "Die venezolanische Ölgesellschaft betonte, dass sich das Land als zuverlässiger Lieferant etabliert habe und damit zum notwendigen Gleichgewicht beitrage, um die globale Energiesicherheit zu gewährleisten. Venezuela bekräftigt damit sein Engagement für die Stabilität des Marktes."
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In einer Erklärung der PDVSA, die Héctor Obregón Pérez auf seinem Telegram-Kanal veröffentlichte, heißt es: "PDVSA hat Lieferverträge mit Unternehmen abgeschlossen, die Erdöl und Erdölderivate für den US-Markt vertreiben, und damit seine langjährige Geschäftsbeziehung aufrechterhalten, um die Versorgung sicherzustellen." Pérez traf sich mit Wright und der Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez im Februar dieses Jahres in Caracas (amerika21 berichtete).
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit fällt zeitlich mit verstärkten diplomatischen Kontakten zwischen beiden Ländern zusammen. The Guardian berichtete über eine zweitägige Reise von US-Innenminister Doug Burgum nach Caracas sowie über eine Erklärung beider Länder, die diplomatischen Beziehungen offiziell wieder aufzunehmen. Diese wurden von der venezolanischen Regierung im Jahr 2019 beendet (amerika21 berichtete).
Die Besuche von Wright und Burgum lassen die Frage aufkommen, ob es demnächst zu einem offiziellen Treffen zwischen US-Präsident Trump und Delcy Rodríguez kommen wird. Laut Reuters erklärte Wright, dass US-Präsident Donald Trump derzeit kein Interesse habe, Venezuela zu besuchen. "Aber es ist sicherlich eine sehr reale Möglichkeit", so Wright.
Seit der Entführung von Präsident Maduro und seiner Frau Cilia Flores durch das US-Militär kontrollieren die USA faktisch den gesamten Erdölhandel Venezuelas. Laut Reuters gingen die Ölexporte Venezuelas im Februar gegenüber dem Vormonat um 6,5 Prozent zurück, da zusätzliche Lieferungen in die Vereinigten Staaten und nach Europa den Verlust des bisher wichtigsten Marktes des OPEC-Landes, China, nicht vollständig ausgleichen konnten. Die direkten Exporte in die USA stiegen um 32 Prozent, während sich die Lieferungen nach Europa pro Tag verneunfachten, so Reuters.

