Guatemala-Stadt. Der Journalist José Rubén Zamora Marroquín hat am Donnerstagabend das Militärgefängnis Mariscal Zavala in Guatemala-Stadt verlassen. Richter José Morales hatte in einer Gerichtsverhandlung am selben Tag die Entlassung des Journalisten angeordnet. Die Dauer der Untersuchungshaft in den zwei noch laufenden Strafverfahren soll er im Hausarrest verbringen. Die Untersuchungshaft habe mittlerweile sogar die Zeit einer möglichen Haftstrafe der beiden vergleichsweise geringen Vorwürfe – Urkundenfälschung und Behinderung der Justiz – überstiegen, hieß es zur Begründung.
Zamora wurde am 29. Juli 2022 verhaftet. Im Juni 2023 folgte die Verurteilung zu sechs Jahren Haft wegen Geldwäsche. Dieses Urteil wurde aber schon im vergangenen Oktober aufgehoben (amerika21 berichtete). Übrig blieben die beiden Vorwürfe, die sich auf eine angebliche Behinderung der Justiz im Geldwäschefall beziehen. In diesem soll Zamora die Herkunft von 300.000 Quetzales (knapp 33.000 Euro) verschleiert haben. Zamora hatte jedoch Dokumente vorgelegt, die belegen, dass die Gelder aus dem Verkauf eines Kunstwerkes stammen und für die Zahlung von Gehältern der von ihm gegründeten Zeitung elPeriódico bestimmt waren.
Bereits am 18. Oktober 2024 war Zamora, damals noch unter dem Vorwurf der Geldwäsche, in den Hausarrest entlassen worden. Die ultrarechte Stiftung gegen den Terrorismus, die in dem Fall als Nebenkläger auftrat, setzte aber durch, dass Zamora am 11. März 2025 erneut inhaftiert wurde.
Der Fall von Zamora ist ein Fall juristischer Verfolgung von Journalisten in Guatemala. Seine Verhaftung 2022 erfolgte fünf Tage, nachdem Zamora über einen Korruptionsfall des damaligen Staatspräsidenten Alejandro Giammattei und dessen engsten Umfeldes berichtet hatte.
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Direkt nach seiner Entlassung ging Zamora vor dem Gefängnis auf die politische Situation im Land ein. In diesem Jahr stehen die Neubesetzungen der Generalstaatsanwaltschaft, des Verfassungsgerichtes und des Obersten Gerichtshofes an. Sie gelten als wichtige Entscheidungen über die Rückkehr zu formell rechtsstaatlichen Verhältnissen in Guatemala.
"Die Demokratie in Guatemala war eine Lüge", so Zamora. In der Zeit vor seiner Verhaftung wäre alle vier Jahre bei der Präsidentschaftswahl ein neuer "Narcocleptodiktator" gewählt worden, der "Dieb im Dienst" (ladron de turno). Heute sei es wichtig "reinen Tisch zu machen", keiner der aktuellen Funktionsträger im Justizapparat solle seinen Posten nach den Neuwahlen im Justizwesen behalten, alle "müssen nach Hause gehen".
Zamora ist seit seinem 17. Lebensjahr journalistisch tätig. Die von ihm gegründete Zeitung elPeriódico musste 2023, im Kontext des Verfahrens gegen Zamora, ihr Erscheinen einstellen (amerika21 berichtete). Zamora wurde mit verschiedenen Preisen für investigativen und kritischen Journalismus ausgezeichnet, zuletzt 2025 in Haft mit dem Albies Preis (amerika21 berichtete).


