Extreme Lage der Menschenrechte in Haiti

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Besonders betroffen von Gewalt sind vulnerable und benachteiligte Bevölkerungsgruppen aus verarmten Stadtteilen.
Besonders betroffen von Gewalt sind vulnerable und benachteiligte Bevölkerungsgruppen aus verarmten Stadtteilen.

Port-au-Prince. Die Menschenrechtslage in Haiti ist nach Angaben der Vereinten Nationen (UNO) "extrem besorgniserregend". Bewaffnete Banden und staatliche Sicherheitskräfte waren im Jahr 2025 für Tausende Tote und Verletzte verantwortlich. Nach Angaben der Integrierten UN-Mission in Haiti (BINUH) wurden landesweit mindestens 5.915 Menschen getötet und 2.708 verletzt. Das Ultimatum der Gemeinschaft der Karibikstaaten (Caricom) zur Einigung der politischen Akteure des Landes lief Dienstagabend aus. Auch wenn es keine Einigung gab, ist doch der Druck auf die Politik erhöht.

Wie die BINUH in einem aktuellen Bericht erklärte, kam es insbesondere im vierten Quartal 2025 zu schweren Menschenrechtsverletzungen wie gezielte Tötungen, Entführungen, Erpressung, sexualisierte Gewalt sowie die Zerstörung von Eigentum. Zudem dokumentierte die UN die systematische Rekrutierung und Ausbeutung von Minderjährigen durch bewaffnete Banden, die Kinder zur Beteiligung an Entführungen und Tötungen zwingen. Insgesamt registrierte die Mission im Jahr 2025 1.753 Fälle sexualisierter Gewalt, überwiegend gegen Frauen und Mädchen, sowie 647 Entführungen.

Besonders auffällig ist nach UN-Angaben der hohe Anteil staatlicher Gewalt: Mehr als 62 Prozent der Todesopfer und Verletzten im letzten Quartal seien im Zusammenhang mit Einsätzen der Sicherheitskräfte entstanden, teilweise unter Beteiligung eines privaten Militärunternehmens, das Drohnen einsetzte. Bewaffnete Banden waren für 32 Prozent der Opfer verantwortlich, Selbstverteidigungsgruppen für sechs Prozent. Zwar gelang es den Sicherheitskräften, die territoriale Kontrolle in der Hauptstadt Port-au-Prince aufrechtzuerhalten, die Zivilbevölkerung ist aber weiter von wahlloser Gewalt betroffen. 

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Angesichts der eskalierenden Krise forderte die Caricom die politischen Akteure Haitis auf, binnen 72 Stunden ein Mindestabkommen zur Überwindung der politischen Blockade vorzulegen. Die Vermittlungsbemühungen blieben bislang ohne Ergebnis. Hintergrund ist die anhaltende Uneinigkeit rivalisierender politischer Lager über eine legitime Übergangsordnung, die staatliches Handeln weiter lähmt. Nach der Ermordung des damaligen Präsidenten Jovenel Moïse im Juli keine demokratisch legitimierte Regierung, für dieses Jahr sind Wahlen erst im August vorgesehen (amerika21 berichtete).

Die Vereinten Nationen riefen dazu auf, Haiti auf der internationalen Agenda zu halten, den vollständigen Einsatz der geplanten Anti-Banden-Truppe finanziell und personell zu unterstützen und die Sanktionsliste gegen Verantwortliche für Menschenrechtsverletzungen zu aktualisieren.