Oslo/Caracas. Der Norwegische Friedensrat — ein Dachverband von siebzehn norwegischen Friedens- und Abrüstungsorganisationen — hat die Zeremonie für den Friedensnobelpreis an die Venezolanerin María Corina Machado abgesagt. Er werde die traditionelle Fackelprozession in Oslo nicht durchführen, die gewöhnlich anlässlich der Preisverleihung stattfindet. In einer offiziellen Mitteilung erklärte der Rat, dass seine "Mitgliedsorganisationen nicht der Ansicht sind, dass die diesjährige Friedensnobelpreisträgerin mit den Werten des Norwegischen Friedensrates und denen unserer Mitgliedsorganisationen im Einklang steht".
Die Präsidentin des Rats, Eline H. Lorentzen, bezeichnete die Entscheidung als "schwierig, aber notwendig", betonte zugleich den Respekt gegenüber dem Nobelkomitee und wies darauf hin, dass der Rat seiner eigenen Friedensmission treu bleiben müsse. Machados politische Haltung und ihre Rhetorik werden als nicht vereinbar mit friedensfördernden Grundsätzen angesehen, etwa mit Gewaltfreiheit, Dialogorientierung und Inklusion.
Die offizielle Verleihung bleibt davon unberührt. Die Ablehnung betrifft ein begleitendes Ritual, nicht den Preis selbst.
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Es ist das erste Mal, dass der Norwegische Friedensrat eine öffentliche Distanzierung von einem Friedensnobelpreisträger vornimmt und die traditionelle Fackelprozession absagt, die seit 1948 jedes Jahr in Oslo am Abend der Preisverleihung stattfindet.
Am 10. Oktober 2025 verlieh das Norwegische Nobelkomitee den Friedensnobelpreis an die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado "für ihre unermüdliche Arbeit zur Förderung der demokratischen Rechte des venezolanischen Volkes und für ihren Einsatz für eine gerechte und friedliche Übergangsphase von der Diktatur zur Demokratie". Sie gelte als wichtige Stimme gegen das Regime von Nicolás Maduro, lebt derzeit weitgehend im Untergrund und soll laut dem Komitee für eine demokratische Wende in Venezuela eintreten.
Die Entscheidung des Nobelkomitees löste international Diskussionen aus. In Venezuela reagierten die Regierung unter Nicolás Maduro sowie viele soziale Bewegungen mit Empörung. Maduro kündigte an, die venezolanische Botschaft in Norwegen zu schließen.

