Hermosillo. Am 15. Oktober sind im Bezirk Hermosillo im mexikanischen Bundesstaat Sonora 60 Leichen entdeckt worden. Die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates (FGJ) bestätigte den Fund auf einem Grundstück an der Straße 26 in Richtung der Küste von Hermosillo. Das Kollektiv Buscadoras por la Paz (Suchende Frauen für den Frieden) hatte bereits Anfang des Jahres Hinweise auf ein Massengrab in diesem Gebiet gemeldet.
In einer offiziellen Mitteilung erklärte die FGJ, dass das Strafverfahren gegen die Verantwortlichen voranschreite. Der stellvertretende Chef der Ermittlungen, Jesús Francisco Moreno Cruz, teilte mit, dass die Leichen identifiziert und an ihre Familien übergeben wurden. Zudem bestätigte er, dass alle Opfer aus Sonora stammten und von derselben kriminellen Gruppe getötet wurden.
Moreno Cruz führte aus: "Nach den vorliegenden Ermittlungen wurde das Verbrechen des gewaltsamen Verschwindens mit Todesfolge begangen. Wir haben bereits fünf Personen festgenommen und angeklagt, zwei weitere sind vollständig identifiziert, und wir befinden uns im Prozess ihrer Festnahme." Nach Angaben der Behörden handelt es sich bei den festgenommenen Tatverdächtigen um Mitglieder einer kriminellen Organisation, die in Sonora operiert.
Der erste Hinweis auf ein Massengarb ergab sich Ende Januar dieses Jahres. Das Kollektiv Buscadoras por la Paz veröffentlichte auf seiner offiziellen Facebook-Seite, dass bei der Suche 48 vollständige Skelette sowie weitere Knochenreste gefunden wurden. Cecilia Delgado, Leiterin des Kollektivs, erklärte in demselben Beitrag: "Wir werden weitermachen, weil noch viel zu tun und viel Gelände zu durchsuchen ist. Es ist wirklich weitläufig, ich weiß nicht, wie viele Hektar, aber es ist enorm. Deshalb müssen wir uns zwei oder drei Wochen darauf konzentrieren."
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Ebenso erinnerte sie daran, dass Angehörige von vermissten Personen sich an den Gerichtsmedizinischen Dienst wenden können, um Informationen über identifizierte Leichen zu erhalten oder eine Vermisstenanzeige aufzugeben, falls dies noch nicht geschehen ist.
Nach Angaben der FGJ gibt es in Mexiko mehr als 130.000 Fälle von vermissten Personen. Im März erklärte Präsidentin Claudia Sheinbaum, dass das Problem des Verschwindenlassens eine Priorität für ihre Regierung sei, und kündigte sechs Maßnahmen zur Verringerung der Fälle an, darunter die Stärkung der Nationalen Suchkommission und eine Gesetzesreform.
Mehr als 150 Suchkollektive, Aktivist:innen sowie Angehörige von Opfern von Entführungen und des Verschwindenlassens äußerten, dass die Vorschläge der Präsidentin Sheinbaum "ein mangelndes Verständnis der bereits bestehenden institutionellen Mechanismen und Verfahren im Land im Bereich Suche und Untersuchung" zeigten.

