Cali. Die COP16 ist am Montag in Cali eröffnet worden. Der Biodiversitätsgipfel der Vereinten Nationen findet zum ersten Mal in Kolumbien statt. Der Eröffnungstag begann mit einem nur für die internationalen Delegationen und geladene Teilnehmer:innen zugänglichen Programm in der sogenannten "Blauen Zone". Abends gab es dann ein öffentliches Kulturprogramm und Reden, darunter die des Präsidenten Gustavo Petro, des Bürgermeisters von Cali, Alejandro Eder, und der Gouverneurin des Departmentos, Dilian Francisca Toro.
Während der geschlossene Teil störungsfrei verlief, wurde am Abend bei der öffentlichen Veranstaltung in der frei zugänglichen "Grünen Zone" im Zentrum der Stadt die politische Stimmung deutlich. Bürgermeister Eder wurde massiv ausgebuht und das Programm verschob sich, da er die Bühne vorzeitig verlassen musste. Er steht in Verbindung mit den riesigen Zuckerrohrindustrien, die in der Region für Vertreibung, Wasserknappheit und Armut sorgen.
Als die Gouverneurin Toro das Wort ergriff, wurde sie ebenfalls ausgebuht, mit Slogans zur Unterstützung von Präsident Gustavo Petro provoziert und von Sprechchören aufgefordert, die Bühne zu verlassen. Die Gouverneurin versuchte das Publikum zu beruhigen und bat um Respekt für "Andersdenkende". "Wie gut, dass dies ein Ort des Friedens und des gegenseitigen Respekts ist", rief Toro ironisch. Trotz ihrer Bemühungen, die Rede fortzusetzen, nahmen die Buhrufe zu und sie musste ihre Rede abbrechen. Toro verteidigte Eder, dankte ihm für die Organization der COP16 und und rief zu "Versöhnung und gegenseitigem Respekt inmitten der politischen Differenzen" auf.
Petro hatte zuvor die Agrarindustrie im Zuckerrohrsektor kritisiert und wies darauf hin, dass die Konzentration auf eine einzige Kulturpflanze im Valle del Cauca ein Problem darstelle. Sie wirke sich negativ auf die bäuerlichen und afro-indigenen Gemeinschaften aus, die oft ihr Land aufgeben müssten. "Wenn sich das fruchtbare Land im Cauca-Tal auf eine einzige Kultur und manchmal auf einen einzigen Besitzer konzentriert, wandern die Bauern und die indigenen und Afro-Gemeinschaften ab. Sie leben in den Armenvierteln unter Pappdächern", sagte der Präsident. Das Publikum würdigte seine Rede mit Rufen wie "Petro, unser Präsident".
Toro ist Mitglied der Partido de la U, ein rechtes Sammelbecken aus Unterstützer:innen des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe. Eder war vormals Berater von Uribe und positioniert sich heutzutage eher progressiv.
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Das Programm endete mit einem Konzert von Afromusikern aus der Pazifikregion.
Auf der anderen Seite der Stadt kamen tausende Angehörige indigener Völker nach Cali, um für direkte Finanzmittel für den Schutz ihrer Gebiete zu protestieren. Aus den entlegenen Regionen Cauca, Putumayo, Caquetá, Nariño und sogar aus der Sierra Nevada de Santa Marta reisten sie an, um durch die Straßen von Cali zu ziehen und zu protestieren.
"Die Welt soll über die schwierige Umweltsituation Bescheid wissen, in der wir als Folge der wahllosen Abholzung und der Monokulturen leben, die die Feuchtgebiete und die wenigen verbliebenen Flüsse zerstören und uns in eine prekäre Lage bringen", sagte ein Sprecher.
Seit einem Jahrzehnt kommen Indigene immer wieder aus ihren Autonomiegebieten, um in den Metropolen auf ihre dramatische Lage aufmerksam zu machen. Sie beschreiben, dass die "Mutter Erde" unter bewaffneten Gruppen im Bündnis mit den Drogenhändlern geschädigt werde, die zudem Gold mit Quecksilber aus dem Dschungel holten und die Wälder verwüsteten.
Cali gilt als Hochburg der politischen Linken und als Zentrum der marginalisierten und verarmten Bevölkerung der umliegenden Departmentos wie Chocó und Cauca. Die Vizepräsidentin Francia Márquez kommt aus einem Dorf in der Nähe der Stadt und hat jahrelang in den von Petro erwähnten Armenvierteln gelebt.

