Ecuador / Umwelt / Politik

Proteste nach Pipeline-Leck im Amazonasgebiet in Ecuador

Eine Million Liter Rohöl in Schutzgebiet ausgetreten. Kontamination auf 300 Kilometer, mindestens 60.000 Menschen betroffen. Krisenmanagement von Regierung und Betreiberfirma in der Kritik

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Das Leck verursacht "irreparable und nicht zu ersetzende Schäden“ an Mensch und Umwelt
Das Leck verursacht "irreparable und nicht zu ersetzende Schäden“ an Mensch und Umwelt

Quito. In Ecuador ist es nach dem Bruch einer Öl-Pipeline im Amazonasgebiet zu weitreichender Verschmutzung der Umwelt gekommen. Über 6.300 Barrel (eine Million Liter) Öl sind laut der Betreiberfirma Oleoductos de Crudos Pesados (OCP, Schweröl-Pipelines) ausgetreten. Nun steht neben dem Unternehmen auch Präsident Guillermo Lasso wegen der Ausweitung der Ölförderung in der Kritik.

Das Leck der Leitung in der Provinz Napo entstand nach schweren Regenfällen und Erdrutschen am vergangenen Freitag. In den sozialen Medien wurden daraufhin Fotos und Videos von regelrechten Bächen von Öl geteilt, die sich ungehindert in die Landschaft ergossen.

Für die Pipeline verantwortlich ist das ecuadorianische Privatunternehmen OCP, das nach Einstellung der Ölförderung versuchte, das ausgetretene Öl in Becken aufzufangen. Von den 6.300 Barrel seien 84 Prozent aufgefangen worden, erklärte ein OCP-Sprecher am Mittwoch.

Von den restlichen 1.000 Barrel erreichte dagegen ein Teil den Río Coca, den größten Fluss des ecuadorianischen Regenwaldes, sowie mehrere Nationalparks. Nach Angaben des Umweltministeriums steht die betroffene Fläche größtenteils unter Naturschutz.

Das Krisenmanagement von Unternehmen und Regierung stand bald darauf in der Kritik. Während die Firma OCP zunächst von "kleinen Ölspuren" sprach, die die Flüsse erreicht hätten, verteilte sich die Kontamination laut lokalen Gruppen in kurzer Zeit auf ein Gebiet von 300 Kilometer Ausdehnung, vom Gebiet des Lecks bis zum Nationalpark Yasuní. Die Umweltgruppe Acción Ecológica sprach von "irreparablen und nicht zu ersetzenden Schäden" an Mensch und Umwelt, die die Regierung kleinzureden versuche.

Circa 60.000 Personen sollen von der Katastrophe betroffen sein, etwa durch die Verunreinigung von Wasser und Boden sowie die Verseuchung von Fischgründen. Lokale Organisationen forderten die dringende Bereitstellung von Trinkwasser und Nahrungsmitteln für die Bevölkerung. Bis zum Mittwoch hatte OCP lediglich einem 500-Einwohner-Dorf Trinkwasser in Flaschen zu Verfügung gestellt.

Das Leck in der Provinz Napo ist das jüngste in einer Reihe von Ölkatastrophen im ecuadorianischen Regenwald. Bereits 2020 war in der selben Region Rohöl ausgetreten und hatte die Flüsse Napo und Coca verseucht (amerika21 berichtete). "Es ist schon das vierte Mal, das wir hier betroffen sind. Die Folgen sind schwere Schäden an unserer Gesundheit, die Fischerei ist betroffen, die Bananen- und Maniokfelder, alles, was wir hier anbauen, ist betroffen", sagte die Anwohnerin Eugenia Aguinda aus dem Dorf Panduyacu. Für das Leck von 2020 warteten die Anwohner noch immer auf eine Entschädigung, so Aguinda.

Laut einer jüngsten Untersuchung der Umweltgruppe Acción Ecológica gibt es regelmäßig größere und kleinere Öllecks im Amazonasgebiet. Innerhalb eines Monats seien fünf Fälle von undichten Leitungen gefunden worden. Dabei standen die mangelhaften Instandhaltungs- und Überwachungsmaßnahmen von Regierung und Betreiberfirmen in der Kritik. Pipelines seien gebaut worden, ohne die Gegebenheiten des Bodens in Betracht zu ziehen.

Vertreter von Umwelt- und Indigenenorganisationen versammelten sich am Dienstag vor einer Tagung der Öl- und Energiewirtschaft in der Hauptstadt Quito, um ihren Widerstand gegen den Extraktivismus und das Krisenmanagement der Regierung auszudrücken. Der Präsident der Konföderation der indigenen Nationen Ecuadores (Conaie), Leonidas Iza, prangerte die fehlende soziale und rechtliche Sicherheit der lokalen Gemeinden im Zuge der Ausweitung von Ölförderung und Bergbau an. Präsident Lasso solle "die Worte halten, die er auf der Klimakonferenz COP26 sagte, wo er die ganze Welt um den Schutz der Umwelt bat“, forderte Iza vor Pressevertretern.

Die Regierung Lasso hat das Ziel ausgegeben, die Ölproduktion in Ecuador zu verdoppeln, und will den Zugang zu Bergbaulizenzen deutlich erleichtern. Gegen die Ausweitung der Ölföderung ist eine Verfassungsbeschwerde anhängig.

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