Bolivien: Ausbau des Atomforschungszentrums in Kooperation mit Russland

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Präsident Luis Arce nahm an der offiziellen Zeremonie im Rahmen der Grundsteinlegung des geplanten Atomreaktors in Bolivien teil
Präsident Luis Arce nahm an der offiziellen Zeremonie im Rahmen der Grundsteinlegung des geplanten Atomreaktors in Bolivien teil

La Paz. Bolivien beginnt zusammen mit der russischen staatlichen Gesellschaft für Kernenergie (Rosatom) den Bau eines Atomreaktors in der Stadt El Alto. Der Reaktor wäre mit knapp 4.000 Metern über dem Meeresspiegel der höchstgelegene der Welt und soll 2024 in Betrieb genommen werden. Präsident Luis Arce hob zudem hervor, dass dieser "einer der ersten in Lateinamerika" sei.

Der Kernreaktor ist Teil des Forschungs- und Entwicklungszentrums für Nukleartechnologie (CIDTN). Das Projekt wird nun wieder aufgenommen, nachdem es 2019 ins Stocken geraten war. Es umfasst nach offiziellen Angaben einen Forschungsreaktor, der nun gebaut wird, sowie Bestrahlungsanlagen und ein Labor für die Forschung und Ausbildung.

Die beiden letztgenannten Komponenten des Zentrums sollen bereits in diesem Jahr fertiggestellt werden.

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Laut Präsident Arce besteht das CIDTN für friedliche Zwecke. Der Atomreaktor ermögliche insbesondere Studien, die im Bergbau, bei der Wasserversorgung und in anderen Bereichen von Nutzen sind. Zudem könnten durch nukleare Technologien unter anderem die Herstellung von Radiopharmazeutika für die Behandlung von Krebspatienten gefördert und die landwirtschaftliche Produktion gesteigert werden. "Mit dieser Infrastruktur werden bolivianische und ausländische Wissenschaftler in der Lage sein, in 4.000 Metern Höhe noch nie dagewesene Nuklearstudien durchzuführen", betonte er. Des Weiteren würden dort Fachleute für Nuklearforschung ausgebildet.

Zu diesem Zweck gibt es nun Stipendien für bolivianische Arbeitskräfte, die in Russland in diesem Bereich eine Ausbildung erhalten sollen. Die Direktorin der bolivianischen Atombehörde (ABEN), Hortensia Jiménez, kündigte an, dass "nächstes Jahr etwa 56 Personen ein Stipendium bekommen, damit sie neun bis zwölf Monate lang im Bereich Atomforschung ausgebildet werden können".

Ursprung des CIDTN ist ein bilaterales Abkommen zwischen Bolivien und Russland. Die beiden Länder schlossen das Abkommen im Jahr 2016 und planten im Zuge dessen gemeinsam ein Atomforschungszentrum zu errichten. Franklin Molina, bolivianischer Minister für Kohlenwasserstoffe und Energie, erklärte kürzlich, dass für dieses Vorhaben mehr als 300 Millionen Dollar investiert werden sollen.

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