Frankreich: Zapatistische Delegierte solidarisch mit der "Sans-Papiers"-Bewegung

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Escuadron 421 bei der Demonstration der Bewegung Sans-Papiers in Montreuil, Frankreich
Escuadron 421 bei der Demonstration der Bewegung Sans-Papiers in Montreuil, Frankreich

Montreuil. Die maritime zapatistische Delegation (Escuadron 421) bestehend aus vier Frauen, zwei Männern und einer nicht-binären Person, hat  am vergangenen Samstag gemeinsam mit Mitgliedern der französischen "Sans-Papiers"-Bewegung (Papierlose) in Montreuil in der Region Ile-de-France demonstriert.

Die fast vier Stunden lang dauernde Demonstration der Sans-Papiers, der sich die Zapatistas anschlossen, begann am Rathaus von Montreuil und stoppte bei insgesamt drei von Zwangsräumung bedrohten Unterkünften von Migrant:innen. Die Geflüchteten, mehrheitlich aus den verschiedenen Ländern Afrikas, forderten "Papiere für alle, würdige Wohnräume, die Schließung von Auffanglagern in ganz Frankreich" und prangerten die Schwierigkeiten bei der Stellung von Asylanträgen an. 

Mitglieder der Sans-Papiers bedankten sich bei den Zapatistas "die mit uns sind, die einen weiten Weg zurückgelegt haben" und forderten "die Einreisegenehmigung für unsere zapatistischen Genossen, denn sie sind sehr, sehr wichtig, sie sind ein Beispiel, dem wir folgen können". Sie hätten "Wunder vollbracht und haben eine beeindruckende Geschichte, die uns unmittelbar berührt. Die Zapatistas haben es geschafft, in mehr als 1.400 Dörfern ein System der politischen Demokratie zu errichten. In den zapatistischen Dörfern hat sich ein Spruch eingebürgert, der besagt: Das Volk entscheidet und die Regierung gehorcht", so ein Sprecher der Bewegung bei der Demonstration.

Parallel fanden in mehr als 43 Städten in Europa Protestaktionen statt, um darauf aufmerksam zu machen, dass sich das mexikanische Außenministerium trotz vollständig vorliegender Unterlagen noch immer weigert, Reisepässe an die Zapatistas auszustellen. Ebenso richteten sich die Proteste gegen die verschärften Einreisebedingungen für Staatsangehörige bestimmter Länder, die in Frankreich seit rund zwei Wochen gelten. Demnach darf nur einreisen, wer bereits vollständig geimpft ist oder einen "dringenden Grund" hat. 

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Im Rahmen der Proteste wurden Briefe an französische diplomatische Einrichtungen überreicht. Darin appellieren die Autor:innen, die 177 Zapatistas einreisen zu lassen, denn "sie kommen, um Mitglieder von sozialen Bewegungen in ganz Europa zu treffen, Dialoge durchzuführen, Ideen und Erfahrungen auszutauschen und das ist ein triftiger Grund", heißt es darin.

Bei einer Protestaktion im Museum Quai Branly – Jacques Chirac, wo aktuell eine Ausstellung über indigene Olmeca-Kunst aus Mexiko stattfindet, kritisierten die Aktivistinnen: "Die französische Regierung hat die Einreise dieser Kunstwerke genehmigt, jetzt verlangen wir, dass sie die Ankunft der zapatistischen Delegation garantiert. Lassen wir uns nach 500 Jahren Plünderung einen anderen Weg für eine andere Geschichte öffnen. Ein Weg für das Leben und nicht für den Tod!"

Das Escuadron 421 hatte seit der Ankunft am 25. Juni in Vigo, Galizien, die spanischen Städte Barcelona, Madrid und Valencia besucht und reiste am 9. Juli nach Frankreich weiter.

Als nächste Station der Reise ist das europäische Treffen von Frauen, Trans-, Inter- und nicht-binären Personen im Camp ZAD (Zone à défendre), am 28. und 29. Juli im französischen Nantes, geplant. Das ZAD ist ein 1.650 Hektar großes Areal, das 2007 aus Widerstand gegen einen geplanten Großflughafen besetzt wurde und seit dem immer wieder politische Veranstaltungen austrägt. 

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