Informelle Arbeit in Brasilien auf Rekordniveau, Quote Erwerbsloser weiter hoch

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Will Brasilien ultraliberal umbauen: Der zum Wirtschaftsminister aufgestiegene Finanzinvestor Paulo Guedes
Zentrale Figur in der Regierung von Jair Bolsonaro: Der zum Wirtschaftsminister aufgestiegene Finanzinvestor Paulo Guedes setzt auf umfassende Privatisierungen und die Öffnung strategischer Bereiche für das Auslandskapital

Rio de Janeiro. Die Zunahme der informellen Beschäftigung in Brasilien hält an. Nach einer vom nationalen Statistikamt IBGE (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística) verbreiteten Untersuchung sind dort im vergangenen Quartal 11,9 Millionen Menschen ohne Arbeitsvertrag beschäftigt gewesen. Sie sind etwa als ambulante Händler, als Botengänger oder Essenskuriere tätig.

Die Quote bedeutet einen Rekord für diesen Sektor. Gegenüber dem vorigen Quartal bis Juli stellt sie einen Anstieg um 1,7 Prozent dar. Den tiefsten Stand verzeichnete man hier im Jahr 2016 noch während der Regierung von Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei PT (Partido dos Trabalhadores). Seitdem ist die Zahl der informell Arbeitenden um 2,2 Millionen gewachsen. Auf einem neuen Höchststand ist auch die Zahl derjenigen, die als selbständig Tätige gelten: 24,4 Millionen Personen fallen in diese Kategorie. Das sind 3,9 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gegenüber dem bis Juli reichenden Quartal bedeutet das einen Anstieg um 1,7 Prozent.

Die Statistik verdeutlicht, dass für reguläre Beschäftigung die Krise des Arbeitsmarktes in Brasilien anhält. Die offizielle Arbeitslosenquote lag zum Quartalsabschluss im Oktober unverändert bei 11,6 Prozent. Vor einem Jahr wurden 11,8 Prozent registriert. 12,4 Millionen Menschen zählen aktuell zur erwerbslosen Bevölkerung.

Unter der Regierung des De-facto-Präsidenten Michel Temer war 2016 eine Politik der Deregulierung des Arbeitsmarktes eingeleitet worden. Das Arbeitsrecht wurde unternehmerfreundlich reformiert. Neue Gesetze fördern die Leiharbeit und erlauben Unternehmen ein unbegrenztes Outsourcing. Zugleich wurden die Ausgaben der öffentlichen Hand gedeckelt. Paulo Guedes, Wirtschaftsminister des seit Januar 2019 regierenden ultrarechten Staatschefs Jair Bolsonaro, setzt auf ultraliberale Konzepte. Der den Brasilianern versprochene wirtschaftliche Aufschwung lässt weiter auf sich warten.

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