Tote bei Protesten gegen Kupfermine in Peru

Tausende protestieren gegen "Las Bambas". Schwere Zusammenstöße mit der Polizei. Präsident Humalla verhängt Ausnahemzustand über sechs Provinzen

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Etwa 2.000 Polizisten gingen gegen die Demonstranten mit Schüssen und Tränengas vor
Etwa 2.000 Polizisten gingen gegen die Demonstranten mit Schüssen und Tränengas vor

Fuerabamba, Peru. Nach der Eskalation der Auseinandersetzung um das Kupferbergwerk Las Bambas haben die Protestierenden ihre Aktionen zunächst unterbrochen, um einen Dialog mit der Regierung von Präsident Ollanta Humala aufzunehmen.

Am vergangenen Montag war es zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Gegnern des im Bau befindlichen Kupferbergwerks im Süden Perus gekommen. Dabei wurden vier Menschen getötet, mindestens 22 weitere wurden verletzt, überwiegend durch Schusswunden. Mehr als 20 Protesierende wurden festgenommen. Gegen drei von ihnen hat die Staatsanwaltschaft Haftstrafen von neun Monaten wegen Beteiligung an Unruhen, Sachbeschädigung und illegalen Waffenbesitzes gefordert.

Nach den blutigen Auseinandersetzungen rief Humala für sechs Provinzen im Süden Perus den Ausnahmezustand aus.

Das Streikkomitee der Protestierenden der Provinzen Cotabambas und Grau hatte am vergangenen Freitag mit einem unbefristeten Streik begonnen, um gegen eine Modifizierung der Umweltverträglichkeitsstudie (EIA) für den geplanten Kupferabbau zu demonstrieren. Das Projekt wird von einem chinesischen Konsortium betrieben, das aus dem Staatsunternehmen MMG (62,5 Prozent), der Investmentgesellschaft Guoxin International (22,5 Prozent) und der Importfirma Citic Metal (15 Prozent) besteht. Der Schweizer Konzern Glencore hatte es im vergangenen Jahr für rund sieben Milliarden US-Dollar an das Konsortium verkauft.

Die Auseinandersetzungen begannen am Montag nahe des Ortes Fuerabamba, wie die Beobachtungsstelle für Bergbaukonflikte (Observatorio de Conflictos Mineros) der Provinz Apurímac mitteilte. Tausende Anwohner kamen aus verschiedenen Gemeinden der Provinzen Cotabambas und Grau in den Ort Challhuahuacho. Zudem wurden die Zufahrten nach Cotabambas blockiert. Die etwa 2.000 Polizisten gingen gegen die versammelten Demonstranten mit Schüssen und Tränengas vor.

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Zuvor hatte die Beobachtungsstelle bereits vor einem Einsatz der Armee gewarnt, die in der Region zur Unterstützung der Nationalpolizei stationiert worden war. Der Erlass 200-2015 hat das Innenministerium ermächtigt, vom 25. September bis zum 24. Oktober die Streitkräfte in den Provinzen Grau und Cotabambas in Apurímac sowie in den Provinzen Chumbivilcas und Espinar in Cusco einzusetzen. Mit einem weiteren Erlass, 065-2015-PCM, wurde in sechs Provinzen dieser beiden Verwaltungsbezirke der Ausnahmezustand ausgerufen. Damit werden mehrere Grundrechte vorübergehend außer Kraft gesetzt, wie die Versammlungs- und Bewegungsfreiheit und die Unantastbarkeit des Wohnraums.

Der Beschluss zu dem Streik war am 12. September auf einem Treffen von über 600 Delegierten gefasst worden. Diese werfen dem Betreiberkonsortium vor, die notwendige Umweltverträglichkeitsstudie (EIA) irregulär und intransparent abgeändert zu haben. Konkret verändert wurden der Standort der Verarbeitungswerke und das Transportsystem nach Espinar - statt durch eine Leitung sollen die Mineralien nun auf der Straße transportiert werden. Die Anwohner fürchten um ihre Ressourcen und die Umwelt; deshalb haben sie beschlossen, die Änderungen nicht anzuerkennen und stattdessen ein Streikkomittee gegründet.

Sie fordern unter Anderem eine vorhergehende Konsultierung, den Abriss des Molybdän-Werkes, den Rücktritt der verantwortlichen Manager und eine Neuverhandlung des Gemeindelandes. Diese Maßnahmen seien nötig, da es weder eine Reaktion seitens des Staates noch anderer Korrekturmöglichkeiten gebe, so wie es wiederholt gefordert worden sei.

Das Bergbauprojekt Las Bambas sieht einen Abbau von 6,9 Millionen Tonnen Kupfer vor und sollte eigentlich noch im Jahr 2015 in Betrieb gehen. Es ist das größte Bergbauprojekt des Landes und liegt auf über 4.000 Metern zwischen den Provinzen Cotabambas und Grau, 72 Kilometer südwestlich der Stadt Cusco.

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